FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Freitag angesichts wieder gestiegener Rohölpreise nachgegeben. Der richtungweisende Euro-Bund-Future
Die Rohölpreise haben nach anfänglichen Abschlägen wieder zugelegt. Im Nahen Osten spitzte sich die Lage wieder zu. Die kuwaitischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben iranische Drohnen abgefangen. Sie sollen auf militärische und andere wichtige Einrichtungen gerichtet gewesen sein, so eine Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Dies belastete die Anleihekurse. Durch die gestiegenen Rohölpreise sind die Inflationserwartungen wieder gestiegen, was die Wahrscheinlichkeit für Leitzinsanhebungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht.
Die am Vormittag veröffentlichten Preisdaten aus der Eurozone bewegten den Markt kaum. Die Inflation ist im Juli nach dem Rückgang im Vormonat wieder gestiegen. Das Plus lag jedoch im Rahmen der Erwartungen. Mit 2,9 Prozent liegt die Inflationsrate deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB.
"Klare Indizien für ernstzunehmende Zweitrundeneffekte gibt es bislang nicht", schreibt VP Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel. Für die EZB bestehe daher kein akuter Handlungsbedarf. "Ob die europäischen Währungshüter auf ihrer nächsten Sitzung im September den Zins anheben werden, darf infrage gestellt werden."
Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer vertritt die entgegengesetzte Position: "Die erneuten Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran machen auch eine zweite Zinserhöhung durch die EZB immer wahrscheinlicher." Dafür spreche die überraschend gestiegene Kernrate. Zudem nähere sich die Inflation insgesamt immer näher an die Projektionen der EZB an, bei denen die Notenbank zwei Zinserhöhungen unterstellt habe. Eine Leitzinsanhebung im September würde die Anleihekurse tendenziell stützen./jsl/he
Quelle: dpa-Afx