FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Donnerstag ihre Vortagesverluste wettgemacht. Der richtungweisende Euro-Bund-Future
Angesichts der Proteste und der Haushaltskrise in Frankreich waren deutsche Staatsanleihen weiter als sicherer Hafen gesucht. Zudem profitierten sie von den Verlusten am Aktienmarkt, wo durchwachsene Geschäftszahlen großer US-Tech-Konzerne und die wieder deutlich gestiegenen Ölpreise auf die Stimmung drückten.
Am französischen Anleihenmarkt zog die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kräftig auf 5,12 Prozent an. Sie rentierten damit inzwischen höher als vergleichbare US-Papiere. Der Abstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren (die sogenannte Risikoprämie) weitete sich entsprechend auf gut 1,7 Prozentpunkte aus.
Die Lage in Frankreich bleibt angespannt. Der Gewerkschaftsbund des Landes rief zu einem Generalstreik am 5. November auf. Das Land befinde sich in einer tiefen Krise, weil sich die soziale Lage für eine Mehrheit der Bevölkerung verschlechtert habe, hieß es zur Begründung. Für den 5. November hatten die Gewerkschaften zuvor bereits zu landesweiten friedlichen Demonstrationen aufgerufen.
Da die Unsicherheit bis zur Präsidentschaftswahl im Frühjahr sowie der Wahl der Nationalversammlung im Juni hoch bleiben dürfte, sei auch mit einer anhaltend erhöhten Risikoprämie französischer Staatsanleihen zu rechnen, schrieb Finanzanalyst Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler. Die Dauer dieser Unsicherheitsphase sei dabei zunehmend auch selbst ein Budgetfaktor: Dank der Niedrigzinsphase in den 2010er-Jahren betragen die Zinskosten für die bestehenden Schulden aktuell dem Experten zufolge nur rund 2 Prozent. Mit der Ablösung jeder auslaufenden Anleihe stiegen auch die Zinskosten./la/jkr/jha/
Quelle: dpa-Afx