FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben sich etwas von ihren jüngsten Verlusten erholt. Der richtungweisende Euro-Bund-Future
Auch europaweit gaben die Renditen überwiegend nach. Unterstützung kam zuletzt vom Rohstoffmarkt, wo vage Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte im Iran-Krieg für Abgabedruck gesorgt hatten. Die Ölpreise waren von ihren Höchstständen seit mehreren Wochen zurückgekommen und hatten zuletzt nachgegeben. Dies wiederum ließ die jüngsten ölpreisbedingten Inflationssorgen verblassen und veranlasste Händler, ihre Wetten auf Zinserhöhungen der Notenbank im kommenden Jahr zurückzufahren.
Am Montag waren besonders die Renditen französischer zehnjähriger Staatsanleihen stark gestiegen, da sich zunehmend Sorgen über die Staatsfinanzen des Landes breit gemacht hatten. Am Wochenende war es bei Massendemonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten in mehreren Städten Frankreichs zu Gewalt und Plünderungen gekommen.
Die Lage in Frankreich wird am Markt wohl weiterhin eine Rolle spielen. Am Dienstag legte der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von jeweils zehn Jahren weiter zu und beträgt mittlerweile gut 1,5 Prozentpunkte.
Dies unterstreicht die Herausforderungen, denen sich die Regierung in Paris aktuell gegenübersieht. Sie muss das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen und die Proteste gegen die steigenden Lebenshaltungskosten entschärfen. Teile der Investoren dürften unter dem Eindruck des wachsenden gesellschaftlichen Drucks bereits ein Szenario eingepreist haben, das die Chancen fiskalpolitischer Konsolidierungsvorhaben reduziere oder die Aussichten auf fiskalische Zugeständnisse erhöhe, schrieb Analyst Christian Arnold von der DZ Bank.
Aktuelle Konjunkturdaten aus Deutschland wirkten sich kaum auf den Anleihenmarkt aus. Angesichts hoher Ölpreise und steigender Zinsen hat sich die Einschätzung von Finanzexperten und Analysten zur Konjunktur hierzulande erstmals seit fünf Monaten wieder verschlechtert./la/he
Quelle: dpa-Afx