FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs des Euro ist am Mittwoch deutlich gestiegen. Die Gemeinschaftswährung profitierte von einer Schwäche des US-Dollars nach der überraschend deutlichen Niederlage der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump bei den Zwischenwahlen.

Im Vormittagshandel stieg der Euro auf ein Tageshoch bei 1,1265 US-Dollar, nachdem der Kurs am Vorabend noch deutlich unter 1,12 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,1179 Dollar festgesetzt.

Der Dollar steht seit dem frühen Morgen zu allen anderen wichtigen Währungen unter Verkaufsdruck. Die Kursverluste zeigen, dass der Markt vom Wahlergebnis in den USA überrascht wurde, wie Devisenexperte Volkmar Baur von der Commerzbank sagte. Er rechnet kurzfristig mit weiteren Kursverlusten beim Dollar.

In einer deutlichen Abrechnung mit der Politik von Präsident Donald Trump übertrugen die US-Wähler den Demokraten die volle Kontrolle über den Kongress übertragen. Trumps Republikaner haben ihre Mehrheit nicht nur im Abgeordnetenhaus, sondern auch im Senat verloren - was noch vor wenigen Monaten als kaum wahrscheinlich galt.

Dies könnte hohe Investitionen in die Künstliche Intelligenz (KI) und den Bau von Rechenzentren ausbremsen, sagte Experte Baur. Der KI-Boom gilt als ein wesentlicher Treiber der US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten, was auch den Dollar stützte. "Längerfristig dürfte es wirtschaftlich gesehen entscheidend werden, was die niedrigeren Investitionen für das Wachstum in den USA bedeuten", sagte Baur.

Zudem wurde der Euro durch Inflationsdaten aus der Eurozone gestützt. Im Oktober ist die Teuerung auf 4,0 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit über drei Jahren. Die Inflation stieg damit weiter über das Ziel der EZB von mittelfristig zwei Prozent und setzt die Notenbank unter Druck, die Zinsen zu erhöhen.

Zuletzt hatte Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der auch Mitglied des EZB-Rates ist, gesagt, dass eine Zinserhöhung im Dezember "sehr wahrscheinlich notwendig" sei. Aus heutiger Sicht dürfte kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeiführen, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessere, sagte Nagel am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Berlin./jkr/jsl/mis

Quelle: dpa-Afx