^ Original-Research: Marinomed Biotech AG - von GBC AG

24.07.2026 / 10:00 CET/CEST Veröffentlichung einer Research, übermittelt durch EQS News - ein Service der EQS Group. Für den Inhalt der Mitteilung bzw. Research ist alleine der Herausgeber bzw. Ersteller der Studie verantwortlich. Diese Meldung ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Abschluss bestimmter Börsengeschäfte.

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Einstufung von GBC AG zu Marinomed Biotech AG

Unternehmen: Marinomed Biotech AG ISIN: ATMARINOMED6

Anlass der Studie: Research Comment Empfehlung: Under Review Kursziel: Under Review Kursziel auf Sicht von: 31.12.2027 Letzte Ratingänderung: Analyst: Matthias Greiffenberger, Cosmin Filker

Erneutes Sanierungsverfahren eröffnet: Unither-Forderungen werden zum entscheidenden Faktor; Rating und Kursziel: Under Review

Das Landesgericht Korneuburg hat am 23. Juli 2026 ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über das Vermögen der Marinomed Biotech AG eröffnet. Zur Insolvenzverwalterin wurde Mag. Dr. Ulla Reisch bestellt. Die Verfahrenseröffnung folgt auf den Antrag vom 22. Juli 2026, nachdem Unither Pharmaceuticals die Gespräche über eine wirtschaftliche Einigung abgebrochen hatte und bislang keine der an Bedingungen geknüpften Earn-out-Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts geleistet wurden. Der im Februar 2025 vollzogene Asset-Deal umfasste einen bereits vereinnahmten fixen Kaufpreisanteil von 5,00 Mio. EUR sowie potenzielle Earn-out-Zahlungen von bis zu 15,00 Mio. EUR. Diese Mittel waren als wesentliche Finanzierungsquelle für die Erfüllung des im November 2024 genehmigten Sanierungsplans vorgesehen. Mit dem Wegfall zeitnah erwarteter Zahlungen konnte die bisherige positive Fortbestehensprognose nicht mehr aufrechterhalten werden.

Nach Angaben des Unternehmens belaufen sich die Verbindlichkeiten einschließlich der wiederauflebenden Forderungen aus dem ersten Sanierungsverfahren auf rund 27,90 Mio. EUR. Davon sind laut KSV1870 rund 21,80 Mio. EUR als unbesicherte Forderungen im Verfahren zu berücksichtigen. Der AKV nennt derzeit 87 Gläubiger mit Gesamtforderungen von rund 22,68 Mio. EUR. Im Rahmen des ursprünglichen Sanierungsplans war eine Quote von 30 % vorgesehen. Bei den Kleingläubigern wurden davon bislang 20 % erfüllt, sodass aufgrund der Nichterfüllung des Plans 33,33 % der ursprünglichen Forderungen wieder aufleben. Für die Forderungen der Europäischen Investitionsbank (EIB) bestand hingegen eine gesonderte Rückstehensvereinbarung; hier wurden bislang lediglich 10 % bedient. Damit leben zwei Drittel der ursprünglichen EIB-Forderungen wieder auf, was einem Betrag von knapp 16,00 Mio. EUR entspricht. Marinomed schlägt nun eine neue Sanierungsplanquote von 20 % vor, die zunächst der gesetzlichen Mindestquote entspricht.

Eine zentrale Rolle kommt den Forderungen und rechtlichen Möglichkeiten gegenüber Unither zu. Marinomed vertritt den Standpunkt, dass vereinbarte Zielvorgaben aufgrund verzögerter Kundenabschlüsse und einer geänderten Strategie bei Unither nicht erreicht wurden. Ob und in welcher Höhe hieraus kurzfristig liquiditätswirksame Zahlungen, ein Vergleich oder Erlöse aus einer anderweitigen Verwertung erzielt werden können, ist derzeit jedoch offen. Die Insolvenzverwalterin wird sowohl die Fortführungsfähigkeit als auch den Umgang mit dem Unither-Vertrag und den geltend gemachten Ansprüchen prüfen. Die Anmeldefrist für Gläubigerforderungen endet am 10. September 2026. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung ist für den 24. September 2026 angesetzt; über den Sanierungsplan soll voraussichtlich am 29. Oktober 2026 verhandelt werden. Damit dürften in den kommenden Wochen wesentliche Weichen für den Fortbestand des Unternehmens gestellt werden.

Der operative Kern der bisherigen Investmentstory ist durch die Verfahrenseröffnung nicht unmittelbar entfallen. Die Marinosolv-Technologie, die Marinosolv-basierten Produktkandidaten, das Solv4U-Dienstleistungsgeschäft und der neu erschlossene Compounding-Markt stellen weiterhin potenziell werthaltige Assets dar. Gleichzeitig erschwert die erneute Insolvenz die Gewinnung von Kunden, Lizenzpartnern und Kapitalgebern erheblich und kann zu weiteren Verzögerungen bei laufenden Projekten führen. Zudem zeigt die aktuelle Entwicklung erneut die hohe Abhängigkeit des Geschäftsmodells von einzelnen Partner-, Lizenz- und Meilensteinzahlungen. Die im April 2026 abgeschlossene Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von 2,23 Mio. EUR konnte die Finanzierungslücke daher lediglich vorübergehend überbrücken.

Zusätzlich hat die Raiffeisen Bank International den Market-Making-Vertrag mit sofortiger Wirkung beendet. Der Börsenhandel bleibt grundsätzlich möglich, kurzfristig ist jedoch mit einer geringeren Handelsliquidität und deutlich größeren Geld-Brief-Spannen zu rechnen. Ferner wurde die ursprünglich für den 16. September 2026 vorgesehene Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts 2026 verschoben.

Das Sanierungsverfahren bietet einen geordneten Rahmen, um die operative Fortführung zu sichern, Ansprüche durchzusetzen und die Finanzierungsstruktur erneut anzupassen. Für die Aktionäre ist der Ausgang jedoch vollständig offen. Selbst bei einer erfolgreichen Sanierung können erhebliche Verwässerungen, Asset-Veräußerungen oder andere Maßnahmen erforderlich werden. Die bislang von uns verwendeten Umsatz-, Ergebnis- und Cashflow-Prognosen bilden diese neue Situation nicht mehr angemessen ab und werden bis zum Vorliegen eines belastbaren Sanierungs- und Finanzierungskonzepts ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund stellen wir unser bisheriges KAUFEN-Rating sowie das bisherige Kursziel von 51,00 EUR mit sofortiger Wirkung UNDER REVIEW. Eine Neubewertung ist möglich, sobald Klarheit über die Realisierbarkeit der Unither-Ansprüche, die Zustimmung der Gläubiger, die Finanzierung der Sanierungsquote und die Auswirkungen des Verfahrens auf die bestehenden Aktionäre besteht.

Die vollständige Analyse können Sie hier downloaden: https://nwr.eqs-cockpit.com/fncls2.ssx?fn=redirect&u=e0e550d53ecf625496882c4d868bf811

Kontakt für Rückfragen: GBC AG Halderstrasse 27 86150 Augsburg 0821 / 241133 0 research@gbc-ag.de ++++++++++++++++ Disclosure of potential conflicts of interest pursuant to Section 85 of the German Securities Trading Act (WpHG) and Article 20 of the Market Abuse Regulation (MAR) The following potential conflict of interest exists in relation to the company analysed above: (5a,11); A list of potential conflicts of interest can be found at: https://www.gbc-ag.de/de/Offenlegung +++++++++++++++ Fertigstellung: 23.07.2026 (17:00 Uhr) Erste Weitergabe: 24.07.2026 (10:00 Uhr)

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Quelle: dpa-Afx