(neu: Kursteil aktualisiert, weitere Analysten)

ESSEN (dpa-AFX) - Der Energiekonzern Eon setzt bei seinen Investitionsvorhaben auf die kommenden Monate. Im ersten Halbjahr lagen die Investitionen etwa für Energieinfrastruktur und Digitalisierung mit 3 Milliarden Euro rund 7 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Grund dafür waren nach Konzernangaben witterungsbedingte Verzögerungen zu Jahresbeginn, die im Jahresverlauf nachgeholt werden sollen. Für 2026 stehen bei den Essenern weiterhin 8,7 Milliarden Euro im Plan, was etwas mehr wäre als 2025. Auch die Ergebnisziele bestätigte das Management zur Vorlage des Halbjahresberichts. Anleger reagierten verhalten.

Die Aktie verlor am Vormittag zeitweise gut 2 Prozent, konnte den Abschlag zuletzt aber zumindest auf rund 1 Prozent auf 18,84 Euro eindämmen. Etwa seit Anfang Juli bewegt sich das Papier überwiegend seitwärts. Zuvor hatte es etwas Federn gelassen, nachdem der Kurs Mitte März ein Niveau von mehr 20 Euro erreicht hatte. Seit Jahresbeginn steht momentan ein Plus von fast 17 Prozent zu Buche.

Bislang bremsen die verzögerten Investitionen des Dax-Konzerns auch das Ergebniswachstum aus. Denn der operative Gewinn bei Eon ist in weiten Teilen an den Ausbau des Energienetzes geknüpft, dessen Betrieb den Löwenanteil zum Ergebnis beiträgt. Das um nicht-operative Effekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im ersten Halbjahr nur leicht auf 5,4 Milliarden Euro.

Der Ergebnisbeitrag aus dem wichtigen Netzgeschäft blieb dabei quasi stabil. Das Vertriebsgeschäft bewegte sich leicht unter Vorjahresniveau. Im Geschäft mit Städten, Gemeinden, Gewerbe und Industrie legte Eon zu, der Bereich steuert allerdings am wenigsten zum Gesamtergebnis bei. Der bereinigte Gewinn des Konzerns verbesserte sich um 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

Die Resultate hätten im Einklang mit den Schätzungen von Analysten gelegen, schrieb Experte Alexander Wheeler von der kanadischen Bank RBC. Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies sieht die Ergebnisse sogar etwas über der Konsensschätzung. Das Unternehmen sei auf gutem Weg, die Jahresziele zu erreichen, schrieb er.

Im Gesamtjahr strebt Eon ein operatives Ergebnis von 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro an und einen bereinigten Überschuss von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro. Bis 2030 soll das operative Ergebnis auf 13 Milliarden und der bereinigte Gewinn auf 3,8 Milliarden Euro zulegen. Zudem sind für die Jahre 2026 bis 2030 rund 48 Milliarden Euro Investitionen das Ziel.

Der Schwerpunkt liegt dabei unverändert im Ausbau, der Modernisierung und Digitalisierung des Verteilnetzes: 40 Milliarden Euro nimmt Eon allein für den Netzausbau in die Hand. Vor allem das Strom-Verteilnetz spielt eine wichtige Rolle beim Energie-Umbau Deutschlands hin zur Klimaneutralität. So speisen fast alle Wind- und Solaranlagen ihren Strom in das Verteilnetz ein. Um das erklärte Ziel einer emissionsfreien Stromerzeugung in Deutschland 2035 zu erreichen, braucht es deshalb hohe Investitionen, unter anderem in Neuanschlüsse und die Modernisierung.

Vor allem im Netzgeschäft ist Eon allerdings stark an die von der Bundesnetzagentur vorgegeben Bedingungen gebunden. Und wie diese ab 2029 für das Strom-Geschäft aussehen sollen, ist in einigen Aspekte noch offen. Zumindest Metzler-Experte Guido Hoymann sieht zunehmende Chancen auf Zugeständnisse seitens der Regulierungsbehörde. Er verwies auf die dringende Notwendigkeit, den Netzausbau zu beschleunigen. Hier habe die Bundesregierung kürzlich die Notwendigkeit einer solchen Beschleunigung bekräftigt und Maßnahmen zur Erleichterung der Umsetzung in Aussicht gestellt./lew/tav/mis

Quelle: dpa-Afx