(neu: Aktienkurs, Börsenwert und Historie)

INDIANAPOLIS (dpa-AFX) - Der Pharmakonzern Lilly kann sich weiter auf den Gewichtssenker Zepbound und das Diabetesmittel Mounjaro verlassen. Beide Kassenschlager trieben das Wachstum auch im dritten Quartal mit Milliardenerlösen an. Damit schnitt der US-Konzern besser ab als erwartet. Konzernchef David Ricks hebt angesichts der anhaltend hohen Nachfrage seine Umsatzprognose für das Jahr nochmals deutlich an. Die seit Jahren stark gefragte Aktie kletterte auf ein Rekordhoch.

Das Papier stieg im frühen Handel um bis zu neun Prozent auf 1.408 Dollar. Das Niveau konnte die Aktie nicht ganz halten, lag aber am Nachmittag immer noch sechs Prozent im Plus. Seit Ende 2025 legte der Kurs fast 30 Prozent zu und das, nachdem es sich bereits in den vergangenen Jahren deutlich verteuert hatte. Im Zuge des Booms von Abnehmmedikamente hat sich der Börsenwert in den vergangenen fünf Jahren auf rund 1,3 Billionen mehr als verfünffacht.

Damit ist Lilly der mit Abstand wertvollste Pharmakonzern. Zudem liegt das Unternehmen in der Rangliste der weltweit teuersten Unternehmen, die von US-Techkonzernen wie Nvidia , Apple , Alphabet und Microsoft dominiert wird, vergleichsweise weit vorn. Mit dem Anstieg am Donnerstag kletterte Lilly hier auf Rang 12.

30 der 35 von Bloomberg befragten Analysten empfehlen die Lilly-Aktie trotz des starken Anstiegs in den vergangenen Monaten weiter zum Kauf. Allerdings liegt das durchschnittliche Kursziel mit 1.360 Dollar leicht unter dem aktuellen Niveau. Die Spanne reicht von etwas mehr als 900 bis 1.600 Dollar. Experten wie JPMorgan-Analyst Chris Schott lobten die Zahlen und Ziele. Diese zeigten eindrucksvoll die gute Aufstellung und das hervorragende Portfolio des Konzerns.

Für 2026 rechnet das Unternehmen nun mit einem Anstieg der Erlöse auf 91 bis 92 Milliarden US-Dollar (rund 81,7 bis 82,6 Mrd Euro), nach gut 65 Milliarden im Vorjahr, wie Lilly in Indianapolis mitteilte. Bei der Erhöhung im August hatte Chef Ricks noch 85 bis 87 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.

Das Jahresziel für den bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) senkte der Konzern hingegen leicht um je einen halben Dollar: Erwartet wird nun ein Anstieg auf 35 bis 36 Dollar je Aktie. Grund für die leichte Kürzung seien Belastungen für übernommene Entwicklungs- und Forschungsprojekte.

Im dritten Quartal steigerte Lilly den Umsatz um 39 Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 22,5 Milliarden gerechnet. Das Diabetesmittel Mounjaro spülte dabei 10,7 Milliarden Dollar in die Kasse, das Abnehmpräparat Zepbound 5,3 Milliarden. Beide Medikamente übertrafen die Erwartungen des Marktes.

Die noch recht neue Abnehmpille Foundayo blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück. Sie brachte im Quartal 184 Millionen Dollar ein, während Analysten mit fast 50 Millionen Dollar mehr gerechnet hatten. Das einmal täglich einzunehmende Mittel konkurriert mit der Abnehmpille Wegovy des dänischen Rivalen Novo Nordisk .

Der Gewinn unter dem Strich zog im Quartal um gut 15 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Dollar an. Der Anstieg beim bereinigten Gewinn je Aktie fiel mit sieben Prozent auf 7,48 Dollar zwar im Vergleich geringer aus, weil hohe Forschungskosten belasteten. Analysten hatten hier aber sogar mit einem Rückgang gerechnet.

Um das Wachstum langfristig abzusichern, arbeitet der Konzern - ähnlich wie der Konkurrent Novo Nordisk - unter anderem an weiteren Wirkstoffen zur Gewichtsreduktion. Dazu zählt auch eine neue Generation von Präparaten, die wirksamer sind oder weniger Nebenwirkungen haben. Im Fokus steht etwa der experimentelle Wirkstoff Retatrutid, der noch klinisch geprüft wird und einen größeren Gewichtsverlust als bisherige Präparate bieten könnte. Darüber hinaus erschließt sich Lily derzeit neue Bereiche wie Frauengesundheit und psychedelische Substanzen.

Zugleich verschärft sich der Wettbewerb im Markt für Abnehmmedikamente, auch weil Novo Nordisk versucht, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Die Dänen hatten wie Lilly an der Börse zu Beginn des Abnehmmittel-Booms profitiert. So war Novo Nordisk zwischenzeitlich das wertvollste Unternehmen Europas. Die Zeiten sind aber schon lange vorbei.

Die starke Konkurrenz, Lieferengpässe und Rückschläge bei klinischen Studien haben den Kurs stark belastet. Seit dem Rekordhoch von mehr als 1.000 Kronen ging es um rund 75 Prozent nach unten. Von den Gewinnen in der Rally in den drei Jahren bis Mitte 2024 ist so gut wie nichts mehr übrig. Mit rund 260 dänischen Kronen kostet die Aktie derzeit nur noch rund zehn Prozent mehr als im Frühjahr 2021. Mit einem Börsenwert von umgerechnet nur noch etwas mehr als 150 Milliarden Euro ist Novo Nordisk in der Rangliste der wertvollsten Unternehmen Europas inzwischen fast aus der Top Ten gefallen./tav/nas/zb/jha/

Quelle: dpa-Afx