AMSTERDAM (dpa-AFX) - Das Muskelschwäche-Medikament Vyvgart gibt dem Biotechspezialisten Argenx weiterhin mächtig Schub. Im dritten Quartal erzielte der Konzern mit dem Medikament erneut einen Milliardenerlös. Der Börse reichte das nicht, denn der Markt hatte sich einen höheren Gewinn erhofft. Die Aktie, die sich noch nicht vollständig vom jüngsten Forschungsflop des Unternehmens erholt hat, gab am Donnerstag auf die Nachrichten hin wieder nach.

Im dritten Quartal kletterte der Konzernumsatz im Jahresvergleich um mehr als die Hälfte auf 1,72 Milliarden US-Dollar (1,53 Mrd Euro), wie das im EuroStoxx 50 notierte Unternehmen in Amsterdam verkündete. Wie üblich stammt der Erlös nahezu vollständig aus dem Verkauf von Vyvgart. Analysten hatten mit weniger Umsatz mit dem Medikament gerechnet.

Das operative Ergebnis stieg um 40 Prozent auf 486 Millionen Dollar, von Bloomberg befragte Analysten hatten aber im Schnitt mit 551 Millionen gerechnet. Vor allem höhere Forschungs- und Vermarktungskosten belasteten das Ergebnis. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre wegen eines Steuereffektes ein Gewinn von 506 Millionen Dollar - ein Jahr zuvor waren es 344 Millionen gewesen.

Das Papier gab zunächst deutlich nach, drehte am Nachmittag aber ins Plus. Zuletzt ging es um mehr als ein Prozent auf 796,60 Euro nach oben. Anfang Oktober war der Kurs bis auf 682 Euro eingebrochen, nachdem der Konzern eine weit fortgeschrittene Wirkstoff-Studie zur Autoimmunkrankheit Sjögren-Syndrom wegen Erfolglosigkeit beendet hatte.

Das bisherige Jahresplus der Aktie beläuft sich aktuell auf gut 10 Prozent - das nimmt sich mehr als mager aus, zumindest verglichen mit den deutlichen Kursgewinnen der Vergangenheit. So hat sich der Wert der Aktie in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht, binnen zehn Jahren ist er sogar auf mehr als das 50-Fache gestiegen.

UBS-Analyst Matthew Weston sprach von einem starken Quartalsbericht. Argenx habe zudem ein ermutigendes Update zur Forschungspipeline gegeben, betonte der Experte.

So kündigte Chefin Karen Massey unter anderem die Beantragung einer Zulassungserweiterung für das Medikament Vyvgart Hytrulo an. Auch sei eine weitere zulassungsrelevante Studie des Mittels zur Behandlung der entzündlichen Autoimmunerkrankung Dermatomyositis (DM) geplant.

Argenx erwirtschaftet sein Geld derzeit zu fast 100 Prozent mit dem Wirkstoff Efgartigimod Alfa, der zur Behandlung der schweren Muskelschwächekrankheit Myasthenia gravis (Mg) eingesetzt wird. Das Unternehmen ist daher auf der Suche auch nach anderen Einsatzgebieten und neuen Wachstumstreibern./tav/mis

Quelle: dpa-Afx