VENLO/HILDEN (dpa-AFX) - Der Labordienstleister und Diagnostikkonzern Qiagen hat sich nach einem enttäuschenden Jahresstart im zweiten Quartal besser als befürchtet geschlagen. Der Umsatz stagnierte in den drei Monaten bis Ende Juni mit 535 Millionen US-Dollar in etwa auf dem Vorjahresniveau, wie das Dax-Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Branchenexperten hatten im Schnitt hingegen mit einem Rückgang gerechnet. Zu konstanten Wechselkursen übertraf Qiagen auch die eigenen Prognosen.

"Qiagen hat im zweiten Quartal 2026 Ergebnisse erzielt, die über den Erwartungen lagen, und gleichzeitig in einem herausfordernden Geschäftsumfeld eine hohe Profitabilität aufrechterhalten", sagte der scheidende Unternehmenschef Thierry Bernard laut Mitteilung.

Das Unternehmen profitierte in dem Quartal vor allem von einer starken Nachfrage nach Probentechnologien und leichten Zuwächsen bei Verbrauchsmaterialien. Der Verkauf von Instrumenten insgesamt hingegen entwickelte sich rückläufig - Qiagen verwies zur Begründung auf die weiterhin geringe Investitionsbereitschaft von Life-Science-Kunden in den USA. "Unsere Wachstumsträger, insbesondere die Probentechnologien, QIAcuity und QDI, haben solide Zuwächse erzielt, obwohl wir in den USA mit anhaltendem Druck bei den Ausgaben für Instrumente konfrontiert waren", erläuterte Bernard.

Beim wichtigen Tuberkulosest Quantiferon erzielte der Konzern ein Wachstum von währungsbereinigt 1 Prozent. Der Absatz des für lange Zeit verlässlichen Wachstumstreibers leidet aktuell unter der strengeren Einwanderungspolitik in den USA - weil weniger Migranten ins Land kommen, wird auch seltener auf Tuberkulose getestet.

Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis sank zwar im Vergleich um zwei Prozent auf 157 Millionen Dollar, fiel aber ebenfalls besser aus als gedacht. Unter dem Strich erhöhte der Konzern auch dank Kostensenkungen seinen Gewinn um sieben Prozent auf 103 Millionen Dollar.

Im April hatte das Qiagen-Management unter anderem wegen der mauen Entwicklung bei Quantiferon und der trüben Investitionslaune in den USA seine Jahresprognose gesenkt - diese wurde nun bestätigt. Demnach dürfte der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um ein bis zwei Prozent zulegen. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird währungsbereinigt bei mindestens 2,43 Dollar erwartet.

Unverändert rechnen der scheidende Vorstandsvorsitzende Bernard und sein Finanzchef Roland Sackers mit einer Belebung in der zweiten Jahreshälfte und einem vergleichsweise stärkeren Wachstum. Dazu beitragen sollen neue Produkte. Zudem sinkt im zweiten Halbjahr die Vergleichsbasis, da bereits im Vorjahreszeitraum unter anderem durch die Einstellung des Geräts NeumoDX Umsätze weggefallen waren. Der Tuberkulosetest Quantiferon soll sich im restlichen Jahresverlauf sukzessive in Richtung der für 2026 angestrebten 500 Millionen Dollar Umsatz entwickeln - zum ersten Halbjahr waren davon nicht ganz die Hälfte erreicht.

Für das dritte Quartal sagt das Management ein währungsbereinigtes Umsatzplus ebenfalls von ein bis zwei Prozent voraus, verglichen mit 533 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zu konstanten Wechselkursen bei mindestens 0,62 Dollar herauskommen gegenüber 0,61 Dollar im Vorjahr.

Offen bleibt weiterhin, wer Bernard an der Unternehmensspitze ablösen soll. Der Manager hatte bereits im vergangenen November seine Ausstiegspläne verkündet. Nach bisherigen Unternehmensangaben dürfte ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin in der zweiten Jahreshälfte bestimmt werden./tav/la/he

Quelle: dpa-Afx