AUGSBURG (dpa-AFX) - Der Getriebehersteller Renk hat einen Käufer für sein Gleitlagergeschäft gefunden. Damit kommt das im MDax notierte Unternehmen beim geplanten Umbau in einen reinen Rüstungskonzern voran. Käufer der Sparte ist der österreichische Konzern Miba. "Der vertraglich vereinbarte Kaufpreis bewegt sich im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich", teilte Renk am Donnerstag in Augsburg mit. An der Börse sorgte die Nachricht nicht für Rückenwind.

Die Aktie büßte im frühen Handel bis zu drei Prozent ein, begrenzte ihre Verluste zuletzt aber auf 1,6 Prozent und notierte bei 36,67 Euro. Börsianer sehen in der neuen Prognose für das laufende Geschäftsjahr aber auch eine leichte Senkung der operativen Gewinnerwartungen. Barclays-Analyst Afonso Osorio hält etwas sinkende Schätzungen allerdings für vernachlässigbar. Er lobt stattdessen das künftig klarere Portfolio und sieht auf dem derzeitigen Bewertungsniveau eine attraktive Einstiegschance.

Das Papier steht nach dem bis Herbst 2025 anhaltenden Höhenflug unter Druck. Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 90 Euro ging es im Zuge einer allgemeinen Schwäche von Rüstungsaktien bis auf circa 34 Euro nach unten.

Renk wurde im Februar 2024 vom Finanzinvestor Triton über eine Privatplatzierung zu 15 Euro je Aktie wieder an die Börse gebracht. Dieser hatte das Unternehmen 2020 vom Volkswagen-Konzern übernommen und das Jahr darauf komplett von der Börse genommen. Das Unternehmen wird an der Börse mit rund 3,7 Milliarden Euro bewertet. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent ist der Rüstungskonzern KNDS, der unter anderem den Panzer Leopard 2 herstellt, der größte Anteilseigner des Getriebeherstellers.

Renk hatte vor einem Jahr angekündigt, sich auf das Rüstungsgeschäft zu fokussieren. Bis 2030 sollen 90 Prozent des Erlöses aus der Verteidigungssparte kommen. Der geplante Verkauf des Gleitlagergeschäfts an Miba habe keine Auswirkungen auf das zivile Geschäft in der Division Marine & Industry. "Dieses ist produktionsseitig eng mit dem Defense-Bereich verzahnt und bietet zugleich attraktive Wachstumsperspektiven in den Bereichen Power Generation und Infrastruktur."

Da die zu verkaufende Sparte ab dem vierten Quartal nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, passt Renk die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an. Das Unternehmen rechnet jetzt mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro im fortgeführten Geschäft sowie einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 240 bis 255 Millionen Euro. Bislang hatte Renk einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro prognostiziert. Beim bereinigten operativen Gewinn wurde zuletzt das Erreichen des oberen Bereichs der Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro in Aussicht gestellt./zb/jha/stk

Quelle: dpa-Afx