MÜNCHEN (dpa-AFX) - Teils höhere Absatzpreise und das laufende Kostenprogramm haben Wacker Chemie im Sommerquartal angetrieben. Viele europäische Chemieunternehmen profitieren aktuell von höheren Preisen, die sie mit ihren Produkten erzielen, da die Konkurrenz aus Asien viel stärker unter den Folgen des Kriegs zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten leidet. Der belastet vor allem die Lieferungen von Öl und Erdgas als Rohstoffe der Branche nach Asien. Die Jahresziele für Umsatz und operativen Gewinn bestätigte Wacker Chemie. Die Nettoverschuldung soll indes niedriger ausfallen als bisher gedacht, auch wegen der Einnahmen aus dem Verkauf von Aktien der Beteiligung Siltronic .

Bei einem Umsatzwachstum von gut 9 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro verdoppelte der im MDax notierte Konzern den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im dritten Quartal im Jahresvergleich nahezu auf rund 217 Millionen Euro. Damit übertraf das Unternehmen die durchschnittliche Schätzung von Analysten etwas. Unter dem Strich blieben 87 Millionen Euro hängen, nachdem vor einem Jahr noch ein Nettoverlust von 82 Millionen Euro aufgelaufen war.

Das starke Wachstum des operativen Gewinns sei in erster Linie auf das Effizienzprogramm zurückzuführen, das seit rund einem Jahr läuft und ab 2028 eine Jahresersparnis von über 300 Millionen Euro bringen soll. Hinzu kam ein Sondereffekt aus einer Vertragsauflösung im Geschäftsbereich Polysilicon in Höhe von rund 35 Millionen Euro.

Die Ergebnisse des dritten Quartals entsprechen im Großen und Ganzen den Erwartungen hinsichtlich des operativen Gewinns, wobei der freie Finanzmittelzufluss deutlich stärker ausfällt als von ihm gedacht, schrieb Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion. Das sei aber teilweise auf einen einmaligen Vorteil aufgrund einer technischen Änderung des Rechnungslegungsansatzes zurückzuführen.

Der unveränderte Unternehmensausblick für 2026 entspreche weitgehend den Erwartungen, so Udeshi weiter. Wichtig würden nun die Äußerungen des Managements in der anstehenden Telefonkonferenz zu den Trends im vierten Quartal und den Auswirkungen des Anstiegs der Energiepreise in Europa.

Für 2026 stellt Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel weiterhin ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie einen operativen Gewinn von 625 bis 750 Millionen Euro in Aussicht, wobei die obere Hälfte der Bandbreite erreicht werden dürfte.

Am Vormittag griffen Anleger vorsichtig zu: Der Aktienkurs von Wacker Chemie stieg um rund ein Prozent auf 84 Euro. Mit einem Jahresplus von rund 20 Prozent geht die seit Montag laufende Erholung also weiter. Bis zum Jahreshoch von fast 106 Euro Anfang Juni fehlt allerdings noch ein gutes Stück. Der seither laufende Abwärtstrend hat denn auch immer noch Bestand; sein oberes Spannenende verläuft aktuell bei rund 89 Euro./mis/lew/stk

Quelle: dpa-Afx