PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Börsen haben am Dienstag überwiegend zugelegt. Nachdem frühe Gewinne zeitweise abgebröckelt waren, kam am Nachmittag Unterstützung aus den USA. Der EuroStoxx 50 schloss 0,94 Prozent höher mit 6.285,63 Punkten auf Tageshoch, kam damit aber aus seiner bereits seit knapp zwei Wochen währenden Seitwärtsbewegung immer noch nicht heraus. Rund um den Globus profitierten Chipaktien von einem Medienbericht, dem zufolge der taiwanesische Chip-Riese TSMC die Preise erhöhen will.

Im Fokus bleibt aber auch der wieder eskalierte Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran mit US-Luftangriffen und iranischen Vergeltungsattacken. Hier bemühen sich Medien zufolge Vermittler um eine neue Waffenruhe. Katar, Ägypten, Pakistan und Andere aus der Region hätten den beiden Kriegsparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet, hatten das US-Nachrichtenportal "Axios" und das "Wall Street Journal" berichtet.

Außerhalb des Euroraums gewann der schweizerische SMI 0,31 Prozent auf 14.298,26 Punkte. Der britische FTSE 100 legte um 0,58 Prozent auf 10.585,91 Zähler zu.

Die Technologiebranche - und hier insbesondere der Halbleitersektor - stand an diesem Tag in Europa ganz oben. Auftrieb kam von einem Bericht der japanischen Finanzzeitung "Nikkei". Wie die Zeitung unter Verweis auf informierte Personen berichtete, hat der taiwanesische Chip-Riese TSMC mit Kunden darüber verhandelt, die Preise für Halbleiter im kommenden Jahr wegen steigender Kosten für Fertigungsmaterialien um bis zu zehn Prozent zu erhöhen.

Im EuroStoxx half dies der ASML -Aktie, die um 4,8 Prozent stieg. Das Infineon-Papier als Spitzenwert gewann 5,5 Prozent. In Paris kletterten STMicro um 4,3 Prozent hoch. In Zürich sprangen Ams-Osram um knapp 14 Prozent nach oben und machten so einen Großteil ihrer Verluste vom vergangenen Freitag wieder wett. In London fanden IQE mit einem Kurssprung von 30,5 Prozent Beachtung. Die Aktie reagierte insbesondere auf den angehobenen Umsatzausblick des britischen Chipherstellers, der vom Rechenzentrumsboom profitiert.

Die Pharmabranche wurde von erfreulichen Quartalszahlen von Novartis aus der Schweiz gestützt. Der Konzern hatte mit den Zahlen für das zweite Quartal die Erwartungen übertroffen und damit - trotz anhaltend starker Konkurrenz durch Generika - überraschend stark abgeschnitten. Die Aktie gewann 2,0 Prozent.

Europäische Rüstungsaktien setzten ihre jüngste Erholung fort. Treiber war, vor allem für die Londoner Werte, dass der neue britische Premier Andy Burnham überraschend den früheren Verteidigungsminister John Healey zum Finanzminister gemacht hat. Laut Citigroup-Analyst Charles Armitage ist dessen Ernennung eine erfreuliche Nachricht für den Sektor. BAE Systems stiegen um 1,8 Prozent und Rolls-Royce gewannen 1,1 Prozent.

Schwächer präsentierten sich dagegen die Finanzdienstleister. Unter ihnen büßte die Aktie von Julius Bär nach Halbjahreszahlen 4,0 Prozent ein. Zwar erreichte der Halbjahresgewinn einen Rekordwert, doch der Netto-Neugeldzufluss zum Zürcher Vermögensverwalter stieg nur verhalten. Zudem gab es keine Neuigkeiten zum Enforcement-Verfahren durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma). Diese untersucht derzeit das Risikomanagement der schweizerischen Bank wegen milliardenschwerer Kredite an die zusammengebrochene Signa-Gruppe./ck/he

Quelle: dpa-Afx