FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind nach einer starken Vorwoche am Montag wieder etwas vorsichtig geworden. Der Dax fiel in den ersten Handelsminuten um 0,7 Prozent auf 25.447,64 Punkte. Der MDax mit den mittelgroßen Börsenkonzernen sank um ein halbes Prozent auf 30.504,05 Punkte.
In der vergangenen Woche hatte sich der Dax aus seinem seit dem Rekord von 26.618 Punkten Ende August währenden Korrekturtrend befreit und war am Freitag bis an seine 50-Tage-Linie geklettert, schloss aber etwas darunter. Der Trendindikator verläuft aktuell bei etwa 25.704 Punkten.
Für Zurückhaltung sorgt nun zum Wochenstart vor allem der neuerliche Kursrutsch im US-Tech-Sektor, der den Nasdaq 100 am Freitagabend auf das tiefste Niveau seit vier Wochen zurückgeworfen hatte.
In Asien fiel die Reaktion auf die US-Schwäche durchwachsen aus. "Während überraschend robuste Konjunkturdaten aus China für etwas Zuversicht sorgen, bleiben die Anleger gegenüber KI- und Halbleiteraktien skeptisch", erklärte Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. So gewann Chinas Wirtschaft im Sommer dank der starken Exportwirtschaft etwas an Tempo, wenngleich die Probleme im eigenen Land groß bleiben, etwa im Immobiliensektor.
Die jüngste Schwäche von Tech-Aktien ist derweil geprägt von Sorgen über die Finanzierungskosten der KI-Konzerne sowie die ölpreisbedingte Inflation. Anlagestratege Mislav Matejka von JPMorgan beruhigte die Anleger inzwischen zumindest im Hinblick auf die zuletzt massiv gestiegenen Anleihezinsen. Er bleibe dabei, dass der Anstieg übertrieben gewesen sei, so der Experte. Sollten sich die Renditen an den Anleihemärkten stabilisieren, würde das den Aktienmärkten helfen.
Auf der Unternehmensseite richten sich die Blicke der Anleger zum Wochenstart auf die DHL Group . Der Logistikkonzern hob nach einem Ergebnisanstieg im dritten Quartal zwar seine Prognose für den operativen Gewinn des laufenden Jahres an, der Aktienkurs sank dennoch um gut ein Prozent. Ein Händler wertete den neuen Ausblick positiv, eine komplette Überraschung sei er aber nicht. Zudem waren die Papiere zuletzt schon gut gelaufen.
Noch schwächer im Dax waren die Anteilsscheine des Immobilienkonzerns Vonovia , der in Berlin stark vertreten ist, mit minus 3 Prozent. Am Wochenende hatten Berliner Linke, Grüne und SPD vor möglichen Verhandlungen über eine Regierungskoalition in Berlin ein Sondierungspapier vorgestellt. Das bundesweit umstrittenste Vorhaben dürfte die Vergesellschaftung von etwa 160.000 Wohnungen von fünf Konzernen sein. Ein solcher Schritt im Gegenzug für Entschädigungen wäre in Deutschland einmalig. Ziel ist, durch mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt den zuletzt stetigen Anstieg der Mieten zu bremsen. Nachdem das Thema Vergesellschaftung nach Querelen zwischen den Parteien etwas in den Hintergrund gerückt war, haben es die Anleger an der Börse nun wieder stärker auf dem Schirm.
Norma Group stellt indes ihre Strategie bis 2031 vor. Der Verbindungstechnikhersteller und Autozulieferer will mit seiner neuen Aufstellung leicht wachsen und dabei deutlich profitabler werden. Zugleich plant der Norma-Vorstand mit einer neuen Dividendenpolitik. Ab 2027 sollen mindestens 10 Prozent des bereinigten Konzernjahresergebnisses an die Aktionäre ausgeschüttet werden, sofern die wirtschaftliche Lage und Liquidität des Unternehmens dies erlauben. Bisher betrug die Ausschüttungsquote etwa 30 bis 35 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses. Der Aktienkurs sank um rund ein halbes Prozent.
Eine Empfehlung der Citigroup lieferte den Aktien des Autozulieferers Aumovio Rückenwind. Ihr Kurs stieg um knapp 1 Prozent, nachdem die Analysten die Bewertung bei einem Kursziel von 56 Euro mit "Buy" aufgenommen hatten. Analyst Ross MacDonald setzt bei Autozulieferern vor allem auf jene mit antriebsneutralen Geschäftsmodellen, sauberen Bilanzen und Wachstumsoptionen abseits der Fahrzeugbranche./mis/stk
Quelle: dpa-Afx