FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat am Dienstag seiner jüngsten Kursrally Tribut gezollt. Trotz der aktuell etwas zugespitzten Lage im Iran-Krieg hielten sich die Gewinnmitnahmen in Grenzen. Allerdings "wachsen schon wieder die Zweifel, ob es tatsächlich zeitnah zu einer schnellen und reibungslosen Einigung zwischen den Kriegsparteien kommen kann", warnte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn sank der wichtigste deutsche Aktienindex um 0,41 Prozent auf 25.285 Punkte. Für den MDax , der die mittelgroßen Börsenunternehmen enthält, ging es um 0,73 Prozent auf 32.569 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,7 Prozent.
Am Pfingstmontag hatte der Dax dank der anhaltenden Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs wieder die 25.000-Punkte-Marke geknackt und war zeitweise bis auf 25.438 Punkte geklettert. Das Rekordhoch aus dem Januar bei 25.507 Punkten rückte damit in greifbare Nähe. Ohne Impulse der feiertagsbedingt geschlossenen Wall Street hatte es allerdings nicht für eine neue Bestmarke gereicht.
Von den Vortags freundlichen asiatischen Börsen kamen zuletzt durchwachsene Signale. Zudem zogen die deutlich gesunkenen Ölpreise wieder an, nachdem das US-Militär trotz der Waffenruhe im Süden des Irans Raketenstellungen angegriffen sowie im Bereich der Straße von Hormus Boote attackiert hat, die Minen in der Meerenge verlegen wollten.
Unternehmensseitig sieht die Agenda an diesem Dienstag übersichtlich aus. Ein Auftrag aus der Türkei für Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 110 Megawatt gab Nordex keinen Schwung: Die seit dem Mehrjahreshoch von knapp 52 Euro Ende April schwächelnden Aktien sanken um ein Prozent.
Dass der Dialysespezialist FMC Aktien im Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro zurückkaufen wird, half diesen nicht viel: Nach anfänglichen Gewinnen von bis zu 1,2 Prozent halbierten sie ihr Plus.
Ansonsten bewegten Analystenaussagen die Aktienkurse. Beim Dax-Konzern Merck KGaA mussten die Anleger nach der jüngsten Erholungsrally einen Rückgang um 1,9 Prozent auf 127,55 Euro verkraften. In der Einordnung des Bewertungsniveaus herrscht Unstimmigkeit zwischen Experten. Während Analyst James Vane-Tempest von der Investmentbank Jefferies die Aktien jetzt beim Kursziel von 129 Euro neu mit "Hold" einstuft, hält sie JPMorgan-Analyst-Richard Vosser immer noch für unterbewertet.
Für Wacker Chemie bedeutete ein Kursrückgang um 3,4 Prozent auf 97,30 Euro einen der hinteren MDax-Plätze. Die Schweizer Großbank UBS erhöhte zwar das Kursziel von 84 auf 104 Euro, stufte die zuletzt stark erholten Aktien aber von "Buy" auf "Neutral". Der weitere Spielraum sei begrenzt, begründete Christian Bell seine Neubewertung. Die Berechenbarkeit des Timings und Ausmaßes einer weiteren Gewinnerholung sei schwierig und die Aktien seien vor diesem Hintergrund zunächst fair bewertet.
Die Titel der Lufthansa verbilligten sich um 1,6 Prozent, nachdem die US-Bank Morgan Stanley sie abgestuft hatte und nun ein "Underweight"-Votum ausspricht.
Dass Jefferies das Kursziel für Grand City Properties deutlich senkte und die bisherige Kaufempfehlung strich, brockte den Aktien des Immobilienunternehmens einen Rutsch von 2,7 Prozent und den letzten Platz im Nebenwerte-Index SDax ein. Branchenexperte Pierre-Emmanuel Clouard sieht bei einigen europäischen Immobilienwerten attraktive Einstiegschancen. Bei Grand City monierte er allerdings die geringe Aktienliquidität nach der Anteilsaufstockung durch Großaktionär Aroundtown sowie einen anhaltenden Ergebnisdruck./gl/stk
Quelle: dpa-Afx