FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger sind am Freitag mit Blick auf den Iran-Krieg optimistisch geblieben. Mit einem Anstieg um 1,15 Prozent auf 24.888,56 Punkte besiegelte der Dax eine sehr starke Woche, in der er sein Plus auf fast vier Prozent ausbauen konnte. Die psychologisch wichtige Hürde von 25.000 Zählern war jedoch erneut zu hoch, auch wenn der deutsche Leitindex zeitweise bis auf 56 Punkte an die runde Marke heranrückte. Der MDax der mittelgroßen Werte ging 0,95 Prozent höher mit 32.108,27 Zählern ins Wochenende.

"Der Markt läuft weiterhin über geopolitisches Glatteis", kommentierte Marktanalyst Timo Emden angesichts der stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. "Zwar glauben inzwischen viele Marktteilnehmer nicht mehr an eine unkontrollierte militärische Eskalation, doch eine spürbare Entwarnung an den Börsen dürfte vorerst ausbleiben." Von Sorglosigkeit könne weiterhin keine Rede sein. Neue Schlagzeilen im Krieg würden bereits immer wieder ausreichen, um die Kurse kurzfristig in die eine oder andere Richtung zu treiben, ergänzte Emden.

Zu den positiven Schlagzeilen zählte am Freitag die Meldung aus dem Iran, dass in den vergangenen 24 Stunden 35 Schiffe die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus passiert haben. Etwas Rückenwind lieferten außerdem überraschend positive Konjunkturdaten aus Deutschland. So ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal trotz des Iran-Kriegs leicht gewachsen. Obendrein legte das Ifo-Geschäftsklima unerwartet zu.

Andere Indizes folgten dem deutschen Aktienmarkt nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,99 Prozent auf 6.019,45 Punkte. In der Schweiz und Großbritannien ging es moderat aufwärts. In den USA stieg der Leitindex Dow Jones Industrial auf ein Rekordhoch und notierte zum europäischen Handelsschluss 0,8 Prozent im Plus. Der technologielastige Nasdaq 100 legte ähnlich stark zu.

Ein Thema am Gesamtmarkt blieb daher auch die globale Tech-Rally. Hierzulande gelang den Infineon-Titeln der erste Kurssprung über die 70-Euro-Marke seit dem Jahr 2000. Ein Plus von acht Prozent hievte die Titel des Chipkonzerns einmal mehr an die Dax-Spitze. Im bisherigen Jahresverlauf haben sie ihren Wert fast verdoppelt, womit sie stärkster Wert im Leitindex sind.

Infineon auf den Fersen waren die DHL-Aktien mit einem Plus von 4,1 Prozent. Die Titel waren von der Deutschen Bank zum Kauf empfohlen wurden. Harishankar Ramamoorthy betonte dabei die Stärke im Express-Geschäft. In einem unsicheren konjunkturellen und geopolitischen Umfeld profitiere der Logistiker von Selbsthilfemaßnahmen, einem guten Netzwerk und herausragender Preissetzungsmacht. Der Analyst sieht den Zyklus für sinkende Gewinnschätzungen vor seinem Ende.

Anziehende Kurse gab es auch noch im Sportartikelbereich, aus dem Adidas um drei Prozent anzogen und Puma sogar um 5,5 Prozent. Am Markt wurde die näher rückende Fußball-Weltmeisterschaft thematisiert. Die Puma-Titel schlossen eine Kurslücke, die enttäuschende Zielsetzungen im März 2025 aufgerissen hatten. Bei dem MDax-Mitglied wurde zuletzt auch die umfangreiche Restrukturierung gelobt.

Verluste gab es dagegen bei einigen Chemiewerten, die zuletzt von Anlegern als Profiteure der Verwerfungen im Zuge des Nahost-Kriegs gegolten hatten. Daraufhin mehren sich neuerdings die Abstufungen. Gleich zwei davon gab es von JPMorgan und Goldman Sachs für Lanxess . Die Aktien sackten um 3,3 Prozent ab, wobei sie auch abzüglich einer geringfügigen Dividende gehandelt wurden.

Mit einer fortgesetzten Kursrally machten die Anteile von Delivery Hero auf sich aufmerksam. Die Gewinnserie bei dem Essenslieferdienst dehnt sich am Freitag mit einem weiteren Anstieg um 1,9 Prozent bereits auf zehn Tage aus. Seit dem Rekordtief im März hat sich der Kurs schon mehr als verdoppelt. Getragen ist dies von der Hoffnung auf eine strategische Wende./niw/he

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx