FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem jüngsten Rekordlauf hat der Dax am Donnerstag an Schwung eingebüßt und letztlich mit leichten Verlusten geschlossen. Die moderaten Tagesgewinne bröckelten zunehmend ab, bis der deutsche Leitindex den Tag mit minus 0,12 Prozent auf 26.299,74 Punkten beendete.
"Für viele Marktteilnehmer scheint die derzeitige Gemengelage eine willkommene Gelegenheit zu sein, um Kasse zu machen", sagte Marktanalyst Timo Emden von Captrader. Eine Konsolidierung hält er zwar angesichts der ambitionierten Kurshöhen für "mehr als gesund", ist jedoch skeptisch, da Gewinnmitnahmen im größeren Stil bislang ausgeblieben sind. "Die Investoren balancieren im Iran-Krieg weiterhin auf einem schmalen Grat zwischen Friedensfantasie und geopolitischem Glatteis."
Zudem dürfte die Berichtssaison hierzulande nach wie vor stützen. Die Deutsche Bank zog ein positives Fazit, da 70 Prozent der Dax-Unternehmen die Erwartungen übertrafen und das Gewinnwachstum das größte seit mindestens dem ersten Quartal 2024 ist. Kombiniert mit verbesserten Konjunkturdaten und dem Reformpaket der Regierung sollte dies für ein weiterhin positives Stimmungsbild bei deutschen Aktien sorgen, hieß es.
Der MDax , der Index der mittelgroßen Börsenwerte, schloss am Donnerstag 0,22 Prozent tiefer auf 32.264,86 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex, der wie der Dax tags zuvor eine Bestmarke erzielt hatte, rettete ein Plus von 0,18 Prozent auf 6.545,47 Punkte in den Feierabend. Auch in der Schweiz wurden leichte Gewinne verbucht. In London dagegen ging es abwärts. In New York schwächelte außerdem der Dow Jones Industrial zum Börsenschluss in Europa etwas, während die technologielastigen Nasdaq-Indizes deutlich zulegten.
An diesem Tag lag der Fokus insbesondere auf Quartalsberichten aus der zweiten und dritten Reihe der Dax-Familie. Der Energiekonzern RWE beeindruckte unterdessen mit Aussagen zu seinem detaillierten Quartalsbericht während der Telefonkonferenz. Die Aktie zählte mit plus 2,6 Prozent zu den besten Werten im Dax. Analyst Werner Eisenmann von der DZ Bank sprach von einer "prall gefüllten Pipeline an positiven Impulsen". Die Ende Juli deutlich höher gesteckten Ziele für 2026 und 2027 seien zudem immer noch konservativ.
Im MDax knüpfte das TKMS -Papier mit plus 10,2 Prozent an seine Vortagsrally an, nachdem es vom Analysehaus Bernstein auf "Outperform" hochgestuft worden war. Dem Kurssprung folgte die Aktie der TKMS-Mutter Thyssenkrupp mit plus 9,1 Prozent. Das abgelaufene Quartal des Industriekonzerns habe unterstrichen, dass die Kostenmaßnahmen im widrigen Umfeld Früchte trügen, hieß es dazu von Jefferies.
Im Kleinwerte-Index SDax war der Anteilschein von Vincorion Spitzenreiter mit plus 9,9 Prozent, denn die Auftragsbücher des Rüstungszulieferers sind prall gefüllt und so schaut dieser noch etwas optimistischer auf den Jahresumsatz. Überraschend starke Zahlen meldete zudem der Autovermieter Sixt und nach einem starken ersten Halbjahr wurde das IT-Sicherheitsunternehmen Secunet nun noch etwas zuversichtlicher für das Gesamtjahr. Während das Sixt-Papier um 3,1 Prozent zulegte, ging es für das von Secunet um 6,2 Prozent nach oben.
Es gab aber auch einige Verlierer: Zwischen 3,0 und 7,8 Prozent ging es für Hellofresh , Energiekontor und Evotec bergab. Der Kochboxenversender Hellofresh präzisierte zur Zahlenvorlage sein Umsatzziel am unteren Ende der Prognosespanne. Der Projektentwickler für Alternative Energien und der Wirkstoffforscher aus Hamburg bestätigten zwar ihre Jahresziele, legten zugleich aber eine schwache Halbjahresbilanz vor./ck/he
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---
Quelle: dpa-Afx