NEW YORK (dpa-AFX) - Die US-Börsen leiden am Mittwoch nach ihrer Rekordjagd unter Gewinnmitnahmen. Zunehmende Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, weiter anziehende Ölpreise und neue Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump sorgen für eine nicht gerade rosige Nachrichtenlage. Nur dem Nasdaq 100 gelang zum Auftakt erneut ein Rekord.
Gegen Ende der ersten Handelsstunde verlor der Nasdaq 100 0,14 Prozent auf 30.618,21 Punkte. Für den Leitindex der Wall Street, den Dow Jones Industrial , ging es um 0,80 Prozent auf 50.899,60 Zähler abwärts. Der S&P 500 gab um 0,41 Prozent auf 7.578,85 Punkte nach. Seine neuntägige Gewinnserie droht damit zu reißen.
Obwohl über eine Verlängerung der seit knapp zwei Monaten geltenden Waffenruhe verhandelt wird, haben sich die USA und der Iran über Nacht eines der schwersten Feuergefechte seit Beginn der Waffenruhe geliefert. Nachdem der Dienstleister ADP mitteilte, dass die US-Privatwirtschaft im Mai ein wenig mehr neue Stellen geschaffen hatte als prognostiziert, rückt allmählich auch schon der offizielle Jobbericht am Freitag ins Blickfeld.
Trump droht insgesamt 60 Ländern mit neuen Zöllen, weil diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher Zwangsarbeit nicht verhinderten oder bestehende Importverbote nicht genügend überprüften. Dies beinhalte zwar Risiken für die Märkte, glaubt Aktienstrategin Nataliia Lipikhina von der JPMorgan Private Bank. "Aber die Anleger haben aus dem letzten Jahr ein Drehbuch dafür, wie sich die Lage entwickeln könnte."
Neuen Treibstoff für den Technologiesektor könnten demnächst erwartete Mega-Börsengänge beisteuern. Neben dem Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla -Chef Elon Musk wollen auch die KI-Firma Anthropic und der Chat-GPT-Entwickler OpenAI den Sprung auf das Parkett wagen. Dies sei ein starker Vertrauensindikator für die Märkte, betonte Lipikhina.
Bei Marvell Technology hielt die rekordbringende KI-Euphorie zur Wochenmitte an. Die Aktien des Halbleiterkonzerns, den Nvidia -Chef Jensen Huang als "nächstes Billionen-Dollar-Unternehmen" bezeichnet hatte, knüpften mit einem Anstieg um 6,5 Prozent an die jüngsten Kurssprünge an. Um diesen Status zu erreichen, müsste sich die Bewertung nochmals fast vervierfachen.
Auch bei einigen Chip-Branchenkollegen wie Intel und AMD , die zu Wochenbeginn unter dem Nvidia-Einstieg in das Geschäft mit PC-Hauptprozessoren gelitten hatten, ging es im Rahmen einer Erholung wieder bergauf - im Falle von AMD auf Rekordniveau. Unter Druck gerieten im Tech-Sektor die zuletzt schwankenden Software-Aktien sowie die stark gelaufenen IT-Werte. IBM und Salesforce waren im Dow die Schlusslichter.
Weitere Gewinnmitnahmen gab es bei den Aktien von Palo Alto Networks , die nach ihrer Bestmarke vom Montag mit minus sechs Prozent an ihre Vortagsverluste anknüpften. Das IT-Sicherheitsunternehmen hatte mit einem angehobenen Gewinnausblick auf das laufende Quartal positiv überrascht, doch Anleger halten die Potenziale des Unternehmens im Bereich der KI-Bedrohungen wohl für eingepreist.
Die Titel von Gamestop sprangen um acht Prozent hoch. Der Videospiele-Händler steigerte im vergangenen Quartal seinen Umsatz deutlich und erzielte einen Rekordgewinn. Zudem will er eigene Aktien im Wert von zwei Milliarden US-Dollar zurückkaufen.
Die Aktien von Sherwin-Williams zogen im Dow nach ihrem Rückgang der vergangenen Tage um 1,6 Prozent. Der Lack- und Farbenhersteller und sein japanischer Branchenkollege Nippon Paint Holdings haben ihre Pläne für eine Übernahme von Akzo Nobel wegen des Widerstands der Niederländer aufgegeben./tih/he
Quelle: dpa-Afx