NEW YORK (dpa-AFX) - Die jüngste Erholungsrally an der Nasdaq-Börse hat am Donnerstag wieder einen deutlichen Rückschlag bekommen. Der Google -Mutterkonzern Alphabet heizte die Sorgen vor exzessiven KI-Ausgaben wieder an und trug so maßgeblich dazu bei, dass der Nasdaq 100 um 1,38 Prozent auf 29.402,51 Punkte fiel. Auch im Softwarebereich und vom südkoreanischen Samsung -Konzern gab es in der Tech-Branche schlechte Nachrichten.

Der wieder getrübten Börsenlage konnten sich auch die übrigen New Yorker Indizes nicht ganz entziehen: Der stärker auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones Industrial fiel um 0,25 Prozent auf 52.342,56 Zähler. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,30 Prozent auf 7.720,39 Punkte nach.

Laut den Experten von Index-Radar gab Alphabet mehr für Investitionen aus, als das laufende Geschäft im Quartal an Geld einbrachte. "Die Botschaft lautet: Der Markt belohnt Ausgabendisziplin und bestraft Investitionen ohne Cashflow-Deckung", resümierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Vor diesem Hintergrund war der US-Zinsentscheid vom Vorabend schnell abgehakt.

Alphabet berichtete von steigenden Investitionen und war beim freien Barmittelzufluss tief ins Minus gerutscht. Der Kurs sackte vor diesem Hintergrund um 12,6 Prozent auf das niedrigste Niveau seit Ende März ab. An einem einzigen Handelstag wurden fast 500 Milliarden US-Dollar an Aktienwert vernichtet. Nur der KI-Riese Nvidia hatte im Januar 2025 mit 589 Milliarden einmal mehr verloren.

Die Resultate von Microsoft kamen zwar bei Anlegern nicht so schlecht an wie die von Alphabet, konnten das negative Bild in der Tech-Branche aber nicht wenden. Die Papiere des Softwareriesen kamen mit einem Abschlag von 0,2 Prozent weitaus glimpflicher davon. Das Feedback für die Quartalszahlen war gut, doch es bremste die Nachricht, dass sich Microsoft Milliarden am Anleihemarkt besorgt, um weiter Geld in sein Wachstum investieren zu können.

Die Stimmung in der Softwarebranche litt aber auch stark unter ServiceNow und Fortinet . Die Aktien brachen nach enttäuschen Quartalsberichten und schwachen Ausblicken um 27 respektive 20 Prozent ein. Dies ging im Dow auch an den Aktien von Salesforce nicht spurlos vorbei, die im Leitindex mit 4,6 Prozent unter den größten Verlierern waren.

Unter den Tech-Werten sackten die Titel von Marvell Technology um 13 Prozent ab. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg werden fortgeschrittene Gespräche zur Übernahme von Lumentum geführt, einem Hersteller optischer Komponenten für Rechenzentren. Dessen Aktien wurden davon aber letztlich nur moderat mit 0,6 Prozent ins Plus gehievt.

Amazon könnte nach Börsenschluss mit seinen Zahlen gleich die nächsten Tech-Impulse liefern. Im Vorfeld davon und im Zuge der schlechten Alphabet-Erfahrungen war der Kurs des Online-Händlers am Donnerstag schon um vier Prozent gesunken. Gewinne unter den "Magnificent 7" gab es nur für Apple und den Social-Media-Riesen Meta .

Im Dow hinterließen die KI-Sorgen bei Caterpillar tiefe Spuren mit einem Kursrutsch größer neun Prozent. Die Aktien gerieten in KI-Sippenhaft, da der eigentlich für Baumaschinen bekannte Konzern zuletzt vor allem von seinen Aktivitäten in den Bereichen Generatoren, Großmotoren und Gasturbinen für Rechenzentren profitierte. Im Zuge des Quartalsberichts war auch die Rede von einem verhaltenen Ausblick.

Auf der positiven Marktseite tauchten vor allem Pharmaunternehmen auf. Der größte Dow-Gewinner waren die Titel von Merck & Co , nachdem der Konzern ein überraschend starkes Quartal hinter sich brachte und die Jahresziele erhöhte. Sehr gut sah es auch noch bei Eli Lilly mit einem Kurssprung um 6,6 Prozent aus. Eine höhere Umsatzprognose trieb die Titel auf Rekordniveau.

Visa wurden von Zahlen eines Konkurrenten wieder etwas in Richtung Rekord hochgezogen. Mastercard übertraf mit seinen Ergebnissen dank höherer Konsumausgaben die Erwartungen, was die Titel des Kreditkartenanbieters mit 4,2 Prozent ins Plus hievte. Im Schlepptau davon konnten mit American Express auch die Papiere eines weiteren Wettbewerbers zulegen./tih/he

Quelle: dpa-Afx