NEW YORK (dpa-AFX) - Aktien-Anleger sind am Dienstag angesichts gestiegener Anleiherenditen zum besonders finanzierungsintensiven US-Technologiesektor auf Abstand gegangen. Für den Nasdaq 100 ging es um 1,68 Prozent auf 29.490,96 Zähler abwärts. Bereits am Vortag hatte die jüngste Erholung Risse gezeigt.

Im Dow Jones Industrial waren die Verluste geringer: Der Leitindex gab um 0,22 Prozent auf 53.343,40 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 , in dem zahlreiche Technologiewerte enthalten sind, büßte 0,69 Prozent auf 7.691,76 Zähler ein.

Steigende Renditen langlaufender Anleihen auf Mehrjahreshochs und weiter anziehende Ölpreise aufgrund des fortgesetzten Iran-Krieges dämpften die Nachfrage der Anleger nach risikoreichen Anlagen. Nach dem Ende der 60-tägigen Frist des Rahmenabkommens stehen Washington und Teheran laut US-Präsident Donald Trump nicht in Verhandlungen. "Es finden derzeit keine Gespräche oder Verhandlungen mit der Islamischen Republik Iran statt, und es sind auch keine geplant", so Trump auf der Plattform Truth Social.

"Die Lage im Nahen Osten spitzt sich eindeutig wieder zu, und die langfristigen Zinsen steigen - und das sind Faktoren, die letztendlich den Wert von Aktien untergraben", kommentierte Emma Moriarty von CG Asset Management.

Aktien aus dem Bereich Künstlicher Intelligenz (KI), die tags zuvor noch von der KI-Fantasie profitiert hatten, litten unter den steigenden Renditen und letztlich unter Gewinnmitnahmen. So sanken die Titel von Nvidia um 2,3 Prozent. Papiere von Micron , Sandisk und Marvell Technology verbuchten Kursabschläge zwischen 7 und 9 Prozent. Der Philadelphia Semiconductor Index als Gradmesser für den Chipsektor büßte 5 Prozent ein.

Der Aufwärtstrend am US-Aktienmarkt ist laut Analyst Andreas Wex von der Commerzbank dennoch intakt. Seine Fortsetzung hänge jedoch zunehmend von einer Kombination aus fortgesetztem Gewinnwachstum, intakter KI-Investitionswelle und einer Stabilisierung des Zinsumfelds ab. Die Risiken lägen derzeit weniger in einer drohenden Rezession als vielmehr in steigenden Zinsen, geopolitischer Eskalation, hohen Energiepreisen, Inflation und einer möglichen Enttäuschung der KI-Ertragsstory, so der Fachmann.

Ein Gerichtsprozess beschäftige die Anleger von Meta und brockte ihnen Kursverluste von 4,5 Prozent ein. Die Aktien waren damit innerhalb der Gruppe der Magnificent 7 die schwächsten. In dem Prozess um soziale Medien wird Meta der Ausbeutung von Kindern beschuldigt.

Der Druck im KI-Sektor verschonte auch die Anteile des Baumaschinenherstellers Caterpillar am Dienstag nicht. Weil immer mehr Rechenzentren gebaut werden und das Unternehmen zudem ein Standbein im Bereich Energietechnik für Rechenzentren hat, ist der Aktienkurs inzwischen abhängiger von der Entwicklung in diesem Bereich. Die Caterpillar-Papiere rutschten als Schlusslicht im Dow um 4,6 Prozent ab.

Die UGI-Aktien verzeichneten einen Anstieg von 9,4 Prozent, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, dass der Erdgas- und Stromversorger ein Übernahmeangebot von KKR in Höhe von rund 9 Milliarden Dollar erhalten habe.

Die am US-Markt notierten Papiere von Baidu fielen um 12,7 Prozent. Das chinesische KI- und Internetunternehmen hatte einen deutlich geringeren Gewinn im zweiten Quartal gemeldet, der auf schwache Umsätze vor allem im Online-Marketing-Geschäft zurückzuführen war./ajx/he

Quelle: dpa-Afx