NEW YORK (dpa-AFX) - Die wieder anziehenden Ölpreise haben am Freitag erneut Inflationsängste geschürt und damit die US-Börsen belastet. Weltweit kletterten die Renditen an den Anleihemärkten in die Höhe, was den jüngsten Rekordlauf an der Wall Street abrupt beendete.

Anleger nahmen die Ergebnisse des Gipfeltreffens zwischen den USA und China mit Blick auf den Iran-Krieg mit Enttäuschung auf. Es bleibt nun dabei, dass die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus weiter faktisch geschlossen ist.

Besonders deutliche Verluste verzeichneten die zuletzt noch im Zuge der Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) besonders stark gestiegenen, aber auch sehr konjunktursensiblen Technologiewerte. So fiel der Tech-Index Nasdaq 100 um 1,4 Prozent auf 29.168 Punkte.

Das breit gefasste Börsenbarometer S&P 500 verlor ein Prozent auf 7.427 Punkte. Der Leitindex Dow Jones Industrial büßte 0,8 Prozent auf 49.641 Punkte ein. Auf Wochensicht deutet sich für ihn ein Mini-Plus an.

Die in dieser Woche veröffentlichten Preisdaten und der erneute Anstieg des Rohölpreises schürten Inflationsängste, sagte Matt Maley, Chef-Marktstratege bei Miller Tabak + Co. Der Experte verwies darauf, dass die langfristigen Renditen derzeit auf dem höchsten Niveau seit rund zwölf Monaten notieren. Dadurch sind Anleihen gegenüber Aktien attraktiver geworden. Dies hat Maley zufolge Anleger dazu veranlasst, nach der enormen sechswöchigen Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt einige Gewinne mitzunehmen.

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners ergänzte, auch beim Handel seien einige Vereinbarungen zwischen Washington und Peking hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückgeblieben. So hat China nach Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump nicht wie erhofft H200-Chips von Nvidia gekauft, die speziell für generative KI entwickelt wurden. Die Chinesen hätten sich dagegen entschieden, sie wollen ihre eigenen Chips entwickeln, sagte der US-Präsident. Die Aktien von Nvidia fielen um 3,4 Prozent.

Für die Titel von Applied Materials ging es um 1,5 Prozent nach unten. Hier machten die Anleger nach guten Nachrichten Kasse, denn. Analysten hatten den Quartalsbericht und den Ausblick des Anlagenherstellers für die Halbleiterindustrie gelobt.

In dem schwachen Umfeld gaben die Anteilscheine von Cerebras Systems um gut acht Prozent auf 294 US-Dollar nach. Am Donnerstag hatten sie inmitten des KI-Booms einen fulminanten Börsenstart hingelegt. Die Aktien des Rechenzentren-Betreibers und Chipherstellers für KI-Anwendungen hatten knapp 70 Prozent über ihrem Ausgabepreis von 185 Dollar geschlossen.

Gegen den Trend schnellten die Aktien von Figma um fast 17 Prozent nach oben. Das Kreativ-Softwareunternehmen übertraf mit seinem ersten Quartal die Erwartungen und hob seine Jahresziele an. Laut Analysten sind mit den Zahlen Bedenken hinsichtlich KI-bedingter Verwerfungen gemildert worden./la/he

Quelle: dpa-Afx