Das Shiller-KGV liegt auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Was die Kennzahl über mögliche Renditen aussagt – und ob sie einen Börsencrash vorhersagen kann.
Der US-Aktienmarkt hat neue Rekordstände erreicht – und zugleich mehren sich die Warnungen vor einer Überbewertung. Ein häufig zitiertes Signal ist das Shiller-KGV, auch CAPE genannt. Laut einem Bericht der US-Finanzinformationsplattform “The Motley Fool” lag die Kennzahl im September 2026 seit mehreren Monaten über der Marke von 40. Ein derart hohes Niveau habe es zuvor nur während der Dotcom-Blase gegeben. Steht uns also wieder ein Börsencrash bevor?
Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App auf iOS oder Android herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.
Ein KGV mit längerem Gedächtnis: Wie funktioniert das CAPE?
Um das einzuordnen, lohnt sich zunächst ein Blick darauf, wie das Shiller-KGV funktioniert. Es unterscheidet sich vom gewöhnlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn eines einzelnen Jahres setzt. Und das kann täuschen: In einer Rezession brechen Unternehmensgewinne oft ein, während sie in Boomzeiten außergewöhnlich hoch ausfallen. Das Shiller-KGV soll solche Ausschläge glätten.
Dazu wird der aktuelle Stand des S&P 500 durch den Durchschnitt der inflationsbereinigten Unternehmensgewinne der vergangenen zehn Jahre geteilt. Die Kennzahl geht auf die Arbeiten des Yale-Ökonomen Robert Shiller und seines Forschungspartners John Campbell zurück. Shillers Datensatz reicht bis ins Jahr 1871 zurück.
Ein CAPE von 40 bedeutet vereinfacht: Anleger zahlen am Aktienmarkt das Vierzigfache der durchschnittlichen realen Jahresgewinne des vergangenen Jahrzehnts. Das ist eine hohe Bewertung. Es bedeutet aber nicht, dass der Markt im nächsten Jahr zwangsläufig um einen bestimmten Prozentsatz fallen muss.
Tipp: Wenn Sie auf der Suche nach sicheren Aktien sind, dann sollten Sie unbedingt einen Blick auf den BÖRSE ONLINE Stabile Werte Index werfen.
Signal am US-Aktienmarkt: Was hohe Bewertungen aussagen – und was nicht
Historisch gingen hohe Ausgangsbewertungen häufig mit niedrigeren durchschnittlichen Aktienrenditen über lange Zeiträume einher. Das ist vor allem für Anleger relevant, die heute investieren und ihr Geld über viele Jahre wachsen lassen wollen: Bei hohen Kursen muss künftig mehr Gewinnwachstum eintreten, damit die Bewertung gerechtfertigt bleibt. Bleibt dieses Wachstum aus, können sinkende Bewertungsmultiplikatoren die Rendite bremsen.
Für kurzfristige Prognosen ist die Aussagekraft deutlich begrenzter. Ein hoher CAPE-Wert verrät nicht, ob eine Korrektur in wenigen Wochen, erst in Jahren oder gar nicht in der erwarteten Form einsetzt. Die Kennzahl kann also Anlass sein, langfristige Renditeerwartungen vorsichtiger anzusetzen. Sie liefert aber kein verlässliches Signal für den Ein- oder Ausstiegszeitpunkt.
Der Blick auf die Dotcom-Blase veranschaulicht das. Nach Darstellung von “The Motley Fool” überschritt das CAPE Anfang 1999 die Marke von 40. Der S&P 500 stieg danach zunächst weiter: Zwischen Januar 1999 und März 2000 legte er dem Artikel zufolge noch um mehr als 26 Prozent zu. Erst später folgte der deutliche Rückgang. Die Episode zeigt, warum ein Bewertungswarnsignal nicht mit einer kurzfristigen Crash-Prognose verwechselt werden sollte – und warum Anleger, die aus Angst zu früh verkaufen, weitere Kursgewinne verpassen können.
Hohes Shiller-KGV: Was Anleger daraus machen können
Aus einem hohen CAPE folgt also nicht automatisch: Aktien verkaufen. Allerdings weist es durchaus auf ein gewisses Risiko hin. Sinnvoller ist es deshalb, die eigene Anlagestrategie zu prüfen: Passt die Aktienquote noch zum Anlagehorizont und zur persönlichen Risikotoleranz? Ist das Portfolio breit genug gestreut? Und wäre ein kräftiger Rückgang finanziell und emotional auszuhalten?
Wer langfristig investiert, sollte zudem bedenken, dass sich die besten und schlechtesten Börsentage oft in turbulenten Phasen häufen. Vanguard weist darauf hin, dass das Verpassen weniger starker Erholungstage die langfristige Wertentwicklung deutlich beeinträchtigen kann.
Wenn Sie sich für weitere Wirtschafts- und Börsennachrichten interessieren, könnte ein Probeabo von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein Shiller-KGV von über 40?
Ein CAPE von 40 bedeutet vereinfacht, dass der Markt mit dem Vierzigfachen der durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinne der vergangenen zehn Jahre bewertet wird. Das gilt als hohe Bewertung, sagt aber nicht allein voraus, wann Kurse fallen.
Kann das Shiller-KGV einen Börsencrash vorhersagen?
Nein. Ein hoher CAPE-Wert kann auf niedrigere Renditen über längere Zeiträume hindeuten, liefert aber kein verlässliches Signal dafür, wann eine Korrektur oder ein Crash beginnt.
Was sollten Anleger bei einem hohen Shiller-KGV tun?
Anleger können ihre Aktienquote, ihren Anlagehorizont und ihre Risikotoleranz überprüfen. Ein hohes CAPE allein ist jedoch kein automatischer Grund, Aktien zu verkaufen.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.