Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag erneut den Leitzins angehoben, um die Inflation einzudämmen. BÖRSE ONLINE erklärt, was der Zinsentscheid für Anleger, Sparer und Kreditnehmer bedeutet.
Sie haben es schon wieder getan: Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) hoben am Donnerstag den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Von bisher 2,25 auf nun 2,5 Prozent. Experten hatten den Schritt schon erwartet, da die Inflationsrate seit dem letzten Entscheid im Juni praktisch nicht gefallen ist.
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Die Folgen der Zinserhöhung für Aktien, Gold und den Euro
Infolge dieser Entscheidung zeigte sich der DAX leicht schwächer, genauso wie Gold und Bitcoin. Für Aktien wie auch unproduktive Assets sind steigende Zinsen tendenziell negativ. Ein höheres Zinsumfeld könnte dauerhaft auf die Performance der Assets drücken.
Derweil konnte der Euro leicht gegenüber dem US-Dollar zulegen. Höhere Zinsen machen die Währung attraktiver, wenngleich die Zinsniveaus in den USA weiter höher sind. Erwartbar gab auch der Bund-Future für Staatsanleihen aus Deutschland leicht nach.
EZB hebt Inflationserwartungen an
„Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben. Der heutige Beschluss unterstreicht die Entschlossenheit des EZB-Rats, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiert“, schrieb die EZB dazu in ihrem Pressestatement.
In ihrem Basisszenario passten die Fachleute der EZB außerdem ihre Projektionen an. Sie gehen nun davon aus, dass die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent liegen wird. 2027 soll sie dann auf 2,5 Prozent sinken und 2028 auf 2,1 Prozent. Bei der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel wird im Basisszenario von 2,5 Prozent für 2026, 2,6 Prozent für 2027 und 2,3 Prozent für 2028 ausgegangen. Damit wurden die Inflationserwartungen für die Jahre 2027 und 2028 gegenüber der letzten Prognose aus dem Juni angehoben.
EZB sieht höheres Wirtschaftswachstum
Ebenfalls angehoben wurden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Die Notenbank rechnet nun mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent für 2026, 1,4 Prozent für 2027 und 1,5 Prozent für 2028. „Dies stellt eine Aufwärtsrevision für die Jahre 2027 und 2028 dar“, schrieb das EZB-Direktorium. „Darin spiegelt sich hauptsächlich wider, dass die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft des Euroraums stärker ist als erwartet.“
Die Folgen der Zinserhöhung für Verbraucher
Gute Nachricht für Sparer: Wer sein Geld auf Tagesgeldkonten parkt oder ein neues Festgeldkonto eröffnen möchte, kann nun in den kommenden Tagen mit höheren Zinsen rechnen.
Schlechte Nachricht für Sparer: Die EZB hebt den Zins vor allem deshalb an, weil die Inflation weiterhin zu hoch ist., In Deutschland lag sie im August bei 2,9 Prozent. Das heißt: Ein Sparkonto müsste mindestens einen Zins in dieser Höhe bieten, um die Kaufkraft des dort deponierten Geldes zu erhalten. Doch nur wenige Angebote weisen derzeit einen positiven Realzins auf (die Differenz zwischen Nominalzins und Inflation). Dauerhaft schlagen Anleger die Inflation nur mit einem Investment an der Börse.
Schlechte Nachricht für Kreditnehmer: Auch Kredite und Leasingangebote werden jetzt teurer. Es ist zu erwarten, dass das auch für die Bauzinsen gilt, obwohl deren Niveau nicht direkt vom Leitzins abhängt, der sich hauptsächlich auf die kurzfristigen Zinsen wirkt.
Die Banken geben Zinsänderungen normalerweise mit Verzug an ihre Kunden weiter.
So wirkt sich die Leitzins-Erhöhung der EZB auf Ihre Kredite aus
In den nächsten Wochen dürften die Zinsen für Raten- und Autokredite mit Laufzeiten bis etwa drei Jahre steigen. Auch Leasingangebote, die ebenfalls am Zinsniveau hängen, könnten betroffen sein. Keine gute Nachricht für alle, die zum Beispiel die Anschaffung eines Autos planen.
Dass die Zinsen für geliehenes Geld steigen, ist von der Notenbank gewünscht, um die Nachfrage zu bremsen und so die Inflation abzukühlen.
So wirkt sich die Leitzins-Erhöhung auf Baufinanzierungen aus
Die langfristigen Zinsen, etwa für Baufinanzierungen, orientieren sich weniger an den Leitzinsen, sondern an den langfristigen Renditen am Anleihenmarkt. Da diese Renditen, etwa für deutsche Bundesanleihen, zuletzt aber erneut sehr stark gestiegen sind, ist aber auch eine Verteuerung bei den Bauzinsen zu erwarten.
Für Immobilienbesitzer mit auslaufenden Hypothekenkrediten stellt sich jetzt die Frage, wie es nach dem Ende der Zinsbindung weitergeht. Da Volkswirte mit mindestens einer Zinserhöhung bis Jahresende rechnen und womöglich weitere folgen werden, sollten Hausbesitzer, deren Darlehen auslaufen, sich jetzt über die Konditionen für Forward-Darlehen informieren. Ob ein Forward-Darlehen – also die vorzeitige Zusage für eine Anschlussfinanzierung zu einem festgeschriebenen Zinssatz – sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall entscheiden. Vorrangiges Ziel sollte immer sein, die Finanzierung abzusichern, um den Erhalt der Immobilie nicht zu gefährden, raten Verbraucherschützer.
Das bedeutet die Leitzins-Erhöhung für Sparer
Viele Geldhäuser hatten bereits in den vergangenen Wochen damit begonnen, ihre Zinsen schrittweise anzuheben. Auslöser dafür war vor allem der Eintritt der US-Bank Chase in den deutschen Markt. Die Direktbank der US-Großbank J.P. Morgan bietet Neukunden vier Prozent Zinsen per annum, garantiert für vier Monate und setzte dadurch die einheimische Konkurrenz unter Zugzwang. Mittlerweile haben zahlreiche Institute reagiert und den Abstand zu Chase wieder verringert. Die Neobank Revolut bietet mit 4,25 Prozent sogar etwas mehr, allerdings nur in Kombination mit einem Girokonto. Das beste reine Tagesgeld-Angebot hat derzeit die Renault Bank mit 4,1 Prozent. Einzige Einschränkung: Dort gilt nicht die deutsche, sondern die französische Einlagensicherung.
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Bei Anbietern wie dem Neobroker Trade Republic ist die Verzinsung auf dem Verrechnungskonto immer identisch mit dem Leitzins. Daher geben sie Leitzinsänderungen meist schon am Folgetag an ihre Kunden weiter.
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Nach der heutigen Leitzinserhöhung ist zu erwarten, dass demnächst noch sehr viel mehr Institute ihre Tagesgeldzinsen anheben. Auch bei Festgeldkonten sind jetzt nochmal höhere Zinsen möglich – zumindest bei den kürzeren Laufzeiten über 12 oder 24 Monate.
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Vorsicht bei den Dispo-Zinsen
Viele – auch gutverdienende – Verbraucher überziehen regelmäßig ihr Girokonto oder bestreiten ihren Lebensunterhalt sogar regelmäßig aus dem Minus. Das wird jetzt noch teurer. Denn die Nutzung des sogenannten Dispokredits lassen sich Banken und Sparkassen gut bezahlen. Nicht selten sind ihre Dispozinsen auf den negativen Saldo sogar zweistellig.
Steigt der Leitzins, steigen auch diese Dispozinsen. Verbraucher, die absehen können, dass sie ihren Dispokredit nicht innerhalb weniger Monate abbezahlen können, sollten mit ihrer Bank sprechen und eine sogenannte Rückführungsvereinbarung treffen. Oft wird dann der Saldo im Dispo durch einen günstigeren Ratenkredit abgelöst, der weniger Zinsen kostet. Das macht aber nur Sinn, wenn das Girokonto danach nicht sofort wieder ins Minus rutscht.
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Häufige Fragen
Was ist der Leitzins uns was beeinflusst er?
Der Leitzins ist der von einer Zentralbank (in Europa die EZB) festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank leihen oder dort anlegen können. Er ist das wichtigste Instrument der Geldpolitik zur Steuerung der Wirtschaft, denn er beeinflusst gleichzeitig die Kosten für Kredite und Bauzinsen, die Zinsen auf Sparguthaben, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit indirekt die Inflation. Da das Hauptziel der Zinspolitik einer Notenbank die Preisstabilität ist, wird bei hoher Inflation der Leitzins angehoben, um die Wirtschaft abzukühlen und den Preisanstieg zu stoppen. Schwächelt die Wirtschaft, wird der Leitzins oft gesenkt um die Nachfrage nach Krediten zu erleichtern und so neue Investitionen auszulösen.
Zwar ist oft nur von dem „Leitzins der EZB“ die Rede, tatsächlich gibt es aber drei verschiedene Leitzinssätze: den Hauptrefinanzierungssatz, den Spitzenrefinanzierungssatz und den Einlagesatz. Letzterer wird oft als "Leitzins" bezeichnet.
Wie oft entscheidet die EZB über den Leitzins?
Die Europäische Zentralbank (EZB) überprüft ihre Leitzinsen in der Regel alle sechs Wochen und entscheidet im EZB-Rat darüber, ob eine Anpassung notwendig ist. Eine Änderung erfolgt jedoch nur dann, wenn es die wirtschaftliche und finanzielle Lage erfordert.
Wann wurde der Leitzins der EZB zuletzt erhöht?
Der EZB-Rat hatte den Hauptrefinanzierungssatz im Juni erstmals seit dem Jahr 2023 wieder erhöht. Die heutige Entscheidung ist damit die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Volkswirte rechnen mit mindestens einer weiteren bis Jahresende.
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