Nach der Erholungsrally vom Mittwoch findet jetzt an den US-Börsen ein regelrechter Abverkauf statt. Vor allem die Kurse von Chipwerten und KI-Aktien rauschen in den Keller, auch europäische Schwergewichte wie ASML und Infineon bluten.

Die Wall Street hat ihre Gewinne vom Vortag am Donnerstag innerhalb weniger Stunden wieder abgegeben. Mittlerweile hat sich der Abverkuaf noch einmal verschärft. Stand 18:49Uhr MEZ bricht der Nasdaq Composite um fast 5 Prozent oder fast 1300 Punkte ein und liegt damit mehr als zehn Prozent unter seinem Rekord vom Oktober. Der Dow Jones verlor mehr als 1500 Punkte das sind 2,9 Prozent. Er machte damit den Großteil seiner massiven Rally vom Mittwoch zunichte. Am Vortag war der US-Leitindex noch um mehr als 1.500 Punkte gestiegen. Der S&P 500 gab 3,5 Prozent ab.

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Infront USA 30 Industrial (WKN: 969420)

Chipwerte im freien Fall, Tesla minus 10 Prozent

Im Zentrum der Verkaufswelle standen die Halbleiter. Broadcom und Nvidia fielen jeweils um neun Prozent, Nvidia notierte damit wieder auf dem Niveau vom April. Der Sektor-ETF SOXX verlor elf Prozent. Besonders hart traf es Speicherwerte: Sandisk, Western Digital und Seagate brachen um bis zu 19 Prozent ein. Qualcomm sackte um 13 Prozent ab, obwohl die Zahlen am Vorabend die Erwartungen übertroffen hatten. Der Ausblick fiel jedoch schwächer aus als erwartet. Auch Tesla und SpaceX verloren jeweils zehn Prozent.

Infront Tech 100 (WKN: A0AE1X)
Nvidia (WKN: 918422)

Neoclouds schon wieder ganz oben auf der Verkaufsliste

Nach der ersten Erleichterung infolge des klaren Wahlergebnisses in den USA fürchten Anleger inzwischen politische Bremsklötze – vor allem für die KI-Branche. Ein stockender Ausbau der Rechenzentren würde vor allem die Neocloud-Anbieter treffen, die sich für ihre Investitionen hoch verschuldet haben. Deshalb gaben die Aktien von Coreweave 14 Prozent nach, der europäische Konkurrent Nebius fiel um 17 Prozent und Iren um 19 Prozent. Die Research-Boutique MRB Partners sprach von einem Reinigungsprozess: Ein „Ausverkauf bei den spekulativsten Teilen des Themas“ sei im Gange.

Infineon-Aktie gibt 10 Prozent ab

Die Verkaufswelle schwappte auch nach Europa über. Im DAX verloren Infineon mehr als zehn Prozent. ASML fiel um mehr als neun Prozent auf 1.210 Euro, der Börsenwert schrumpfte damit um fast 50 Milliarden Euro auf 470 Milliarden Euro. Trotz ist der Chipausrüster damit weiterhin Europas mit Abstand wertvollstes Unternehmen. Im Dax erwischte es auch Siemens Energy und Hochtief, zwei Werte, in die zuvor viel KI-Fantasie eingepreist worden war. Der Leitindex hatte am Donnerstagvormittag einen neuen Allzeit-Rekord erreicht, schloss am Ende aber mit 0,8 Prozent im Minus. Im MDax verloren Aixtron, Suss und Siltronic ebenfalls zweistellig.

SUSS MicroTec (WKN: A1K023)

In diese Werte flüchten die Anleger

Nicht alle Märkte fielen mit. Der Subindex für Konsumgüter-Titel im S&P 500 legte um mehr als ein Prozent zu, Energie- und Versorgerwerte gewannen ebenfalls. Der Ölpreis zog nach seinem Rückgang am Mittwoch wieder an: WTI stieg auf knapp über 90 US-Dollar, Brent auf rund 97 US-Dollar. Am Vortag hatten Investoren noch darauf gesetzt, dass die Demokraten Präsident Donald Trump zu einem Ende des Iran-Kriegs drängen könnten. Diese Hoffnung scheint nun wieder verflogen.

Die Experten von Index-Radar sehen eine „Übertreibung auf der Unterseite“, warnen aber, dass die letzte Phase der Korrektur womöglich noch nicht vorbei ist.

Der Wahlsieg der Demokraten hat sich damit für die KI-Branche binnen weniger Stunden vom Rückenwind zum Gegenwind gewandelt. Solange unklar bleibt, wie streng die Auflagen für Rechenzentren wirklch ausfallen und wann die Milliarden der Konzerne Erträge abwerfen, dürften die Kursschwankungen in diesem Segment hoch bleiben.

Entwarnung gab der Politikwissenschaftler Thomas Jäger in einem Interview auf dem Youtube-Kanal von BÖRSE ONLNE, Er glaube nicht, das die Demokraten der KI-Branche am Ende wirklich Knüppel zwischen die Beine werfen werden. Dafür sei das Thema, auch im Wettbeerb mit China, viel zu wichtig.

 Doch bis sich der Nebel lichtet, bleiben Anleger an der Seitenlinie – und halten ihre Stoppkurse ein.

Das komplette Interview mit Prof. Thomas Jäger auf Youtube

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Enthält Material von dpa-AFX

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.