Chinas überraschender Helium-Exportstopp verschärft eine ohnehin angespannte Lage nach den Ausfällen in Katar. Für Chipfabriken, MRT-Geräte und die Glasfaserproduktion ist das Edelgas kaum zu ersetzen und genau das eröffnet ausgewählten westlichen Anbietern eine seltene Preissetzer-Chance.
Peking hat am 10. Juli den Helium-Export zeitlich befristet gestoppt – ohne Vorwarnung und mit sofortiger Wirkung. Was zunächst wie eine Randnotiz klingt, könnte sich rasch zu einem Engpass mit Folgen für die globale Hightech-Industrie entwickeln.
Der Zeitpunkt ist brisant: Nach den Angriffen auf Anlagen im katarischen Ras Laffan fehlen bereits geschätzt 25 bis 30 Prozent des weltweiten Angebots. Katar ist nach den USA einer der wichtigsten Heliumlieferanten der Welt. Chinas Importpreise sollen inzwischen rund 180 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Der Exportstopp ist damit vor allem Selbstschutz: Das Land importiert selbst etwa 85 Prozent seines Heliumbedarfs, kontrolliert jedoch wichtige Weiterverteilungs- und Re-Exportströme in Asien.
Helium ist kein Rohstoff, den man einfach ersetzen oder künstlich herstellen kann. Es wird als Schutzgas und Kühlmittel in der Chipfertigung benötigt, hält die supraleitenden Magnete von MRT-Scannern auf Temperatur und spielt auch bei der Glasfaserproduktion eine zentrale Rolle. Besonders heikel: Halbleiterfabriken verfügen typischerweise nur über Lagerpuffer für 30 bis 60 Tage. Sollte die Störung mehrere Wochen anhalten, könnten reale Drosselungen bei der Produktion folgen.
Für Anleger ist die andere Seite der Medaille entscheidend. In einer solchen Knappheit gewinnen jene westlichen Industriegase-Konzerne an Gewicht, die über eigene Förderquellen, Verflüssigungskapazitäten und langfristige Lieferverträge verfügen. Sie können verfügbare Mengen umleiten, Verträge zu höheren Konditionen erneuern und damit ihre Margen ausbauen. Bereits während der Heliumknappheit 2021/22 kletterten Spotpreise für kurzfristige Lieferungen zeitweise um rund 135 Prozent.
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