Nach dem heftigsten Ausverkauf seit Jahren schießen Halbleiterwerte in Asien und den USA wieder nach oben. Was hinter der Kehrtwende steckt. Und die besten Chancen. von Klaus Madzia
Drei Tage Crash, ein Tag Rekord-Rebound: Der südkoreanische Leitindex Kospi hat am Freitag seine stärkste Kursrally seit fast zwei Jahrzehnten hingelegt. Um bis zu 16,5 Prozent schoss der Index nach oben, SK Hynix legte zeitweise über 27 Prozent zu, Samsung Electronics mehr als 22 Prozent. Auch Tokio und Taipeh zogen kräftig an. Auslöser: Microsoft und Amazon haben mit ihren Quartalszahlen bewiesen, dass die milliardenschweren KI-Investitionen tatsächlich Umsatz bringen – und nicht nur Kosten produzieren.
Comeback der KI-Aktien
Damit endet die Achterbahn-Börsenwochen des Jahres. Ausgelöst hatte den Absturz die Sorge vor chinesischer Konkurrenz im Speicherchip-Geschäft, befeuert durch den fulminanten Börsengang des Chipherstellers CXMT in Shanghai. Investoren fürchteten, China könnte sich mit eigener Fertigungstechnik unabhängig von westlichen Zulieferern machen und Platzhirschen wie Samsung, SK Hynix oder Micron Marktanteile abjagen. Dazu kamen Zweifel, ob sich die gigantischen Summen für neue Rechenzentren überhaupt rechnen. Binnen weniger Handelstage verlor der Kospi rund 17 Prozent, der Nasdaq 100 zeitweise mehr als zehn Prozent gegenüber seinem Rekordhoch. In Seoul musste der Handel zwischenzeitlich für 20 Minuten ausgesetzt werden.
Wie schnell sich die Stimmung drehen kann, zeigt der Blick auf die Zulieferer: Lam Research überraschte mit einem derart starken Ausblick, dass die Aktie an einem Handelstag um 18 Prozent zulegte. Micron, Intel und AMD gewannen zwischen 11 und 18 Prozent. Zusätzlich half ein Signal aus der Chefetage: SK-Group-Chef Chey Tae-won kaufte kurz vor der Rally erstmals Aktien seines eigenen Konzerns im Wert von umgerechnet rund 3,2 Millionen Dollar. Das könnte ein Vertrauensbeweis sein.
Ein Großteil der weltweiten Kursgewinne der vergangenen zwei Jahre stammt von einer Handvoll eng verflochtener Unternehmen – Chip-Designer, Foundries, Speicherhersteller, Hyperscaler. Verschiebt ein einziger Cloud-Konzern seine Investitionspläne, schnalzt die ganze Kette. Hinzu kommt die Finanzierungsseite: Immer mehr Rechenzentren werden über Kredite und Anleihen statt aus den laufenden Einnahmen bezahlt. Das erhöht die Renditeerwartungen – und die Nervosität, sobald Zweifel an der Kapitalrendite aufkommen. Der Markt pendelt derzeit zwischen Crashangst und Gier teils binnen weniger Handelsstunden.
Dabei verdien die großen KI-Player bereits heute reales Geld. Microsofts Cloud-Sparte Azure wuchs zuletzt um 43 Prozent, Amazon beschleunigte sein Cloud-Wachstum ebenfalls spürbar. Diesmal geht es weniger darum, ob echte KI-Nachfrage existiert, sondern darum, wer am Ende profitiert – und zu welchem Preis Anleger dafür heute schon bezahlen.
Wo sich jetzt Chancen auftun
Für mutige Anleger heißt das: Der Ausverkauf hat Bewertungen bereinigt, ohne die grundsätzliche Wachstumsstory zu widerlegen. Drei Bereiche stechen besonders hervor. Erstens die Speicherchip-Hersteller selbst – SK Hynix und Micron profitieren direkt von der anhaltend hohen Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory für KI-Beschleuniger, trotz chinesischer Konkurrenz aus dem Hintergrund. Zweitens die Ausrüster wie Lam Research oder Advantest, die unabhängig davon verdienen, welcher Chiphersteller am Ende die Nase vorn hat. Drittens die Infrastruktur abseits der Chips: Energieversorger und Netzbetreiber, die den enormen Strombedarf neuer Rechenzentren decken müssen – ein Engpass, der von der aktuellen Kursvolatilität kaum berührt wird und mittelfristig strukturell wachsen dürfte.
Die spannenden Chancen finden Leser des kiq-Reports wo wir nachhaltige Werte vom Hype trennen. Unsere Empfehlungen zahlen sich aus. Seit Aufnahme in die kiq-Empfehlungsliste legten unsere 23 laufenden Positionen im Durchschnitt um +10,5 % zu, und das teils in wenigen Wochen. 13 der 23 Werte notieren über dem Empfehlungskurs, Unsere Spitzenreiter: +101 %, +85 % und +37 % seit dem Start im April.