Das China-Geschäft belastet die Medtech-Riesen. Nun gibt es Anzeichen einer Erholung. Mit einem Bonus-Cap-Zertifikat haben Anleger einen gewissen Puffer und dennoch eine attraktive Renditechance

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 29. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 32/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Medtech-Unternehmen wie Philips und Siemens Healthineers standen in den zurückliegenden Monaten etwas im Abseits. Die Niederländer pendeln seit Monaten seitwärts zwischen 21,50 Euro und 27,50 Euro. Siemens Healthineers stand seit Jahresanfang unter Druck, ehe das Papier im Mai in einen Seitwärtstrend zwischen 33,10 Euro und 35,70 Euro drehte. Auf dem aktuellen Level von 21,40 Euro bei Philips beziehungsweise 35,50 Euro bei Siemens Healthineers bieten sich mit Bonus-Cap-Zertifikaten inte­ressante Investmentgelegenheiten mit der Chance auf bis zu 34,5 Prozent Gewinn. 

Die Niederländer legten am Dienstag Zahlen für das zurückliegende Quartal vor. Demnach blieb der Umsatz mit 4,4 Milliarden Euro im Bereich des Vorjahreszeitraums. Das Ebita stieg auf 717 Millionen Euro. Begünstigt wurde das Ergebnis allerdings durch US-Zollrückerstattungen. Dennoch erhöhte der Medizintechnikkonzern daraufhin das angepeilte Ebita-Margenziel für das Gesamtjahr auf 13,5 bis 14 Prozent und das Ziel für den freien Cashflow auf 

1,5 bis 1,7 Milliarden Euro.  

Die Aktie reagierte allerdings mit einem deutlichen Kursabschlag. Hintergrund war der schwache Auftragseingang. Nach Angaben den Konzerns sorgten Verschiebungen von Großaufträgen für einen rückläufigen Auftragseingang. Zudem belastet das China-Geschäft weiterhin. Angesichts der strengen Antikorruptionskampagne bleiben Krankenhäuser und Behörden weiterhin sehr zurückhaltend bei Neubestellungen von medizinischen Geräten. Gleichwohl ist der Umsatzanteil von China inzwischen auf nur noch rund zehn Prozent geschrumpft. Den größten Teil des Geschäfts macht Philips in Europa und den USA. Die Strategie von Konzernchef Roy Jakobs sieht zudem vor, dass Profitabilität vor Umsatzwachstum steht.

Seine Strategie und die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen zeigen Wirkung. Trotz stagnierendem Umsatz der größten Sparte Diagnostic & Treatment (Umsatzanteil von 47,8 Prozent) stieg das Ebita im zweiten Quartal um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den beiden vermeintlich kleineren Sparten Connected Care (Umsatzanteil 28,5 Prozent) und Personal Health (Umsatzanteil 20,6 Prozent) verbesserte sich die Ebita-Marge gar auf 17,8 Prozent beziehungsweise 23 Prozent. Mit einem KGV von 17,3 und einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent ist die Aktie moderat bewertet. Oliver Reinberg, Analyst bei Kepler Cheuvreux, hält daher an seinem Kursziel von 26 Euro fest. Mit dem Kursrücksetzer am Dienstag verletzte die Aktie die Unterstützungsmarke bei 21,65 Euro. Das ausgewählte Bonus-Cap-Zertifikat hat eine Barriere bei 19 Euro. Wird diese Marke nicht berührt oder unterschritten, erhalten Anleger am Laufzeitende 32 Euro ausbezahlt. Daraus ergibt sich eine Renditechance von 34,9 Prozent. Um potenzielle Verluste zu begrenzen, sollte jedoch ein Stoppkurs gesetzt werden.


Chance auf Überraschungen

Der deutsche Medizintechnikkonzern wurde im Jahresverlauf stark von den ­geplanten Anteilsverkäufen des Mutterkonzerns Siemens belastet. So kündigte Siemens im November 2025 an, sich von der Mehrheit zu trennen und rund 30 Prozent direkt an die eigenen Aktionäre abzuspalten. Vollzogen ist die Trennung allerdings noch nicht. Hinzu kam, dass auch Siemens Healthineers unter den strengeren Richtlinien in China leidet. Angesichts des schwächelnden Diagnostikgeschäfts in China revidierte das Unternehmen bei der Vorlage der Q2-Zahlen im April die Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjahr leicht nach unten und engte den angepeilten Gewinn pro Aktie auf das untere Ende des ursprünglich anvisierten Korridors ein. Die Abspaltungs- und China-Effekte könnten die DAX-Aktie weiterhin bremsen. 

Allerdings bestehen durchaus Chancen auf positive Überraschungen. Der Anteil der wiederkehrenden Umsätze liegt stabil bei rund 55 Prozent des Gesamtumsatzes. Dahinter stecken vor allem langjährige Serviceverträge und Verbrauchsmaterialien. Dies dürfte auch das Zahlenwerk für das dritte Quartal stützen. 

Im Rahmen der „Elevating Health Globally“-Strategie wird der Konzern derzeit umstrukturiert. Mit der Integration der zugekauften Varian hat Siemens Healthi­neers das eigene Produktportfolio durch Strahlentherapiesysteme ergänzt. Damit bietet der Konzern künftig nicht nur Dia­gnosesysteme wie MRT und CT, sondern auch Therapien an. Wachstumspotenzial sieht das Management zudem in einer stärkeren Integration von KI in seinen Softwarelösungen. KI-Algorithmen automatisieren zeitintensive Routineaufgaben, wie das Voreinstellen von Scannern oder das Markieren von Auffälligkeiten in Bild­daten. Radiologen können Scans schneller beurteilen, was den Durchsatz in den Kliniken erhöht. Bei der schwächelnden Diagnostiksparte stehen die Zeichen derweil auf Trennung. Verschiedenen Meldungen zufolge gibt es bereits Gespräche mit ­Finanzinvestoren.

Die Chancen auf positive Unternehmensnachrichten und dementsprechende Impulse für die Aktie sind gestiegen. Gelingt der technische Ausbruch über 36 Euro, eröffnet sich Potenzial bis 42,50 Euro. Dennoch sind neue Rücksetzer trotz der soliden Bodenbildung nicht ausgeschlossen. 

Fazit

Die Aktien von Philips und Siemens ­Healthineers sind moderat bewertet und bergen Wachstumspotenzial. Risiken aus einem schwachen China-Geschäft belasten allerdings. Ein Bonus-Cap-Zertifikat erscheint aktuell als eine interessante Alternative zum Direkteinstieg. 

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