Manche ETFs fahren das Vielfache an Rendite ein als beispielsweise der MSCI World. Wie diese Nischen-Produkte funktionieren, wo ihre Tücken liegen und für wen sie überhaupt taugen.
Wer in den vergangenen fünf Jahren das richtige Thema erwischt hat, konnte sein Geld mehr als verdreifachen. Drei ETFs stechen dabei heraus: der Amundi IBEX 35 Doble Apalancado (2x), der VanEck Semiconductor UCITS ETF und der Amundi MSCI Semiconductors UCITS ETF. Alle drei liegen nach Angaben von “justETF” über 300 Prozent Plus in fünf Jahren.
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ETFS mit über 300 Prozent Rendite: Die Zahlen im Überblick
Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Fünf-Jahres-Rendite in Euro, inklusive Wertentwicklung der Erträge (Stand laut justETF: Oktober 2026).
- ETF: Amundi IBEX 35 Doble Apalancado (2x), 5-Jahres-Rendite: +389,66%, Max. Drawdown (5 J.): -36,79%, Volatilität (5 J.): 32,30%, TER p.a.: 0,40%
- ETF: Amundi MSCI Semiconductors Acc, 5-Jahres-Rendite: +364,61%, Max. Drawdown (5 J.): -39,14%, Volatilität (5 J.): 31,83%, TER p.a.: 0,35%
- ETF: VanEck Semiconductor UCITS ETF, 5-Jahres-Rendite: +354,42%, Max. Drawdown (5 J.): -38,20%, Volatilität (5 J.): 36,83%, TER p.a.: 0,35%
Auffällig ist: Der Fonds mit der höchsten Rendite hat nicht die geringsten Schwankungen. Und alle drei haben in den fünf Jahren zeitweise rund 35 bis 40 Prozent ihres Wertes verloren.
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Amundi IBEX 35 Doble Apalancado (2x): Hebel auf Spaniens Leitindex
Was der Fonds macht: Er bildet nicht einfach den spanischen Leitindex IBEX 35 ab, sondern dessen doppelte tägliche Bewegung. Steigt der IBEX an einem Tag um ein Prozent, steigt der Fonds um rund zwei Prozent. Fällt er um ein Prozent, verliert der Fonds rund zwei Prozent.
Wie der Mechanismus funktioniert: Die Verdopplung wird synthetisch erzeugt, also über einen Tauschvertrag (Swap) mit der Bank Société Générale. Der Fonds hält also nicht die 35 spanischen Aktien, sondern eine Vereinbarung über deren Wertentwicklung. Das Gegenparteirisiko liegt entsprechend bei der Bank. Der Fonds wird täglich neu austariert, um den Faktor 2 zu halten. Genau darin liegt die Besonderheit, aber auch das Risiko.
Warum der tägliche Ausgleich wichtig ist: Über mehrere Tage ist die Rendite eines 2x-Fonds nicht einfach das Doppelte der Indexrendite. Ein Rechenbeispiel zeigt das:
Der Index verliert an Tag 1 zehn Prozent und gewinnt an Tag 2 zehn Prozent. Aus 100 wird 90 und dann 99. Ergebnis: Der Index steht bei minus einem Prozent.
Der 2x-Fonds verliert an Tag 1 zwanzig Prozent und gewinnt an Tag 2 zwanzig Prozent. Aus 100 wird 80 und dann 96. Ergebnis: Der Fonds steht bei minus vier Prozent.
In seitwärts laufenden, schwankungsreichen Märkten frisst dieser Effekt Rendite. In stetig steigenden Märkten verstärkt er die Gewinne. Der Fonds hat deshalb auch in guten Jahren eine andere Entwicklung als "doppelt so viel wie der Index".
Die Risiken:
- Hebelwirkung in beide Richtungen. Seit Auflage im Jahr 2011 lag der maximale Rückgang bei rund 72 Prozent. Ein Anleger, der zum Höchststand eingestiegen ist, hat deutlich mehr verloren als den Indexrückgang.
- Kleines Fondsvolumen. Mit rund 81 Millionen Euro ist der Fonds im Vergleich zu den anderen beiden klein. Das kann die Handelbarkeit und das Risiko einer Auflösung erhöhen.
- Steuerlich unklar. Laut justETF ist der deutsche Steuerstatus nicht bekannt. Ob die 30-prozentige Teilfreistellung für Aktienfonds greift, sollte man vor dem Kauf prüfen.
- Kein Basisinvestment. Solche Produkte eignen sich eher für kurzfristige, bewusst eingegangene Wetten als für einen langfristigen Vermögensaufbau.
VanEck Semiconductor UCITS ETF: Der Chipsektor, gefiltert
Was der Fonds macht: Er bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index nach. Enthalten sind Halbleiterunternehmen, die an US-Börsen gelistet sind, unabhängig vom Land ihres Hauptsitzes. Die Auswahl wird nach ESG-Kriterien gefiltert. Ein einzelner Titel darf höchstens zehn Prozent des Index ausmachen.
Wie der Mechanismus funktioniert: Der ETF hält die Aktien physisch, also direkt im Portfolio (vollständige Replikation). Die Dividenden werden thesauriert, also automatisch wieder investiert. Der Fonds hat rund 25 Positionen, und die zehn größten machen zusammen rund 83 Prozent aus. Das Fondsvolumen liegt bei rund 8,3 Milliarden Euro.
Die Konzentration: Mit 25 Titeln ist der Fonds stark konzentriert. Große Namen wie NVIDIA, Micron, AMD, Broadcom oder TSMC bestimmen die Entwicklung. Ein Ausfall oder ein Kursrückgang bei einem dieser Werte schlägt deutlich durch.
Die Währungsfrage: Der Fonds rechnet in US-Dollar, und das Währungsrisiko ist nicht abgesichert. Für Euro-Anleger bedeutet das: Ein schwacher Dollar drückt die Rendite, selbst wenn die Aktien steigen. In den fünf Jahren hat das den Ertrag zwar nicht verhindert, aber es bleibt ein zusätzliches Risiko.
Die Risiken:
- Zyklische Branche. Halbleiter sind stark konjunkturabhängig und reagieren heftig auf Nachfragezyklen, etwa im Speicherbereich. Der Fonds kann deshalb in Abschwüngen deutlich fallen.
- Hoher Erwartungsdruck. Die Bewertungen vieler Halbleiterunternehmen hängen stark an der KI-Erwartung. Wird diese enttäuscht, können die Kurse schnell korrigieren.
- Hohe Schwankungen. Mit einer Volatilität von rund 37 Prozent über fünf Jahre ist dieser ETF der schwankungsintensivste der drei Fonds.
Amundi MSCI Semiconductors UCITS ETF: Der globale Chipsektor
Was der Fonds macht: Er bildet den MSCI ACWI Semiconductors & Semiconductor Equipment Filtered Index nach. Das ist ein weltweiter Index. Er umfasst Halbleiterhersteller und Ausrüster aus Industrie- und Schwellenländern, also auch aus Taiwan und Südkorea. Auch hier wird nach ESG-Kriterien gefiltert.
Wie der Mechanismus funktioniert: Der ETF hält die Aktien physisch und thesauriert die Erträge. Mit rund 71 Positionen ist er breiter aufgestellt als der VanEck-Fonds. Die zehn größten machen allerdings ebenfalls rund 83 Prozent aus. Das heißt: Die Breite ist eher formal als wirtschaftlich.
Der Unterschied zum VanEck-Fonds: Der Amundi-Fonds ist global aufgestellt. Er enthält deshalb auch Unternehmen wie TSMC aus Taiwan, SK hynix aus Südkorea oder ASML aus den Niederlanden. Die Länderabhängigkeit ist damit größer, aber der Dollar ist nicht das alleinige Währungsrisiko. Die Fondswährung ist der Euro.
Die Risiken:
- Geopolitik. Taiwan und Südkorea sind zentral für die Halbleiterproduktion. Spannungen in der Region können den gesamten Sektor treffen.
- Gleiche Branche, gleiche Treiber. Beide Halbleiter-ETFs reagieren ähnlich auf Zinsen, KI-Erwartungen und Konjunktur. Wer beide kauft, streut das Risiko kaum.
- Drawdown. Der maximale Rückgang über fünf Jahre lag bei rund 39 Prozent. Seit Auflage im Jahr 2007 betrug er rund 54 Prozent.
Fazit: Renditemaschinen mit Risiken
Die drei ETFs haben in fünf Jahren eindrucksvoll performt. Sie sind aber keine typischen Basisinvestments. Der IBEX-Fonds ist ein kurzfristig angelegtes Hebelinstrument mit tückischem täglichem Ausgleich. Die beiden Halbleiterfonds sind konzentrierte Branchenwetten mit hohen Schwankungen.
Wer sich dafür entscheidet, sollte drei Fragen beantworten: Wie viel Verlust kann ich ertragen, ohne zu verkaufen? Wie groß darf die Position im Gesamtdepot sein, ohne das Vermögen zu gefährden? Und habe ich eine Strategie für den Fall, dass der Sektor eines Tages zwei Jahre lang schwächelt?
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Häufige Fragen
Welche Nischen-ETFs haben in den letzten fünf Jahren über 300 Prozent Rendite gemacht?
Laut justETF haben in den fünf Jahren bis Oktober 2026 der Amundi IBEX 35 Doble Apalancado (2x) mit rund +390 Prozent, der Amundi MSCI Semiconductors UCITS ETF mit rund +365 Prozent und der VanEck Semiconductor UCITS ETF mit rund +354 Prozent über 300 Prozent Plus erzielt. Alle Angaben beziehen sich auf die Wertentwicklung in Euro. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Warum entwickelt sich ein 2x-ETF nicht doppelt so gut wie der Index?
Ein 2x-ETF wie der Amundi IBEX 35 Doble Apalancado wird täglich neu austariert, sodass er die doppelte tägliche Indexbewegung abbildet. Über mehrere Tage entstehen dadurch andere Ergebnisse als das Zweifache der Indexrendite. Bei schwankenden Kursen kann der Fonds auch dann verlieren, wenn der Index unterm Strich nur wenig nachgibt. Beispiel: Verliert der Index zuerst 10 Prozent und gewinnt danach 10 Prozent, steht er bei minus 1 Prozent. Ein 2x-Fonds mit minus 20 und plus 20 Prozent steht dagegen bei minus 4 Prozent.
Sind Halbleiter-ETFs wie der VanEck Semiconductor oder der Amundi MSCI Semiconductors für Einsteiger geeignet?
Beide Fonds sind stark auf die Halbleiterbranche konzentriert und schwanken deutlich. Über fünf Jahre lag der maximale Rückgang bei rund 38 bis 39 Prozent, und die Volatilität bei etwa 32 bis 37 Prozent. Die zehn größten Positionen machen jeweils rund 83 Prozent des Fonds aus. Sie eignen sich eher als ergänzende Beimischung in einem breit gestreuten Depot als als alleiniges Basisinvestment. Wer Verluste von über einem Drittel nicht aushalten würde, sollte sie nicht kaufen.