Der erste Indexfonds für Privatanleger wurde von Experten zunächst verspottet. Heute gilt seine Idee als Erfolgsrezept und steckt in einigen der meistgenutzten ETFs der Welt.
Von einer „Torheit“ zum Meilenstein der Geldanlage: Der Unternehmer John C. Bogle gilt als Pionier im Bereich der Indexfonds. Seine Idee: Anleger sollten mit einem Produkt den gesamten Markt kaufen – zu möglichst niedrigen Kosten und mit möglichst wenigen Umschichtungen.
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Bogle mit neuem Fonds: „Wie bekomme ich die Marktrendite zu möglichst geringen Kosten?“
Als Bogle diese Idee 1976 in einen Fonds goss, hielt die Finanzbranche wenig davon. Der Fonds wurde als „Bogle’s Folly“, also als „Bogles Torheit“, verspottet. Zum Start kamen lediglich rund 11 Millionen Dollar zusammen – deutlich weniger als erhofft.
Doch Bogle sollte trotz des holprigen Starts recht behalten: Eine hypothetische Rechnung von Vanguard zeigt die Wirkung des Zinseszinseffekts: Aus einer Einmalanlage von 10.000 Dollar wären bei einer Investition in den Vanguard 500 Index Fund zum 31. Dezember 1976 bis zum 31. Juli 2026 rund 2,48 Millionen Dollar geworden. Die Berechnung berücksichtigt die Wiederanlage der Erträge und stellt keine Garantie für die künftige Wertentwicklung dar.
Nach einem beruflichen Rückschlag gründete Bogle 1975 die Vanguard Group. Das Unternehmen sollte sich von klassischen Vermögensverwaltern unterscheiden: Die Vanguard-Fonds sind Eigentümer der Fondsgesellschaft – indirekt gehört sie damit den Anlegern. Gewinne müssen nicht in erster Linie an externe Aktionäre ausgeschüttet werden, sondern können dazu beitragen, die Kosten der Fonds niedrig zu halten.
Bogle war überzeugt, dass die meisten Anleger nicht dauerhaft besser abschneiden, wenn sie ständig versuchen, die besten Aktien, Fondsmanager oder Einstiegszeitpunkte auszuwählen. Für ihn war deshalb die entscheidende Frage nicht: „Wie schlage ich den Markt?“, sondern: „Wie bekomme ich die Marktrendite zu möglichst geringen Kosten?“
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1976: Der erste Indexfonds für Privatanleger
Am 31. August 1976 legte Vanguard den First Index Investment Trust auf. Der Fonds sollte die Entwicklung des S&P 500 abbilden. Später wurde daraus der Vanguard 500 Index Fund.
Das Konzept war für die damalige Fondsbranche ungewohnt. Ein klassischer Fondsmanager sollte Unternehmen analysieren, Aktien auswählen und durch geschickte Käufe und Verkäufe besser abschneiden als der Markt.
Bogle wollte dagegen gar nicht erst vorhersagen, welche Unternehmen in den kommenden Jahren die Gewinner sein würden. Der Fonds kaufte die Aktien des Index und akzeptierte damit die Marktrendite – abzüglich möglichst niedriger Kosten. Statt auf einzelne Gewinner zu setzen, investierten Anleger in die wirtschaftliche Entwicklung eines ganzen Marktes.
Die Erfolgsgeschichte des Indexinvestierens beruht nicht auf einer Börse, die jedes Jahr steigt. Anleger mussten auch beim S&P 500 schwere Krisen aushalten – unter anderem das Platzen der Technologieblase, die globale Finanzkrise und den Einbruch während der Corona-Pandemie.
Der langfristige Effekt entsteht durch wieder angelegte Dividenden und Gewinne sowie niedrige Kosten - denn jeder Prozentpunkt, der nicht an Gebühren verloren geht, kann über Jahrzehnte weiterarbeiten.
Vom Indexfonds zum ETF
Bogle erfand nicht den ETF. Der historische Vanguard-Fonds war ein klassischer Investmentfonds und kein börsentäglich handelbarer ETF. Die Grundidee – passiv investieren, breit streuen und Kosten begrenzen – lebt heute aber in zahlreichen ETFs weiter.
Und Vanguard ist einer der größten Anbieter von ETFs und bekannt für seine niedrigen Kosten. Für deutsche Anleger, die vom Bogle-Erfolgsrezept profitieren wollen, sind vor allem diese ETFs interessant:
1. Vanguard S&P 500 UCITS ETF – WKN A1JX53
Der Vanguard S&P 500 UCITS ETF (USD) Distributing trägt die WKN A1JX53 und die ISIN IE00B3XXRP09. Er bildet den S&P 500 ab und konzentriert sich damit auf große US-Unternehmen.
Die ausschüttende Anteilsklasse hat eine Gesamtkostenquote von rund 0,07 Prozent pro Jahr und schüttet die Erträge typischerweise quartalsweise aus. Der Fonds wurde in Irland aufgelegt und bildet den Index physisch ab. Wichtig: Wer den A1JX53 kauft, setzt damit auf die USA. Das kann für Anleger sinnvoll sein, die den US-Aktienmarkt gezielt abdecken möchten.
2. Vanguard FTSE All-World UCITS ETF – WKN A1JX52
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing trägt die WKN A1JX52 und die ISIN IE00B3RBWM25. Er bildet den FTSE All-World Index ab und investiert in große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.
Die ausschüttende Anteilsklasse kostet rund 0,14 Prozent pro Jahr und schüttet die Erträge ebenfalls typischerweise quartalsweise aus. Die Replikation erfolgt physisch über eine vollständige oder repräsentative Auswahl der Indexwerte.
Der A1JX52 ist damit näher an der Idee eines globalen Basisinvestments: Anleger kaufen mit einem einzigen ETF Beteiligungen an Unternehmen aus vielen Ländern und Regionen. Allerdings ist der ETF nicht gleichmäßig über die Welt verteilt. Weil die USA den größten Anteil an der weltweiten Börsenkapitalisierung stellen, hat der Fonds auch eine hohe US-Gewichtung.
3. Die thesaurierende Variante
Wer keine regelmäßigen Auszahlungen benötigt, kann bei Vanguard auch die thesaurierende Variante des FTSE All-World wählen: den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating mit der WKN A2PKXG und der ISIN IE00BK5BQT80.
Bei dieser Anteilsklasse werden die Erträge nicht an die Anleger ausgezahlt, sondern automatisch im Fonds wiederangelegt. Das kann für den langfristigen Vermögensaufbau praktisch sein. Steuerlich gelten für deutsche Anleger jedoch eigene Regeln, unter anderem zur Vorabpauschale.
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Häufige Fragen
Was ist die Idee hinter John C. Bogles Indexfonds?
John C. Bogle wollte Anlegern ermöglichen, mit einem einzigen Produkt breit in den Markt zu investieren. Dabei sollten die Kosten möglichst niedrig bleiben und unnötige Umschichtungen vermieden werden.
Was ist der Unterschied zwischen dem Vanguard S&P 500 ETF und dem Vanguard FTSE All-World ETF?
Der Vanguard S&P 500 ETF investiert ausschließlich in große US-Unternehmen. Der Vanguard FTSE All-World ETF enthält dagegen Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern und ist dadurch geografisch breiter gestreut. Allerdings hat auch er eine hohe Gewichtung des US-Aktienmarkts.
Was ist der Unterschied zwischen einem ausschüttenden und einem thesaurierenden ETF?
Ein ausschüttender ETF zahlt die Erträge regelmäßig an die Anleger aus. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Erträge automatisch wieder im Fonds angelegt. Welche Variante besser geeignet ist, hängt unter anderem vom Anlageziel, dem Anlagehorizont und der persönlichen Steuersituation ab.