Während der KI-Sektor am Freitag crashte, erreichte dieser stabile Dividendenwert ein neues Allzeithoch. Eine historische Analyse zeigt, ob sich nun ein gutes Einstiegszeitfenster öffnet. 

„KI – pfui. Sichere Häfen – hui.“ Das scheint vergangenen Freitag das Motto an den Börsen gewesen zu sein. Während der SOX Semiconductor ETF an nur einem Tag um satte sieben Prozent einbrach, entwickelten sich defensive Aktien prächtig. Eine dieser Aktien war die des Tabakkonzerns Altria, der vergangenen Donnerstag auch noch gute Quartalszahlen präsentierte. Könnte sich bei Altria nun eine attraktive Einstiegschance bieten?

Gute Quartalszahlen sorgen für Optimismus

Im dritten Quartal 2026 konnte der Tabakkonzern seinen Umsatz um 3,6 Prozent auf 5,44 Milliarden US-Dollar steigern und lag damit rund 130 Millionen Dollar über den Erwartungen der Analysten. Der Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) lag mit 1,52 Dollar einen Cent über den Erwartungen und 4,8 Prozent über dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern einen Gewinn je Aktie zwischen 5,66 und 5,74 Dollar. Das entspricht einer Wachstumsrate von 4,5 bis 6,0 Prozent gegenüber 2025.

Die solide Entwicklung ist vor allem vor dem Hintergrund spannend, dass die Anzahl der Raucher seit Jahrzehnten rückläufig ist. Tatsächlich ging der Absatz der Zigaretten der bekannten Marke Marlboro auf Jahressicht um 2,9 Prozent zurück. Aufgefangen wurde dieser Absatzrückgang durch höhere Preise, sodass der Umsatz im Zigaretten- und Zigarrengeschäft unterm Strich um 0,8 Prozent anstieg.

Positiv ist zudem, dass in der Sparte „oraler Tabak“ der Absatz der Marke on! um 13,3 Prozent anstieg.

Es ist davon auszugehen, dass der Konzern auch in Zukunft nicht über höhere Absatzmengen, sondern vor allem über Preiserhöhungen wachsen wird. Bislang scheint diese Strategie gut zu funktionieren. Langfristig wäre allerdings ein stärkeres Wachstum bei den alternativen Nikotinprodukten unabdingbar, um die Abhängigkeit vom schrumpfenden Zigarettenmarkt zu reduzieren.

61 Dividendenerhöhungen in 57 Jahren

Laut der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen hat Altria im August die Quartalsdividende um 4,7 Prozent erhöht und damit die 61. Dividendenerhöhung in 57 Jahren beschlossen. Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, die Dividende bis 2028 jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erhöhen.

Zudem wurde ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm in Höhe von einer Milliarde US-Dollar verkündet, das bis zum 31. Dezember 2027 läuft.

Aufgrund der vergleichsweise stabilen Umsätze und Gewinne ist Altria damit einer der verlässlichsten Dividendenzahler im S&P 500. Derzeit beträgt die Aktionärsrendite 6,56 Prozent, die sich aus 5,69 Prozent Dividendenrendite und 0,87 Prozent Aktienrückkäufen zusammensetzt.

Neues Allzeithoch als Einstiegszeitpunkt?

Mit der starken Performance Ende vergangener Woche hat die Altria-Aktie bei 78,03 Dollar ein neues Allzeithoch erreicht (Schlusskurs vom 30. Oktober 2026).

Wichtig: Das Allzeithoch bezieht sich nur auf die Zeit nach 2008, weil zuvor noch die beiden Unternehmen Kraft Foods und Philip Morris Teil des Konzerns waren. Die Aktienkurse vor den Abspaltungen sind daher nicht direkt mit den Kursen danach vergleichbar.

Doch ist es an einem Allzeithoch eine gute Idee, die Aktie neu ins Portfolio aufzunehmen, oder sollte man besser auf einen Rücksetzer warten? Wir haben dazu analysiert, wie sich die Altria-Aktie historisch nach dem Erreichen eines neuen Allzeithochs entwickelt hat.

Altria Allzeithoch: Historische Analyse
Altria Allzeithoch: Historische Analyse (erstellt mit KI-Unterstützung)

Seit den Abspaltungen gab es 225 neue Allzeithochs (rote Punkte im Chart). Viele davon traten jedoch in Serie auf, da es immer wieder besonders starke Kursphasen gab. Daher haben wir zusätzlich nur Allzeithochs mit einem Mindestabstand von 60 Handelstagen untersucht, um diese Verzerrung etwas zu reduzieren (blaue Umrandungen). Derzeit befindet sich die Aktie auf einem neuen Allzeithoch, nachdem es seit mehr als 60 Handelstagen keinen neuen Rekord gegeben hatte. Daher fällt das aktuelle Signal ebenfalls in die blaue Kategorie.

Das Diagramm unten links zeigt: Fünf Tage nach einem neuen Allzeithoch fiel die Rendite oft durchwachsen und insbesondere bei vergleichbaren Signalen wie dem aktuellen häufig sogar negativ aus. Es dürfte also nicht überraschen, wenn die Altria-Aktie in den kommenden Tagen erst einmal wieder einen leichten Rücksetzer erfährt.

Ein Jahr (252 Handelstage) nach Erreichen eines neuen Allzeithochs war die Rendite jedoch sogar höher als im Durchschnitt: Während die Aktie im Schnitt um 9,1 Prozent pro Jahr stieg, kletterte sie ein Jahr nach Erreichen eines neuen Allzeithochs um 10,4 Prozent. War es wie aktuell das erste neue Allzeithoch seit mindestens 60 Handelstagen, stieg die Aktie sogar um durchschnittlich 11,1 Prozent.

Diese statistische Überrendite unterlag jedoch starken Schwankungen, wie im Diagramm unten rechts zu sehen ist. Zwar brachte ein neues Allzeithoch im Schnitt eine Überrendite von rund zwei Prozentpunkten über das kommende Jahr mit sich. Allerdings gab es auch Fälle, in denen die Rendite deutlich geringer oder höher ausfiel als im Durchschnitt.

Fazit

Das neue Allzeithoch ist historisch gesehen grundsätzlich kein Grund, die Finger von der Aktie zu lassen. Oft entwickelte sich die Aktie nach einem neuen Allzeithoch sogar besser als im Durchschnitt. Jedoch ist zu bedenken, dass das Forward-KGV von derzeit 13,7 über dem fünfjährigen Durchschnitt von 10,2 liegt. Zudem entwickelte sich die Aktie in der Vergangenheit fünf Handelstage nach einem neuen Allzeithoch häufig negativ. Das ist auch am Montag im vorbörslichen Handel zu beobachten, wo die Aktie derzeit 0,5 Prozent im Minus steht. Erschwerend könnte in den kommenden Tagen und Wochen eine Umkehr der Rotation hinzukommen, bei der Kapital wieder vermehrt von defensiven in offensive Sektoren fließt.

Es könnte derzeit also die bessere Strategie sein, noch einige Tage die weitere Entwicklung abzuwarten und auf einen Rücksetzer zu setzen. Mittelfristig orientierte Anleger finden mit Altria jedoch einen defensiven und finanziell stabilen Dividendenwert, der insbesondere in volatilen Börsenphasen Stabilität ins Depot bringen kann.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Ist die Altria-Aktie aktuell ein Kauf?

Die Altria-Aktie notiert auf einem neuen Rekordhoch. Historisch entwickelte sie sich ein Jahr nach Allzeithochs häufig überdurchschnittlich. Kurzfristig könnte jedoch ein Rücksetzer drohen.

Wie hoch ist die Dividendenrendite von Altria?

Altria bietet aktuell eine Dividendenrendite von rund 5,7 Prozent. Der Tabakkonzern hat seine Dividende in den vergangenen 57 Jahren insgesamt 61-mal erhöht.

Ist die Altria-Aktie aktuell überbewertet?

Mit einem Forward-KGV von 13,7 liegt die Altria-Aktie über ihrem fünfjährigen Durchschnitt von 10,2. Damit ist die Bewertung historisch vergleichsweise hoch.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Altria Group.