Es ist so weit: Das KI-Labor Anthropic hat seinen Börsenprospekt veröffentlicht und wird vermutlich noch im November an der Nasdaq gelistet. Das IPO bringt für Investoren allerdings einige ungewöhnliche Neuerungen mit sich.

Anthropic macht Ernst. Mit der Veröffentlichung des Börsenprospekts nimmt der Entwickler des KI-Modells Claude endgültig Kurs auf die Börse. Unter dem Kürzel „ANT.“, mit dem Punkt im Kürzel, beantragte Anthropc am Montag den Börsengang an der Nasdaq. Damit kommt das Unternehmen, das von früheren OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde, seinem Dauerrivalen zuvor. OpenAI hat seinen geplanten Börsengang Berichten zufolge auf 2027 verschoben.

Was ist eine Public Benefit Corporation?

Die Investoren müssen sich bei dem KI-Newcomer gleich auf mehrere Besonderheiten einlassen, wie der Börsenprospekt zeigt, in dem zunächst weder das angepeilte Datum des Börsengangs noch eine Preisspanne genannt werden. Anthropic, das von Branchenbeobachtern zeitweise schon auf einen Wert von zwei Billionen Dollar taxiert wurde, ist nach wie vor eine Public Benefit Corporation (PBC). Dabei handelt es sich nicht um eine Non-Profit-Organisation, wie oft fälschlicherweise angenommen. Als PBC bezeichnet das amerikanische Recht eine Unternehmensform für profitorientierte Firmen, die gesetzlich dazu verpflichtet sind, einen gemeinnützigen oder gesellschaftlichen Nutzen zu erzielen. Anthropic selbst sagt, dass man mit seiner KI-Forschung einen öffentlichen Zweck verfolge.

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Keine Mitspracherechte für externe Aktionäre

Für künftige Aktionäre heißt das auch: Sie müssen auf die üblichen Mitspracherechte und Einflussmöglichkeiten verzichten. Denn Anthropic führt im Börsenprospekt gleich fünf verschiedene Aktiengattungen auf, die ihre üblichen Rechte zum rigoros beschneiden. Das gab es noch nie.

Die Class A-Shares sind die öffentlich handelbaren Aktien mit je einem Stimmrecht

Darüber hinaus gibt es Class N-Shares ohne Stimmrecht, die Anthropic an strategische Parter wie Amazon ausgegeben hat, damit diese am steigenden Unternehmenswert partizipieren können. Das Konstrukt ähnelt der deutschen Vorzugsaktie.

Doch dann wird es außergewöhnlich: Es wird bei Anthropic eine einzige Class-T-Aktie geben, die vom unabhängigen Long-Term Benefit Trust (LTBT) gehalten wird. Sie gibt dieser Stiftung das Recht, die Mehrheit des Verwaltungsrats (Board of Directors) zu wählen und abzusetzen. Quasi eine goldene Aktie, mit der der Trust bei Personalentscheidungen an der Unternehmensspitze alle überstimmen kann.

Einzigartig wird auch die Class-F-Aktie sein, die es ebenfalls nur einmal gibt. Dafür vereinigt diese Aktie zu jedem Zeitpunkt 50,1 Prozent aller noch ausstehen Stimmrechte. Sie gehört der Founder LLC der sieben Gründer von Anthropic: 

• Dario Amodei (Mitgründer und CEO)

• Daniela Amodei (Mitgründerin, Präsidentin und Board Chair, Schwester von Dario)

• Tom Brown (Mitgründer und Chief Compute Officer)

• Jared Kaplan (Mitgründer und Chief Science Officer)

• Sam McCandlish (Mitgründer und Chief Architect)

• Chris Olah (Mitgründer und Leiter des Interpretability Research)

• Jack Clark (Mitgründer und Leiter des Anthropic Institute)

Benjamin Mann, der ebenfalls von Anfang an im Team war, wird oft als Mitgründer genannt, ist aber laut den offiziellen Unterlagen kein Mitglied der Founder LLC. Die Frage wird sein, ob sich die sieben Gründer immer einig sind.

Als fünfte Aktiengattung gibt es Class-E-Shares, die an Mitarbeiter ausgegeben werden, aber ähnlich wie die N-Shares ebenfalls keine wirtschaftlichen Rechte beinhalten.

Quittieren die Investoren die Beschneidung mit einem Abschlag?

Es spannend sein zu sehen, wie die Investoren auf der Road-Show auf diese Struktur reagieren. Denn ein Einfluss auf die Unternehmensführung oder gar die Strategie von Anthropic ist damit so gut wie unmöglich. Und auch jegliche Übernahmefantasie wird durch die beiden goldenen Aktien im Keim erstickt. Gut möglich, dass das zu Abschlägen in der erhofften Bewertung führen wird.

Bisher besitzen nur Elon Musk und Mark Zuckerberg in ihren Unternehmen ähnlich weitreichende Rechte. Doch im Gegensatz zu ihnen muss das Anthropic-Management noch zeigen, ob es sein Unternehmen zum Erfolg und vor allem in die Gewinnzone führen kann.

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Häufige Fragen zu Anthropic

Wer steckt hinter Anthropic?

Anthropic wurde 2021 von einer Gruppe von Führungskräften und Forschern gegründet, die zuvor OpenAI verlassen hatten, nach eigenen Angaben aus Sorge um die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Bekanntestes Gesicht ist Mitgründer und Chef Dario Amodei, dessen Schwester Daniela Mitgründerin und Präsidentin von Anthropic ist.


Wofür ist Anthropic bekannt?

Das bekannteste Produkt ist das Large Language Model (LLM) Claude, aus dem eine ganze Familie von KI-Agenten für verschiedene Anwendungsfälle entstanden ist. Die Präsentationen neuer Claude-Agenten waren Anfang 2026 maßgeblich dafür verantwortlich, dass Aktien aus den Bereichen Software, Finanzdienstleister und auch einige Platformmodelle unter Druck gerieten. Zuletzt besetzte Anthropic mit seinem Cyberscurity-Tool Claude Mythos die Schlagzeilen, da es angeblich in sehr kurzer Zeit Dutzende erhebliche Schwachstellen in weit verbreiteten Softwarearchitekturen aufdecken konnte. Die Ergebnisse hielt Anthropic geheim und machte sie nur den betroffenen Softwareunternehmen zugänglich.


Wer sind Konkurrenten von Anthropic?

Bekanntester Konkurrent ist der KI-Pionier OpenAI mit seinem LLM-Modell ChatGPT. Aber auch Google mit Gemini und SpaceX/xAI mit Grok konkurrieren mit Anthropic.

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