Am US-Kreditmarkt klaffen die Risiken auseinander: Während die schwächsten Schuldner unter Druck geraten, bleiben die breiten Hochzinsindizes auffallend ruhig. Warum das ein Problem ist.
Am US-Unternehmensanleihemarkt mehren sich die Warnsignale. Nach Einschätzung von Longview Economics, einer unabhängigen britischen Research-Beratung, zeichnet sich dort seit einigen Monaten eine „höchst ungewöhnliche Divergenz“ ab. Während sich die Risikoaufschläge für die schwächsten Schuldner mit einem Rating von „CCC oder schlechter“ deutlich ausweiten, verharrt der breitere US-Hochzinsmarkt nahe den historisch niedrigsten Spread-Niveaus.
Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App auf iOS oder Android herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.
US-Kreditmarkt: Unterschätzen Anleger die Abwärtsrisiken?
Die wachsende Nervosität im riskantesten Marktsegment fällt mit einer zunehmenden Zahl angeschlagener Unternehmen zusammen. Unter Berufung auf den Kreditausblick von State Street für das dritte Quartal 2026 verweist Longview darauf, dass die Ausfallrate bei US-Spekulationsanleihen inzwischen 4,0 Prozent erreicht hat – deutlich mehr als der Median der vergangenen 20 Jahre von 2,9 Prozent. In Europa liegt die Ausfallrate sogar bei 4,6 Prozent und damit ebenfalls klar über ihrem langfristigen Median von 2,3 Prozent.
State Street warnt, dass die relative Ruhe im Gesamtmarkt diese Schwachstellen verdecken könnte. Die aktuellen Spreads preisten möglicherweise bereits einen ausgesprochen günstigen Konjunkturverlauf ein und ließen nur wenig Puffer für eine Verschlechterung der Fundamentaldaten, heißt es in dem Bericht. Anleger könnten die Abwärtsrisiken daher unterschätzen.
Auch Moody’s Analytics und Forbes warnen davor, dass der Markt die Kreditrisiken möglicherweise nicht angemessen einpreist. Sollte sich die US-Wirtschaft spürbar abkühlen, könnte es zu einer abrupten und schmerzhaften Neubewertung von Unternehmensanleihen kommen.
Sie wollen von einer starken Wirtschaft profitieren? Mit dem Globale Dividenden-Stars Index von BÖRSE ONLINE können Sie Ihr Portfolio diversifizieren und regelmäßige Einkommensströme aus Aktien erzielen, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen und direkt reinvestiert werden.
Erste Risse im US-Kreditmarkt: Was sollen Anleger jetzt tun?
Für Anleger bedeutet das nicht, dass sie panikartig aus dem Markt fliehen sollten. Sie sollten ihr Kreditrisiko jedoch gezielt überprüfen und gegebenenfalls reduzieren. Besonders anfällig sind hoch verschuldete Unternehmen mit schwacher Bonität, kurzfristigem Refinanzierungsbedarf und geringer Zinsdeckung – insbesondere Emittenten mit einem Rating von „CCC oder schlechter“. Statt ausschließlich auf hohe Renditen zu achten, rücken daher Qualität, solide Bilanzen, ausreichende Liquidität und kürzere bis mittlere Laufzeiten in den Mittelpunkt.
Entscheidend wird sein, ob der Stress auf die schwächsten Schuldner begrenzt bleibt oder auf besser bewertete Anleihen übergreift. Solange nur das riskanteste Segment unter Druck steht, könnte es sich um eine kontrollierte Bereinigung handeln. Breiten sich die Turbulenzen jedoch auf den breiteren Hochzinsmarkt aus, droht eine umfassende Neubewertung.
Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Sie ihr Geld am besten anlegen können, dann kann sich ein Probeabo von BÖRSE ONLINE für Sie lohnen.
Häufige Fragen
Wie ungewöhnlich ist die aktuelle Entwicklung?
Ungewöhnlich ist vor allem die große Kluft zwischen den schwächsten Schuldnern und dem breiten Hochzinsmarkt. Während sich die Spreads für Anleihen mit einem Rating von „CCC oder schlechter“ deutlich ausweiten, bleiben die Risikoaufschläge im Gesamtmarkt historisch niedrig.
Warum sind höhere Zinsen für hoch verschuldete Unternehmen problematisch?
Höhere Zinsen verteuern sowohl bestehende variable Kredite als auch die Refinanzierung fälliger Anleihen. Müssen Unternehmen ihre Schulden zu deutlich höheren Konditionen erneuern, kann die Zinslast steigen, während gleichzeitig weniger Geld für Investitionen, Tilgung und Dividenden bleibt.
Was sollten Anleger jetzt beobachten?
Wichtig sind die Entwicklung der Ausfallraten, Herabstufungen und Kreditspreads. Ein besonders starkes Warnsignal wäre, wenn sich die Spreadausweitung von CCC-Anleihen auf besser bewertete B- und BB-Anleihen ausbreitet. Dann würde der Markt die Risiken nicht mehr nur bei einzelnen Problemfällen sehen, sondern breiter einpreisen.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.