Für mehr als eine Milliarde US-Dollar hatten Kunden bei Südkoreas größtem Wertpapierhaus SpaceX-Aktien gezeichnet. Schließlich gehörte der Broker zum offiziellen Konsortium des IPOs. Doch alle gingen leer aus. Missverständnis oder Missmanagement? Die Finanzaufsicht prüft.

Es sollte der Deal werden, der Mirae Asset Securities endgültig in die globale Topliga katapultiert. Stattdessen wurde der Börsengang von SpaceX für Südkoreas größtes Wertpapierhaus zum Desaster. Als einziger von 23 offiziellen Underwritern ging Mirae komplett leer aus; kein einziges SpaceX-Papier wurde den Koreanern zugeteilt. Der Grund war ein Kommunikationsfehler mit den führenden Banken des Deals.

Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, lag das Problem offenbar in einem Missverständnis über den Ablauf, wie Orders eingereicht werden. Im Rahmen des Vorbereitungsprozesses hatten die federführenden Banken – Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup –Wochen vor dem eigentlichen Bookbuilding eine E-Mail verschickt, in der sie die Underwriter baten, ihre jeweilige Investorennachfrage zu signalisieren.

SpaceX (WKN: A42D4F)

Milliardenschweres Missverständnis

Mirae beantwortete diese Anfrage wie geheißen – und war überzeugt, damit bereits verbindlich Aktien geordert zu haben. Aus Sicht der amerikanischen Bookrunner handelte es sich jedoch lediglich um unverbindliche Interessensbekundungen. Die tatsächlichen Bestellungen wurden – wie branchenüblich – erst im Juni über eine separate Kommunikation mit den Bookrunnern aufgegeben.

Da Mirae in dieser entscheidenden Runde jedoch keine Orders einreichte, verzeichneten die New Yorker Banken die Nachfrage aus Korea im offiziellen Orderbuch mit null. Das Ergebnis: Mirae erhielt keinen Retail-Anteil und keine Zuteilung. Orders im Wert von mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar, die Kunden zur Zeichnung angefragt hatten, verschwanden einfach aus dem Bookbuilding-Prozess. 

Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden von Mirae, Kim Mi-seop und Heo Seon-ho, entschuldigten sich daraufhin per Textnachricht bei ihren Kunden. „Wir verneigen uns in tiefer Entschuldigung dafür, dass wir Kunden, die mit großem Interesse und großer Erwartung an der SpaceX-IPO-Zeichnung teilgenommen haben, solch unglückliche und schwere Neuigkeiten übermitteln müssen", zitierten die Seoul Economic Daily und andere koreanische Medien aus dem Schreiben. Zugleich versprachen die Manager eine interne Überprüfung der Prozesse sowie Maßnahmen zur Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens. 

Aufsicht prüft, Sanktionen möglich

Die südkoreanische Finanzaufsichtsbehörde FSS hat nun eine offizielle Untersuchung eingeleitet – die im Ernstfall zu Sanktionen führen kann. FSS-Chef Lee Chan-jin erklärte am 22. Juni gegenüber Journalisten, er finde es „selbst jetzt noch unbegreiflich", dass Mirae am Ende ohne Aktien dastehe. Er habe erwartet, dass koreanische Profiinvestoren „selbstverständlich" Anteile zugeteilt bekommen würden.

Dabei hatte Mirae eigentlich perfekte Ausgangsbedingungen: Das Haus war bereits früh selbst als Investor bei SpaceX eingestiegen und hatte sich dadurch einen der begehrten Plätze als ausländischer Underwriter gesichert. Zudem verfügt das Wertpapierhaus über ein großes, kauffreudiges Privatanleger-Publikum in Südkorea, das in den vergangenen Jahren maßgeblich zur starken Performance des koreanischen Aktienmarktes beigetragen hat.

Zweite Chance beim Rekord-Börsengang

Mit einem Emissionsvolumen von 86 Milliarden US-Dollar ist der SpaceX-IPO der bislang größte Börsengang der Geschichte. Viele Investoren lobten den Prozess für seinen reibungslosen Ablauf trotz der enormen Komplexität und des straffen Zeitplans von nur einer Woche. Mirae war dem offenbar nicht gewachsen. Und die frustrierten Kunden mussten tatenlos mitansehen, wie die SpaceX-Aktie, die zu 135 US-Dollar zugeteilt wurde, nach dem Börsenstart deutlich zulegte. Allerdings fiel der Kurs im Laufe der vergangenen Woche sogar noch einmal unter den ersten festgestellten Börsenkurs von 155 US-Dollar – es ist bisher nicht bekannt, ob koreanische Investoren wenigstens diese zweite Chance genutzt haben.

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Häufige Fragen zum Thema SpaceX

Was macht SpaceX?

SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein von Milliardär Elon Musk gegründetes US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen. SpaceX ist vor allem für die US-Raumfahrt wichtig und führt Aufträge für die NASA durch. Der größte Teil des Konzernumsatzes entfällt allerdings auf die Satellitentochter Starlink. Außerdem gehört xAI, ein großer Anbieter von KI-Modellen, zu SpaceX.

Wie viel Umsatz und Gewinn macht SpaceX?

Space X verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar.

Wann wird SpaceX in wichtige Börsenindizes aufgenommen?

Die SpaceX-Aktie wurde zehn Tage nach dem IPO in den MSCI World aufgenommen. Dort liegt ihr Gewicht wegen des geringen Steubesitzes unter 0,1 Prozent. Voraussichtlich ab dem 6. Juli 2026 wird SpaceX dann auch Teil des Nasdaq-100-Index sein. Dagegen fordert Standard & Poor's eine Serie von vier Quartalen mit Ergebnisverbesserungen, bevor eine Aktie in den S&P 500 aufsteigen kann. Sollte S&P daran festhalten, würde SpaceX nicht vor dem Herbst 2027 Teil des größten US-Börsenindex.

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