Der bekannteste Mischfonds der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch legte seit Ende März deutlich zu. Woran liegt das? Das 13F-Filing bei der US-Wertpapieraufsicht zeigt, dass die Kölner einige unkonventionelle Entscheidungen trafen.

Der bekannteste Fonds der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch (FvS) dürfte der „Flossbach von Storch SICAV - Multiple Opportunities“ sein. Die Retail-Variante schloss das Jahr 2025 jedoch eher enttäuschend ab. Obwohl die großen Börsen allesamt stiegen, legte der Kurs des Mischfonds kaum zu. Im März 2026 stürzte der Kurs des Fonds, der eigentlich für Stabilität im Portfolio sorgen soll, sogar regelrecht ab.

Seitdem ist aber irgendetwas passiert, denn der Multiple Opportunities legte seit Ende März schon mehr als zehn Prozent zu. Das ist für einen Mischfonds viel.

Flossbach von Storch Multiple Opportunities R (WKN: A0M430)

Besser spät als nie? FvS setzt auf Nvidia

Der Kölner würde fragen: "Woran hatt's jelejen?" Auf der Suche nach einer Erklärung werfen wir einen Blick in das neue 13F-Filing, das Flossbach von Storch, wie jede große in den USA tätige Vermögensverwaltung, quartalsweise bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen musste. Es zeigt, dass der Vermögensverwalter die Ausrichtung seines Gesamtportfolios relativ stark umgekrempelt hat. Doch für den "MOF" wie Experten den "Multiple Opportunities Fonds" abgekürzt nennen, gilt das nur zum Teil. Der Flagschiff-Fonds, der in mehrere Unterprodukte für Privatanleger (Retail) und institutionelle Investoren unterteilt ist. macht etwa ein Drittel des Gesamtportfolios von FvS aus, dsa zig weitere Fonds sowie speziell zusammen gestellte Portfolien für Stiftungen, Pensionskassen und vermögende Einzelinvestoren umfasst. Und nur über diesen Gesamtbestand geben die 13F-Filings Auskunft.

Sie zeigen, dass Flossbach von Storch für seine Kunden erstmals seit Ausbruch des KI-Booms in größerem Umfang in Nvidia investiert hat: Der Wert im gesamten FvS-Portfolio stieg von zuvor 56,6 auf umgerechnet 337 Millionen US-Dollar, also um fast 600 Prozent. Im MOF stecken davon nach Angaben des Vermögensverwalters gegenüber BÖRSE ONLINE jedoch nur rund 140 Millionen. Der zweitgrößte Zukauf im Gesamtportfolio entfiel auf Zoetis, einen Hersteller von Tiermedizin, der mit Aktien im Wert von 302 Millionen US-Dollar komplett neu ins Portfolio aufgenommen wurde. Weitere große Zukäufe waren Stryker (Position um 287 Millionen US-Dollar verzwölfeinhalbfacht) und Apple (plus 241 Millionen US-Dollar).

Die größte Einzelposition im Portfolio, das insgesamt 22,1 Milliarden US-Dollar schwer ist, bleibt Alphabet mit 1,58 Milliarden US-Dollar, was 7,1 Prozent des Gesamtportfolios entspricht, vor Amazon mit 1,3 Milliarden US-Dollar (5,9 Prozent), Microsoft (1,27 Milliarden US-Dollar) und Berkshire Hathaway (1,26 Milliarden US-Dollar). Im "Multiple Opportuniteis Fonds" für Retailinvestoren machten die A-Shares von Alphabet dagegen laut Fact Sheet zum 30. Juni 2026 nur 2,92 Prozent aus, was einem Wert von 5888 Millionen Euro oder umgerechnet etwa 680 Millionen Dollar entpricht. Zusammen mit Amazon und Microsoft, die ebenfalls zu den Top-Ten-Holdings des Fonds gehören, dürfte das die starke Perfomance im zweiten Kalenderquartal größtenteils erklären. Die größte Position darin ist übrigens die Deutsche Börse mit einem Portfolioanteil von 2,96 Prozent.

Ein Investment zahlt sich besonders aus

Als äußerst erfolgreich erweist sich innerhalb des Gesamtportfolios der Flossbach von Storch-Gruppe ein Investment in Amphenol, einen Hersteller von Steckerverbindungen für Glasfasern, elektrische Kabel und Kabelbäume. Dort hielt FvS per 30. Juni Aktien im Wert von knapp einer Milliarde US-Dollar, nachdem ihr Wert allein im zweiten Quartal um 46 Prozent zugelegt hat. Die absolute Zahl der gehaltenen Aktien blieb dagegen nahezu unverändert. Damit ist Amphenol nun die fünfgrößte Einzelposition im Gesamtportfolio. Ob diese Aktie auch im MOF enthalten ist, lässt sich anhand des aktuellen Fact Sheets zum Fonds leider nicht nachvollziehen.

Hier zog FvS die Reißleine

Während viele Profis an der Börse derzeit in Value-Aktien umschichten, was auch zum Investmentansatz von FvS passt, haben die Kölner in ihrem Gesamtportfolio ausgerechnet bei einem ihrer prominentesten Value-Titel die Reißleine gezogen: Die Position in PepsiCo wurde halbiert und damit 388 Millionen US-Dollar erlöst. Auch bei Johnson & Johnson halbierte der Vermögensverwalter seine Position, den Aktienbestand an ConocoPhillips kürzte er sogar um 82 Prozent. Dieser Wert sei allerdings nie Teil der Multiple Opportuinmities-Fonds gewesen, stellte FvS gegenüber BÖRSE ONLINE klar. Auch von ihren gesamten BioNTech-Aktien verkauften die Kölner Vermögensverwalter immerhin 39 Prozent.

Zwei Verlierer verhageln die Bilanz

Festgehalten haben die Kölner fatalerweise an Nike und Accenture, was ihnen empfindliche Kursverluste einbrockte. Die Nike-Aktie verbilligte sich im Quartal um 24 Prozent, was im Portfolio einem Wertverlust von 155 Millionen US-Dollar entsprach; Accenture ging um 16 Prozent zurück, was Flossbach in dieser Position gegenüber dem Vorquartal einen Verlust von 159 Millionen US-Dollar einbrachte.

Ohne diese beiden heftigen Rücksetzer wäre die Performance im Gesamtportfolio sogar noch besser gewesen.

Wie oben mehrfach beschrieben, deckt sich das Gesamtportfolio nicht automatisch mit den Holdings im Multiple Opportunities Fonds, schon gar nicht mit der "R"-Variante, die auf Retail-Invetsoren ausgerichtet ist. Dessen zehn größte Positionen zum 31. Juli 2026 finden Investoren hier.

Hinweis: Eine erste Version dieses Textes wurde am 18.8.2026 ergänzt, um klarzumachen, dass die im 13F gemeldeten Positionen des Gesamtportfolios nicht identisch mit den Holdings des bekanntesten und größten FvS-Fonds "Multiple Opportunities" sind.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie die großen Vermögensverwalter im zweiten Quartal ihre Portfolios umgeschichtet haben und welche Aktien sie jetzt favorisieren, dann empfehlen wir Ihnen ein Abonnement der 13F-Berichte, eine exklusive Publikation der Börsenmedien AG, die auch Eigentümer von BÖRSE ONLINE ist. Diese Publikation gibt es nur im Direktvertrieb und nicht am Kiosk.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht Flossbach von Storch (FvS)?

Die Flossbach von Storch SE ist einer der größten unabhängigen Vermögensverwalter Deutschlands mit Sitz in Köln. Das Finanzinstitut wurde 1998 gegründet und verwaltet Milliarden für private und institutionelle Kunden. FvS bietet eigene Publikums- und Mischfonds an, darunter den bekannten Multiple Opportunities), an und berät vermögende Kunden auch zu individuellen Anlagekonzepten in Aktien, Anleihen und Edelmetallen.

Seit 2006 existert außerdem eine Flossbach von Storch Stiftung, die sich der Förderung der Wirtschafts- und Finanzbildung in Deutschland verschrieben hat. 

Wer ist Bert Flossbach?

Bert Flossbach gründete 1998 Flossbach von Storch und ist Mitglied des Verwaltungsrats der Flossbach von Storch SE. Er verantwortet noch immer die Bereiche Research sowie Investment Management.

Was ist das Flossbach von Storch Research Institute?

Mit dem Flossbach von Storch Research Institute unterhält FvS einen eigenen Think Tank. Er erstellt Studien zu den vier Forschungsgebieten Makroökonomie, Unternehmen, Wirtschaft und Politik sowie Gesellschaft und Finanzen. Chef ist seit November 2024 der Ökonom Gunther Schnabl.