Gold und Bitcoin sind laut einem Experten nicht länger Gegenspieler: Das Edelmetall soll Stabilität geben, die Kryptowährung Wachstumspotenzial. Ein Überblick.

Die alte Frage „Gold oder Bitcoin?“ greift nach Ansicht von Tommaso Mancuso, Investmentchef des Digital-Asset-Managers 3iQ, zu kurz. Beide Anlagen könnten vom wachsenden Misstrauen gegenüber staatlichen Schuldpapieren profitieren – allerdings mit völlig unterschiedlichen Risikoprofilen.

Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt BÖRSE ONLINE bei Google bevorzugen. 

Staatsverschuldung rückt alternative Wertspeicher in den Fokus

Die Staatsverschuldung in den G7-Staaten steigt massiv an und hat laut aktuellen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das Jahr 2026 neue Dimensionen erreicht. Die aggregierte Schuldenquote der G7-Staaten liegt demnach im Schnitt bei über 123 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Darauf reagieren auch die Anleger, schrieb Mancuso in einem für die Edelmetall-Plattform “Kitco News” verfassten Beitrag. Das Umfeld beschleunige die Flucht in Anlagen außerhalb traditioneller staatlicher Verbindlichkeiten.

Gold ist in diesem Szenario längst etabliert. Laut Mancuso kauften Zentralbanken zwischen 2022 und 2025 im Schnitt etwa 1.000 Tonnen Gold pro Jahr – ungefähr doppelt so viel wie im Durchschnitt des vorherigen Jahrzehnts. Gleichzeitig ist Bitcoin über Spot-ETFs, Unternehmensbilanzen und institutionelle Anleger stärker in das klassische Finanzsystem vorgedrungen.

Tipp: Goldfolio ist Ihr Börsenbrief für die ganze Welt der Rohstoffe. Ob Gold, Silber, Kupfer oder aussichtsreiche Minenaktien – hier erhalten Sie fundierte Analysen, klare Empfehlungen und starke Strategien für Ihr Depot. 

Gold 2026: Rekordhoch, danach deutliche Abkühlung

Gold hat 2026 eine ziemliche Achterbahnfahrt hingelegt und nach Höchstständen Anfang des Jahres eine ziemliche Korrektur erlebt. Momentan erholt sich der Preis wieder, nachdem er nach der Fed-Entscheidung diese Woche unter Druck geraten war. Geholfen hat dabei der Rückgang der Renditen für US-Staatsanleihen. 

Gold ist vor allem als Krisen- und Stabilitätsbaustein gefragt. Als Belastungsfaktoren gelten unter anderem höhere Zinsen und Renditen, weil Gold selbst keine laufenden Erträge abwirft.

Mancuso beschreibt das Edelmetall als defensiven Anker eines Portfolios. „Es dient als verlässlicher Puffer gegen systemische Schocks und die Entwertung von Währungen“, so der 3iQ-Manager. Gold soll demnach vor allem Stabilität geben, wenn Währungen an Kaufkraft verlieren, geopolitische Risiken zunehmen oder das Vertrauen in das Finanzsystem sinkt.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Bitcoin 2026: Institutioneller, aber deutlich volatiler

Der Bitcoin-Kurs hat sich im Jahr 2026 bisher volatil und insgesamt abwärtsgerichtet entwickelt, nachdem er im Oktober 2025 ein Rekordhoch von über 125.000 US-Dollar erreicht hatte. Momentan liegt Bitcoin bei etwa 78.000 US-Dollar – die Kryptowährung hat sich von den Tiefständen im Frühsommer wieder etwas erholt. Der Jahresverlauf zeigt: Bitcoin ist zwar inzwischen stärker institutionalisiert, bleibt aber ein ausgesprochen schwankungsanfälliger Vermögenswert.

In der Kitco-Analyse werden für Bitcoin eine historische annualisierte Volatilität von etwa 40 bis 50 Prozent und frühere Kursrückgänge von 70 bis 80 Prozent genannt. Zum Vergleich: Bei Gold lagen die entsprechenden Werte dem Bericht zufolge bei rund 12 bis 15 Prozent Volatilität; Rückgänge von mehr als 30 Prozent seien in modernen Marktphasen selten gewesen.

Deshalb sei Bitcoin kein digitaler Ersatz für Gold, argumentiert Mancuso. Bitcoin stehe vielmehr für ein monetäres Netzwerk mit höherem Wachstumspotenzial und deutlich höheren Risiken. Er bezeichnet Bitcoin als „ein Anlageinstrument mit hoher Konvexität und asymmetrischem Aufwärtspotenzial, falls sich das Netzwerk weiter ausdehnt“.

Bitcoin (ISIN: CRYPT0000BTC)

Gold und Bitcoin statt Gold oder Bitcoin?

Beide Anlagen teilen laut Mancuso eine Art „monetäre DNA“: Ihre Angebotsmenge ist begrenzt, sie können außerhalb des traditionellen staatlichen Finanzsystems gehalten werden und ihr Wert hängt wesentlich von der Erwartung ab, Kaufkraft zu bewahren. Ihre Marktstrukturen und Risiken sind jedoch nicht vergleichbar. Gold verfügt über ein über Jahrhunderte gewachsenes monetäres Netzwerk und wird von Zentralbanken gehalten. Bitcoin ist ein digitales Netzwerk, das sich zunehmend institutionalisiert und eine deutlich kürzere Historie hat.

Mancuso glaubt deshalb nicht, dass Bitcoin Gold ablöst. Vielmehr könnten beide Anlagen in einem größeren Sachwertanteil nebeneinander bestehen. „Gold bietet die Stabilität und Liquidität eines etablierten monetären Vermögenswerts, während Bitcoin Zugang zu einem monetären Netzwerk eröffnet, das sich durch eine wachsende Marktinfrastruktur und zunehmende institutionelle Beteiligung weiter institutionalisiert“, schrieb er.

Wenn Sie sich für weitere Wirtschafts- und Börsennachrichten interessieren, könnte ein Probeabo von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.

Weiterführende Links

Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Was ist 2026 besser: Gold oder Bitcoin?

Das hängt von der Anlagestrategie und der Risikobereitschaft ab. Gold steht eher für Stabilität, Diversifikation und den Schutz gegen systemische Risiken. Bitcoin bietet zwar höheres Wachstumspotenzial, schwankt aber deutlich stärker und eignet sich deshalb eher als risikoreicher Portfolioanteil.

Warum kaufen Zentralbanken weiterhin Gold?

Zentralbanken nutzen Gold als strategische Reserve und zur Diversifikation ihrer Währungsreserven. Zwischen 2022 und 2025 kauften sie laut Tommaso Mancuso im Durchschnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Damit wollen sie unter anderem ihre Abhängigkeit von traditionellen staatlichen Verbindlichkeiten verringern.

Ist Gold sicherer als Bitcoin?

Historisch war Gold deutlich weniger volatil als Bitcoin. Laut der von Kitco zitierten Analyse lag die annualisierte Gold-Volatilität bei etwa 12 bis 15 Prozent, bei Bitcoin dagegen bei rund 40 bis 50 Prozent. Gold ist jedoch nicht risikofrei und kann ebenfalls deutlich korrigieren. Bitcoin birgt wegen möglicher Rückgänge von 70 bis 80 Prozent ein erheblich höheres Verlustrisiko.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.