Die US-Börsen erlebten am Donnerstag einen regelrechter Abverkauf, der die Erholungsrally vom Mittwoch komplett wieder ausradierte. Vor allem die Kurse von Chipwerten und KI-Aktien rauschten in den Keller, auch europäische Titel wie ASML und Infineon mussten bluten.

Die Wall Street hat ihre Gewinne vom Vortag am Donnerstag innerhalb weniger Stunden wieder abgegeben. Zum Handelschluss beschleunigte sich der Abverkauf noch einmal . Am Ende schloss der Nasdaq Composite 5,5 Prozent im Minus bei nur noch 24.314 Punkten, ein Minus von 1.421 Punkten. Er liegt damit mehr als zwölf Prozent unter seinem Rekord vom Oktober. Der Dow Jones verlor mehr als 1.833 Punkte auf 51.523 Punkte, das bedeutete ein Minus von 3,4 Prozent. Damit machte der Markt die Gewinne der massiven Erholungsrally vom Mittwoch komplettt wieder zunichte. Am Vortag war der US-Leitindex nach dem klaren Ausgang der US-Kongresswahlen noch um mehr als 1.500 Punkte gestiegen. Der S&P 500 gab am Donnerstag 4,4 Prozent ab und beendete den Handel bei 7354 Punkten.

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Infront USA 30 Industrial (WKN: 969420)

Chipwerte im freien Fall, Tesla minus 10 Prozent

Im Zentrum der Verkaufswelle standen die Halbleiter. Nvidia fielen um mehr als neun Prozent, Broadcom sogar um mehr als 10 Prozent. Nvidia notiert damit wieder auf dem Niveau vom April. Der Sektor-ETF SOXX verlor 12 Prozent. Besonders hart traf es Speicherwerte: Sandisk, Western Digital und Seagate brachen um bis zu 22 Prozent ein. Qualcomm sackte um 9,5 Prozent ab, obwohl die Zahlen am Vorabend die Erwartungen übertroffen hatten. Der Ausblick fiel jedoch schwächer aus als erwartet. Auch Tesla verloren fast 11 Prozent, SpaceX schloss 9 Prozent tiefer.

Infront Tech 100 (WKN: A0AE1X)
Nvidia (WKN: 918422)

Neoclouds schon wieder ganz oben auf der Verkaufsliste

Nach der ersten Erleichterung infolge des klaren Wahlergebnisses in den USA fürchten Anleger inzwischen politische Bremsklötze – vor allem für die KI-Branche. Ein stockender Ausbau der Rechenzentren würde vor allem die Neocloud-Anbieter treffen, die sich für ihre Investitionen hoch verschuldet haben. Deshalb gaben die Aktien von Coreweave zeitweise 14 Prozent nach, am Ende war es ein Minus von 10 Prozent. Der europäische Konkurrent Nebius fiel um 15 Prozent und Iren um 17 Prozent. Die Research-Boutique MRB Partners sprach von einem Reinigungsprozess: Ein „Ausverkauf bei den spekulativsten Teilen des Themas“ sei im Gange.

Infineon-Aktie gibt 11 Prozent ab

Die Verkaufswelle schwappte auch nach Europa über. Im DAX verloren Infineon mehr als 11 Prozent. ASML fiel um mehr als 9 Prozent auf 1.210 Euro, der Börsenwert schrumpfte damit um fast 50 Milliarden Euro auf 470 Milliarden Euro. Trotz ist der Chipausrüster damit weiterhin Europas mit Abstand wertvollstes Unternehmen. Im Dax erwischte es auch Siemens Energy und Hochtief, zwei Werte, in die zuvor viel KI-Fantasie eingepreist worden war. Der Leitindex hatte am Donnerstagvormittag einen neuen Allzeit-Rekord erreicht, schloss am Ende aber mit 0,43 Prozent im Minus. Im MDax verloren Aixtron, Suss und Siltronic ebenfalls zweistellig.

SUSS MicroTec (WKN: A1K023)

In diese Werte flüchten die Anleger

Nicht alle Märkte fielen mit. Der Subindex für Konsumgüter-Titel im S&P 500 legte um mehr als ein Prozent zu, Energie- und Versorgerwerte gewannen ebenfalls. Der Ölpreis zog nach seinem Rückgang am Mittwoch wieder an: WTI stieg auf knapp über 90 US-Dollar, Brent auf rund 98 US-Dollar. Am Vortag hatten Investoren noch darauf gesetzt, dass die Demokraten Präsident Donald Trump zu einem Ende des Iran-Kriegs drängen könnten. Diese Hoffnung scheint nun wieder verflogen.

Die Experten von Index-Radar sehen eine „Übertreibung auf der Unterseite“, warnen aber, dass die letzte Phase der Korrektur womöglich noch nicht vorbei ist.

Der Wahlsieg der Demokraten hat sich damit für die KI-Branche binnen weniger Stunden vom Rückenwind zum Gegenwind gewandelt. Solange unklar bleibt, wie streng die Auflagen für Rechenzentren wirklch ausfallen und wann die Milliarden der Konzerne Erträge abwerfen, dürften die Kursschwankungen in diesem Segment hoch bleiben.

Entwarnung gab der Politikwissenschaftler Thomas Jäger in einem Interview auf dem Youtube-Kanal von BÖRSE ONLNE, Er glaube nicht, das die Demokraten der KI-Branche am Ende wirklich Knüppel zwischen die Beine werfen werden. Dafür sei das Thema, auch im Wettbeerb mit China, viel zu wichtig.

 Doch bis sich der Nebel lichtet, bleiben Anleger an der Seitenlinie – und halten ihre Stoppkurse ein.

Das komplette Interview mit Prof. Thomas Jäger auf Youtube

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Enthält Material von dpa-AFX

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.