Das Vertrauen der Anleger kehrt langsam zurück. Gute Zahlen zum Jahresauftakt und eine Reihe gezielter Zukäufe signalisieren, dass der Konzern wieder auf Wachstumskurs ist. ­Mit einen Bonus-Cap- oder Call-Optionsschein können Anleger partizipieren.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 19. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 22/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Vor vier Jahren begann bei Henkel eine umfangreiche Restrukturierung. Die Investoren waren von der Strategie von Konzernchef Carsten Knobel überzeugt und schoben den Aktienkurs vom Tief im Frühjahr 2022 von rund 57 Euro bis Mitte 2024 auf rund 85 Euro. Nach einer Achterbahnfahrt seit Anfang 2025 sank der Anteilschein im April zeitweise unter 62 Euro — unweit des Tiefs vom Herbst 2022. Nach Einschätzung der meisten Analysten, die Urteile zu Henkel abgeben, erscheint das Abwärtsrisiko auf dem aktuellen Niveau überschaubar und die Chance auf eine deutliche Erholung relativ groß. Nach Angaben von Bloomberg reichen die Kursziele bis 80 Euro.

Die Experten verweisen unter anderem auf das Zahlenwerk zum ersten Quartal. Organisch verbuchte der Konzern trotz Inflation und hoher Unsicherheiten bei den Verbrauchern und Unternehmen ein solides Umsatzplus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Getragen wurde es von beiden Bereichen: Adhesive Technologies mit Klebstoffen, Dichtstoffen und Funktionsbeschichtungen für die Automobil-, Luftfahrt- und Verpackungsindustrie sowie dem Segment Consumer Brands mit Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Haarpflegeprodukten wie Persil und Schwarzkopf. „Dabei konnten wir sowohl in Adhesive Technologies als auch in Consumer Brands Preis- und Volumenzuwächse verzeichnen“, sagte Knobel bei der Vorlage der Zahlen und ­bestätigte den Ausblick auf 2026.

Wachstum durch Zukäufe

Nach Jahren, in denen Randbereiche verkauft und Segmente neue aufgestellt wurden, will der Konzernchef nun wieder auf Wachstumskurs umschwenken. Ein wichtiger Bestandteil seiner Wachstumsstrategie sind gezielte Zukäufe. So wurden zuletzt fünf Übernahmen mit einem ­Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Euro gemeldet. Der Kauf von Wetherby Laroc (Hochleistungsbauprodukte, Gebäudebeschichtungen), ATP Adhesive Systems (Klebebandlösungen) und Not Your ­Mothers (Haarpflegeprodukte) ist bereits abgeschlossen. Mit Stahl (Klebstoff und Beschichtungen) sowie Olaplex (Premiumhaarpflegeprodukte) setzt der Konzern ebenfalls auf den Ausbau dieser Segmente durch margenstarke Produkte.

Vor allem Befürchtungen, steigende Rohstoffkosten könnten nicht an die Kunden weitergegeben werden, drückten auf die Anlegerstimmung. Zudem bremst die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie. „Im Klebstoffbereich konnten wir im ersten Quartal Preiserhöhungen mit unseren Kunden umsetzen“, so der Manager. „Im Consumer-Bereich geht es um selektive Preiserhöhungen, die vor ­allem damit verbunden sind, wenn wir Innovationen in den Markt bringen“, ­erklärte er weiter. Die jüngsten Zahlen ­belegen, dass es Henkel durchaus gelang, über eine Mischung aus Mengenwachstum und Preiserhöhungen den Umsatz zu steigern. Sollte der Preisdruck seitens der Zulieferer anhalten, dürften auch weitere Preiserhöhungen bei Henkel anstehen. Gleichzeitig setzt Knobel jedoch auf eine strenge Kostendisziplin.

Die Anleger scheinen auch langsam wieder Vertrauen in den Konsumgüterhersteller zu gewinnen. Mit einem KGV von 11,4 und einer Dividendenrendite von 3,2 Prozent erscheint die Aktie moderat bewertet. Auch aus charttechnischer Sicht mehren sich die Anzeichen für eine Erholung. Zwischen 61 Euro und 67,50 Euro hat der DAX-Konzern einen soliden Boden gebildet. Die kurzfristigen MACD- und RSI-Indikatoren sind aufwärtsgerichtet. Gelingt der Ausbruch über die Widerstandsmarke von 67,50 Euro, eröffnet sich technisch ein Kurspotenzial bis 84 Euro.

Mit Puffer oder Power

Weniger risikofreudige Anleger greifen zum Bonus-Cap-Zertifikat statt zur Aktie. Das ausgewählte Wertpapier hat eine Barriere bei 55 Euro und ein Cap-Level bei 90 Euro. Die Barriere wurde zuletzt im Jahr 2012 verletzt. Ein Rücksetzer auf diese Marke deutet sich aktuell nicht an. Notiert die Aktie bis zum Laufzeitende Mitte Dezember stets oberhalb von 55 Euro, erhalten Anleger kurz vor Weihnachten 90 Euro ausbezahlt. Dies entspricht einer erzielbaren Rendite von knapp 13 Prozent in sieben Monaten. Wird die kritische Marke allerdings verletzt, erlischt die Chance auf die Bonuszahlung und es droht ein Verlust. Um das Verlustrisiko zu begrenzen, sollte daher ein Stoppkurs gesetzt werden.

Etwas risikofreudigere Investoren sollten einen Blick auf den Call-Optionsschein werfen. Die implizite Volatilität ist mit 23 Prozent moderat und damit nicht überzogen teuer. Der Basispreis liegt bei 68 Euro. Damit ist das Papier leicht aus dem Geld.

Gelingt der Ausbruch über 67,50 Euro und ein Anstieg bis 71 Euro, zur 200-Tage-Durchschnittslinie, bis Ende Juni, sind laut Optionsscheinrechner über 60 Prozent Gewinn möglich. Schraubt sich die Aktie bis Ende September weiter bis zum Zielkurs von 84 Euro, dürfte sich der Wert des Call-Optionsscheins etwa verdreifachen. Allerdings gilt auch hier: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Ein vermeintlich kleiner Rücksetzer kann bereits zu hohen Verlusten führen. Daher sollten Anleger auch beim Call-Optionsschein einen Stoppkurs setzen, um die Verluste zu begrenzen. Legt das Wertpapier wie erwartet zu, sollte der Stoppkurs zeitnah nachgezogen werden.

Fazit

 Charttechnisch hat Henkel einen Boden gebildet. Zudem ist die Aktie günstig bewertet und zeigte einen robusten Auftakt ins laufende Geschäftsjahr. Zukäufe sollen das Wachstum mittelfristig beflügeln und die Marge steigern. Je nach Risikofreude können Anleger mit einem Bonus-Cap-Zertifikat oder einem Call von einer Erholung profitieren. 

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