Für die KI-Branche kommt es am Freitag jetzt ganz dicke: OpenAI verschiebt offenbar seinen geplanten Börsengang – und löst damit eine Kettenreaktion aus. Welche Konsequenzen die Anleger befürchten und wer die KI-Rechnung als erster bezahlen muss.

Die KI-Branche muss am Freitag gleich eine ganze Reihe schlechter Nachrichten verarbeiten. Nachdem monatelang die Wachstumsschübe gefeiert wurden, die die Investitionen in Künstliche Intelligenz schon auslösen und noch auslösen werden, rücken an der Börse nun immer stärker die Kosten und die Finanzierungsfrage in den Fokus. Und plötzlich sehen sich Endkunden und andere Beteiligte an der Wertschöpfungskette mit Kosten konfrontiert, die sie nicht mehr stemmen können.

Auslöser war am Morgen eine Meldung der New York Times, wonach der KI-Pionier OpenAI seinen geplanten Börsengang verschieben will. Grund sei der unerwartet holprige Börsengang von SpaceX, der nicht alle Erwartungen erfüllen konnte und zudem eine Menge Geld von den Investoren abzog. 

Dass womöglich selbst der neben Anthropic wohl wichtigste Name im derzeitigen KI-Universum mit seinem IPO wartet, weil die Marktbedingungen und die Finanzierungslage nicht passen, könnte das weitreichende Folgen haben. Denn OpenAI hat bereits milliardenschwere Aufträge für den Bau von KI-Rechenzentren vergeben, deren Bau sich jetzt möglicherweise verzögert. Das hieße, dass nicht nur Dienstleister wie Dell oder HP Enterprise, sondern auch Oracle und alle beteiligten Zulieferer später ihr Geld bekämen – von Nvidia über AMD bis hin zu den Speicherhersteller vom Schlage Micron, SK Hynix oder Sandisk.

Jetzt kommt die KI-Rechnung an

Diese Sorge ist nicht nur theoretischer Natur. Immer mehr Investoren fragen sich, wie nachhaltig der enorme Kapitalbedarf für KI-Infrastruktur wirklich ist. Datenzentren, Chips, Speicher und Strom kosten Milliarden. Solange die Kapitalmärkte bereitwillig Geld lieferten, blieb das Thema beherrschbar. Doch diese Sicherheit beginnt zu bröckeln. Der Markt, der die Fantasie rund um künstliche Intelligenz monatelang mit hohen Bewertungen bezahlt hat, schaut plötzlich auf die laufenden Kosten. Und die steigen schneller als vielen lieb ist.

Die Schattenseite steigender Speicherpreise

Parallel dazu entsteht plötzlich Kostendruck an einer unerwarteten Stelle: Monatelang hatte die Börse die Speicherhersteller gefeiert, weil sie ihre Preise wegen der Knappheit im Markt stark anheben konnten und mittlerweile nie gesehene Margen jenseits der 80 Prozent erwirtschaften. Die Feier endete am Donnerstag, als Apple bekanntgab, die Preise seien Smartphones, Tablets und Laptops zu erhöhen – weil man die gestiegenen Preise an die Kunden weitergeben müsse, um die eigene Rentabilität zu wahren. Die Meldung schickte die Apple-Aktie fast sechs Prozent in den Keller – und andere Technologiewerte gleich mit. Am Freitag kündigte Microsoft ebenfalls Preiserhöhungen für die Xbox an. Auch hier sind der Grund die höheren Komponenten- und Speicherpreise. Damit zeigt sich, dass die KI-Welle längst nicht mehr nur Software- und Cloud-Konzerne trifft, denen KI-Agenten zunehmend Konkurrenz machen, sondern die gesamte Lieferkette. Wenn die Speicher teurer werden, verteuert das nicht nur KI-Server und Rechenzentren, sondern wirkt sich bis hin in die Endkundenprodukte aus.

Wer also wird am Ende den Preis für die KI-Investments zahlen? Wie geplant die Unternehmenskunden? Oder womöglich die Endkunden als Käufer von iPhone, Xbox & Co.? Oder womöglich die Aktionäre sowie die die Banken und Private-Debt-Fonds, die große Teile des KI-Aufbaus über Kapitalerhöhungen, Kredite und Anleihen vorfinanzieren?

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Softbank und Oracle im Minus

An den Märkten kam das alles am Freitag schlecht an. Und die Börsenreaktion ist heftig: Besonders schmerzhaft fiel der Abverkauf schon am Morgen in Asien aus. Softbank, einer der wichtigsten Unterstützer von OpenAI, verlor rund 13 Prozent. Auch andere Technologie- und Halbleiterwerte wurden mitgerissen. In Europa setzte sich der Ausverkauf ebenfalls fort. Der Stoxx 600 rutschte ab, viele Technologieaktien schlossen im Minus. Chipwerte wie Infineon, STMicroelectronics oder der Zulieferer ASML gaben deutlich nach. 

Die Futures auf die US-Börsen ließen ebenfalls nichts Gutes erwarten – und so kam es dann auch: Technologieaktien gerieten auch in New York stark unter Druck, dr Nasdaq Composite eröffnete direkt ein Prozent tiefer, erholte sich dann aber etwas. Chipwerte wie Micron, AMD und Intel verloren zwischen drei und fünf Prozent. Die Verluste bei der Aktie von Oracle summieren sich über die vergangenen fünf Handelstage nun schon auf 17 Prozent.

Infront Nasdaq 100 (WKN: A0AE1X)

Anleger sollten jetzt aufpassen

Einiges deutet darauf hin, dass der KI-Trade, der die Kurse auf immer neue Höchststände schickte, nun womöglich doch noch kippt. Ob wir einfach eine gesunde Korrektur in einem überhitzten Markt erleben werden oder mehr, kann derzeit niemand sagen. Skeptiker verweisen darauf, dass ungewöhnlich viele Anleger „gehebelt“ im Markt unterwegs sind. Bei steigenden Kursen ist das eine feine Sache. Doch sobald die Aktien stark fallen, beginnt die Abwärtsspirale aus Margin Calls und Abverkäufen, die die Kurse immer schneller nach unten treibt.

Anleger tun also gut daran, den Markt genau zu beobachten und möglicherweise jetzt auch mal ein paar Gewinne mitzunehmen. Wer an der Kursrally bei Chipaktien seit Ende März dick verdient hat, sollte mindestens seinen Einsatz herausnehmen. Dann ist die Gefahr von Verlusten gebannt – und der Rest kann erstmal weiterlaufen.

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Häufige Fragen zum Thema

Warum erhöht Apple die Preise für fast alle Geräte?

Alle Apple-Geräte, egal ob iPhone, iMac, iPad oder auch die VR-Brille Vision Pro benötigen neben schnellen Prozessoren Arbeitsspeicher. Speicherchips und Speicherlaufwerke sind aber wegen der hohen Nachfrage aus dem Bereich der KI-Anwendungen exorbitant teuer geworden. Diese Kostensteigerungen reicht Apple jetzt über seine Preise weiter.

Warum hätte die Verschiebung des Börsengangs von OpenAI Folgen für den KI-Boom?

OpenAI ist einer der zentralen Player im KI-Markt und hat bereits für zig Milliaren Dollar neue KI-Rechenzentren bestellt - die man unter anderem aus den Erlösen eines Börsengangs bezahlen will. Verzögert sich das IPO, verzögern sich womöglich auch die KI-Projekte - mit entsprechenden Folgen für die Erlöse aller Zulieferer.

Warum ist es ein Problem, wenn in einem Markt viele Anleger gehebelt investieren?

Bei steigenden Kursen sorgt der Hebel für überproportional hohe Gewinne. Doch dasselbe passiert bei fallenden Kursen; und die Folgen sind oft noch gravierender. Sobald die Aktienkurse stark fallen, beginnt eine Abwärtsspirale aus Margin Calls und Abverkäufen, die die Kurse immer schneller nach unten treibt.

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