Trotz jüngster Turbulenzen bei Tech- und Halbleiterwerten bleibt JPMorgan-Chefstratege Phil Camporeale gelassen: Der KI-Boom sei kein kurzfristiger Hype, sondern ein generationenprägender Megatrend. Er erklärt, wie er die aktuelle Marktdynamik einschätzt.

Halbleiter- und KI-Werte gingen 2026 auf eine phänomenale Rekordjagd. Der PHLX Semiconductor Index legte in diesem Jahr bis Ende Juni um mehr als 100 Prozent zu, die Papiere von Micron Technology, Intel und Co. sogar um über 200 Prozent. 

Dann kam die Kehrtwende, genährt durch Zweifel, ob sich die massiven Investitionen in die KI-Infrastruktur wirklich lohnen: Zahlreiche KI- und Halbleiterwerte mussten im Juli teilweise zweistellige Kursverluste hinnehmen – Analysten diskutierten, ob es sich dabei um eine gesunde Verschnaufpause oder das Ende des Booms handelt.

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KI als "Jahrhunderttrade": Dreimal so viel Rendite wie S&P 500

In einem Interview mit dem US-Sender CNBC bezeichnete Phil Camporeale, Chefstratege bei JPMorgan, den jüngsten Kursrückgang bei Halbleiter- und Technologiewerten jedoch nur als normale Marktbereinigung. „Wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir uns erst in der Frühphase dessen befinden, was ein Jahrhunderttrade ist", sagte Camporeale. Man sehe einen KI-Trade für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre und einen positiven Effekt auf die Produktivität.

Der Stratege wies darauf hin, dass Anleger, die zu Beginn des vergangenen Jahres in Halbleiterwerte eingestiegen sind, bis dato eine dreimal so hohe Rendite erzielt haben wie der breite S&P 500 – was diese Positionen anfällig für Gewinnmitnahmen mache.

Camporeale betonte außerdem, dass sommertypische Marktschwankungen, die durch geringere Liquidität entstehen, keine verlässliche Aussage über die weitere Jahresentwicklung erlaubten. Als Beispiel nannte er den starken Verkaufsdruck durch Privatanleger in der vergangenen Woche.

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Weiterführende Links

KI-Boom oder KI-Blase? Es gibt auch Warnungen

Nicht jeder teilt Camporeales Zuversicht. Jeremy Grantham, Mitgründer der Vermögensverwaltung GMO und bekannt für seine Warnungen vor der Dotcom-Blase 2000 und der Immobilienkrise 2008, sieht im KI-Hype eine gefährliche Spekulationsblase.

Treiber der Blase seien die sogenannten „KI-Highflyer" – jene Unternehmen, deren Bewertungen in astronomische Höhen geschossen sind, so der 87-Jährige in Steven Bartletts Podcast “The Diary of a CEO”. Einen Kursrückgang von 70 Prozent hält Grantham für denkbar und warnt davor, dass darauf folgende Massenentlassungen und Arbeitslosigkeit die Wirtschaft unter Druck setzen werden. “Blickt man auf das Platzen großer Blasen in der Vergangenheit, folgen darauf stets sehr harte Zeiten."

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Häufige Fragen

Was ist der sogenannte „Jahrhunderttrade" im KI-Bereich? 

Der Begriff beschreibt die Einschätzung einiger Marktstrategen, dass Investitionen rund um Künstliche Intelligenz – insbesondere in Halbleiter- und Technologieunternehmen – einen langfristigen, strukturellen Wachstumstrend darstellen, der sich über die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre erstreckt und durch den positiven Produktivitätseffekt von KI-Technologien getragen wird. Das sehen aber längst nicht alle Investoren so.

Warum sind KI- und Halbleiteraktien zuletzt unter Druck geraten? 

Experten wie JPMorgan-Stratege Phil Camporeale sehen den jüngsten Kursrückgang vor allem als normale Gewinnmitnahmen: Anleger, die früh in den Halbleiterbereich eingestiegen sind, haben in kurzer Zeit sehr hohe Renditen erzielt. Hinzu kommt die typisch geringere Liquidität in den Sommermonaten, die Kursschwankungen verstärkt.

Ist KI eine Investmentchance oder eine Spekulationsblase? 

Da gehen die Meinungen unter Experten weit auseinander. Optimisten wie JPMorgan-Stratege Phil Camporeale sehen KI als langfristigen, strukturellen Megatrend mit positivem Effekt auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Skeptiker wie der Investor Jeremy Grantham hingegen warnen vor einer Überbewertung und Blasenbildung, die massive Kursverluste mit gesamtwirtschaftlichen Folgen nach sich ziehen kann.

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