Der wachsende KI-Einsatz verschärft den Bedarf nach Cyber­security. Mit Discount-Calls lassen sich schon bei kleinen Bewegungen Renditen von mehr als 80 Prozent erzielen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 2. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 37/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Cyberkriminalität bleibt ein akutes Risiko: Mitte August wurde etwa ein Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz entdeckt, zwei Senatsverwaltungen mussten vorsorglich vom Netz genommen werden. Zuvor waren bereits mehrere Tage Daten abgeflossen, Ende August drohte die mutmaßliche Ransomware-Gruppe Rhysida Berlin zudem mit deren Veröffentlichung. Ebenfalls im August drangen ­Hacker in die Systeme der Manchester Airports Group ein und stahlen Daten von Reisenden, die sich in den WLAN-Netzen der Flughäfen Manchester, Stansted und East Midlands registriert hatten. Die Fälle zeigen: Cyberangriffe können Kunden­daten offen- sowie Geschäftsabläufe lahmlegen und selbst staatliche Einrichtungen mit hochsensiblen Informationen treffen.

Für Unternehmen wird Cybersicherheit damit zunehmend zur Voraussetzung für stabile Geschäftsabläufe, nicht nur zu einer Frage des Datenschutzes. Die anhaltend hohe Bedrohungslage sorgt seit Jahren für stabile Nachfrage nach Sicherheitslösungen. Die wachsende Verbreitung von KI-Anwendungen dürfte diesen Bedarf zusätzlich verstärken: Je mehr Unternehmen KI einsetzen, desto höher sollte ihre Nachfrage nach Schutzlösungen für Daten, Modelle, Anwendungen und autonome KI-Agenten werden. Nach einem vorübergehenden Einbruch vieler Cybersecurity-Aktien in der zweiten Jahreshälfte 2025 setzte im ersten Halbjahr 2026 eine kräftige Neu­bewertung des gesamten Sektors ein.

Goldman-Sachs-Analysten schätzen den entstehenden zusätzlichen Markt für KI-­Sicherheit auf rund 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2031. Der eigentliche Wachstumsschub dürfte einsetzen, sobald Unternehmen KI-Anwendungen aus abgeschotteten Testumgebungen in den produktiven Betrieb überführen. Eine spürbare Belebung der Budgets erwarten die Analysten ab dem vierten Quartal 2026.  

Chancen für Plattformanbieter 

Gut positioniert, um von diesem Trend zu profitieren, sind vor allem die Plattformanbieter Crowdstrike und Palo Alto Networks. Crowdstrike gilt als Marktführer im Bereich Endpoint Detection and Response und positioniert sich zunehmend als zentrale Sicherheitsplattform. Kern des Geschäfts ist die Cloud-basierte Falcon-Plattform, die im Abonnement vermarktet wird und Endgeräte, Identitäten, Cloud-Umgebungen und Unternehmensdaten schützt. Für die Absicherung von KI-Anwendungen und -Agenten erweitert der amerikanische Konzern diesen Ansatz: Falcon soll vor unkontrollierter Nutzung, Prompt-Injection, Datenabfluss und Manipulation schützen. 

Operativ läuft es gut für Crowdstrike: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar, der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) um 25 Prozent auf 5,84 Milliarden. Angesichts dieser Entwicklung hob der Security-Spezialist seine Umsatzprognose auf 5,991 bis 6,011 Milliarden an. Auch bei der Profitabilität zeigte Crowdstrike Fortschritte: Nach einem Nettoverlust von 70,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal erzielte der Hersteller einen Nettogewinn von 5,3 Millionen Dollar. 

Wer von weiterem Wachstum im Cybersecurity-Markt überproportional profitieren will, kann in Discount-Call-Optionsscheine investieren. Diese bieten hohe Renditen, sollte die Aktie am Bewertungstag auf oder über dem Cap schließen, sind aber deutlich risikoreicher — Anleger können ihren Einsatz bereits bei kleineren Kursbewegungen komplett verlieren. Der ausgewählte Discount-Call hat einen Basispreis von 210 Dollar und ein Cap-Level bei 235 Dollar. Notiert die Crowdstrike-Aktie am Laufzeitende im Dezember bei 235 Dollar oder darüber, winkt der maximale Rückzahlungsbetrag von 2,50 Dollar — eine Rendite von 83 Prozent. Unterhalb des Cap-Levels fällt die Rückzahlung geringer aus. Notiert Crowdstrike zum Verfallszeitpunkt am 18. Dezember sogar unter dem Basispreis von 210 Dollar, verfällt der Discount Call wertlos. Anleger sollten das Verlustrisiko daher mit einem Stopp begrenzen.

Zu den besonders breit aufgestellten ­Cybersecurity-Anbietern zählt auch Palo Alto Networks. Der amerikanische Konzern will einzelne Sicherheitswerkzeuge durch einen umfassenden Ansatz ersetzen und bündelt Netzwerk-, Cloud-, Identitäts- und Security-Operations in integrierten Plattformen. Diese Infrastruktur baut Palo Alto nun für das Zeitalter autonomer KI weiter aus. Im Zentrum der KI-Strategie steht Prisma AIRS, eine Plattform, die ­KI-Anwendungen und Agenten überwacht, Schwachstellen prüft, Laufzeitrisiken ­reduziert und vor Prompt-Injection, Datenabfluss und Manipulation schützen soll.  

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar, der ARR der Next-Generation-Security-Sparte um 60 Prozent auf 8,1 Milliarden. Für das vierte Quartal, dessen Ergebnisse bei Redaktionsschluss nicht vorlagen, ­erwarteten Analysten ähnliches Wachstum. 

Fazit

Die Nachfrage nach Cybersecurity steigt, die zunehmende Verbreitung von KI-Anwendungen dürfte dem Markt zusätzlichen Schub verleihen. Breit aufgestellte Anbieter wie Crowdstrike und Palo Alto sind gut positioniert, um davon zu profitieren — allerdings bergen die hohen Bewertungen Rückschlagrisiken, sollten die Ergebnisse hinter den Erwartungen bleiben. Mit Discount Calls profitieren Anleger überproportional von weiterem Wachstum, tragen aber ein höheres Risiko.

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Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Frank Mertgen