Der Softwarekonzern Oracle investiert Milliarden in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. Das Geschäft wächst rasant, doch der freie Cashflow ist tiefrot. Ein Warnsignal?
Die Begeisterung für Künstliche Intelligenz hat eine gigantische Investitionswelle ausgelöst. Cloud-Konzerne bauen Rechenzentren, kaufen Chips und sichern sich Strom- und Netzwerkkapazitäten. Oracle ist dabei zu einem besonders aufschlussreichen Testfall geworden.
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Oracle: Tiefroter Cashflow wegen KI-Investitionen
Der Konzern will im Geschäftsjahr 2027 rund 70 Milliarden US-Dollar netto in Sachanlagen investieren. Gleichzeitig plant Oracle, etwa 40 Milliarden US-Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Das zeigt die Größenordnung des Vorhabens – und die wachsende Abhängigkeit von den Kapitalmärkten.
Schon im Geschäftsjahr 2026 lagen die Investitionen bei rund 55,7 Milliarden US-Dollar. Dem stand ein operativer Cashflow von ungefähr 32 Milliarden US-Dollar gegenüber. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf rund minus 23,7 Milliarden US-Dollar. Für Anleger ist das eine unbequeme Konstellation: Das Unternehmen wächst – aber der Ausbau der Kapazitäten kostet zunächst mehr Geld, als das Geschäft einspielt.
Tipp: Wer gerne in den Hype einsteigen möchte, sollte sich den "Künstliche Intelligenz"-Index von BÖRSE ONLINE genauer anschauen.
Die Nachfrage ist da - aber ist sie nachhaltig?
Das Gute ist: Das Cloud-Infrastrukturgeschäft wächst stark, und Kunden sichern sich langfristig Rechenkapazitäten. Teilweise zahlen sie im Voraus oder bringen eigene Hardware mit. Solche Vereinbarungen können Oracles Finanzierungslast verringern und sorgen für eine hohe Planungssicherheit.
Doch Aufträge und Vorauszahlungen sind nicht dasselbe wie dauerhaft hohe Renditen. Noch ist unklar, ob die Kunden mit den erworbenen KI-Kapazitäten selbst genügend Umsatz und Produktivitätsgewinne erzielen, um die hohen Preise zu rechtfertigen. Nur dann bleibt die Nachfrage nachhaltig.
Das ist das Risiko. Ein Teil des KI-Geschäfts wird derzeit durch langfristige Verpflichtungen, Vorauszahlungen und neue Schulden finanziert. Das kann den Boom verlängern – es erhöht aber auch die Fallhöhe, falls sich die erwarteten Erträge verzögern.
Oracle ist der empfindlichste Frühindikator
Oracle eignet sich als Warnsignal besonders gut, weil der Konzern eine kleinere Cashflow-Basis besitzt als die größten Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet, Amazon oder Meta. Diese Unternehmen können ihre Investitionen weit stärker aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Oracle muss dagegen schneller auf Schulden, Eigenkapital und alternative Finanzierungsmodelle zurückgreifen.
Analysen zum KI-Infrastrukturmarkt zeigen, dass aber auch die Investitionen der großen Hyperscaler schneller wachsen als ihre Cashflows. Für die fünf großen Anbieter wird erwartet, dass die Kapitalausgaben spätestens 2027 den gemeinsam erwirtschafteten freien Cashflow übersteigen könnten.
Noch kein Platzen der Blase - aber wichtiger Frühindikator
Trotz der roten Cashflow-Zahlen wäre es aber zu früh, von einem Ende des KI-Booms zu sprechen. Erstens wächst die Nachfrage nach Cloud- und KI-Leistungen weiterhin. Zweitens verfügen die großen Technologiekonzerne grundsätzlich über starke Bilanzen und Zugang zu den Kapitalmärkten. Drittens sind viele Investitionen langfristig angelegt und sollen über Jahre Erträge erwirtschaften.
Oracle könnte daher eher den Übergang von der Euphorie in die Bewährungsphase zeigen. In der ersten Phase war entscheidend, möglichst schnell Kapazitäten aufzubauen. Jetzt müssen die Anbieter beweisen, dass diese Kapazitäten profitabel ausgelastet werden können.
Anleger sollten sich jetzt fragen: Wer verdient an diesem Markt genug, um die dafür nötigen Investitionen selbst zu finanzieren? Oracles Aktie ist dabei ein erstes Warnsignal für eine mögliche Überhitzung und zugleich ein wichtiger Frühindikator dafür, ob aus dem KI-Investitionsboom ein dauerhaft profitables Geschäft wird.
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Häufige Fragen
Ist Oracle ein Warnsignal für das Ende des KI-Booms?
Oracle ist vor allem ein Warnsignal für die Finanzierung und Rentabilität des KI-Booms. Der Konzern investiert massiv in Rechenzentren, während der freie Cashflow deutlich negativ ist. Das beweist noch keinen Nachfrageeinbruch, zeigt aber, dass die erwarteten Renditen der KI-Investitionen noch nicht gesichert sind.
Warum investiert Oracle trotz eines negativen freien Cashflows weiter in KI?
Oracle will seine Cloud-Infrastruktur ausbauen und von der starken Nachfrage nach Rechenleistung profitieren. Der Konzern setzt dabei auf langfristige Kundenverträge, Vorauszahlungen sowie Fremd- und Eigenkapital. Die Strategie kann sich auszahlen, erhöht aber das Risiko, falls die Umsätze oder Margen hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Woran erkennen Anleger, ob der KI-Boom tatsächlich nachlässt?
Wichtige Signale sind sinkende Investitionspläne der großen Cloud-Konzerne, langsameres Wachstum bei KI-Umsätzen, eine geringere Auslastung von Rechenzentren und stornierte Kapazitätsverträge. Auch steigende Finanzierungskosten und dauerhaft negative freie Cashflows bei mehreren Anbietern würden auf eine breitere Abkühlung hindeuten.
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