Künstliche Intelligenz und Gold scheinen auf den ersten Blick wenig gemein zu haben. Eine am 14. August 2026 veröffentlichte Analyse von Myrmikan Research stellt jedoch einen Zusammenhang her: Ein schuldenfinanzierter KI-Boom könnte eine neue Welle geldpolitischer Rettungsmaßnahmen auslösen – und damit Gold begünstigen.

Unter dem Titel „Ein Kollaps bei den KI-Krediten wird eine neue Welle von Fed-Rettungsaktionen nach sich ziehen“ zeichnet das Researchhaus ein kritisches Szenario. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass die US-Notenbank in vergangenen Finanzkrisen wiederholt mit Zinssenkungen, Liquidität und außergewöhnlichen Maßnahmen eingegriffen hat.

Hohe Investitionen, unsichere Erträge

Im Zentrum steht die Frage, ob die enormen KI-Investitionen tatsächlich die erwarteten Produktivitätssteigerungen bringen. Myrmikan zieht Parallelen zur Computerrevolution (1980 bis 1997), bei der prognostizierte Produktivitätssprünge sich zunächst deutlich schwächer als erwartet zeigten.

Ähnliche Risiken sieht das Researchhaus bei KI: Der Nutzen könnte groß sein, ohne dass daraus automatisch entsprechend hohe wirtschaftliche Erträge entstehen. Besonders KI-Agenten benötigen enorme, teils schwer kalkulierbare Rechenkapazitäten bei nicht immer zuverlässigen Ergebnissen. Zudem verweist Myrmikan auf Untersuchungen, wonach viele Unternehmen bislang kaum messbare Renditen auf ihre generativen KI-Investitionen erzielen.

Trotzdem fließt weiter viel Kapital in den Infrastrukturausbau. Kritisch sieht Myrmikan vor allem die hohen Bewertungen von KI-Unternehmen sowie die gewaltigen Investitionen der großen Cloudanbieter. Da die laufenden Cashflows Investitionen, Ausschüttungen und Aktienrückkäufe teils nicht mehr decken, gewinnt Fremdkapital an Bedeutung.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Warum KI-Schulden zum Systemrisiko werden könnten

Hier sieht Myrmikan die Verbindung zwischen KI, Geldpolitik und Gold: Ein Einbruch überhöhter Aktienbewertungen allein müsste noch keine Finanzkrise auslösen – gefährlicher wäre ein gleichzeitiger Ausfall hoher Schulden.

Das Volumen KI-bezogener Schulden beziffert die Analyse unter Berufung auf Bloomberg auf 1,2 Billionen Dollar, rund 15 Prozent des Investment-Grade-Marktes. Hinzu kommen etwa zwei Billionen Dollar außerbilanzielle Verpflichtungen großer Technologiekonzerne. Über Private-Credit-Strukturen landet ein Teil der Risiken zudem bei institutionellen Investoren, insbesondere Versicherungen. Die KI-Investitionen entsprechen mittlerweile 2,4 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts.

Myrmikan hält es für möglich, dass Überkapazitäten bei Rechenzentren und Chips Preise und Erträge unter Druck setzen. Betreiber hochspezialisierter Rechenzentren könnten dann Schwierigkeiten bekommen, ihre Schulden zu bedienen. Große Cloudkonzerne dürften zwar weiterbestehen, müssten aber möglicherweise Bewertungen anpassen und Abschreibungen verkraften.

Könnte ein Platzen der KI-Blase Gold antreiben?

Für Goldanleger ist die Schlussfolgerung entscheidend: Bei einer schweren KI-bedingten Kreditkrise müsste die Fed erneut eingreifen – mit Zinssenkungen und außergewöhnlichen Liquiditätsmaßnahmen. Bei größeren Problemen von Versicherungen hält Myrmikan sogar staatliche Rettungsmaßnahmen für denkbar, finanziert durch die Notenbank.

Damit könnte ausgerechnet der KI-Boom langfristig zum Goldtreiber werden. Entscheidend wäre dabei weniger das Platzen einer möglichen Spekulationsblase selbst als die geldpolitische Reaktion darauf: Eine starke Liquiditätsausweitung könnte das Vertrauen in die Kaufkraft des Dollars belasten und die Nachfrage nach Gold als nicht beliebig vermehrbarem Vermögenswert steigern.

Fazit: Der Myrmikan-Kommentar stellt zweifellos ein zugespitztes Szenario dar. KI könnte bspw. größere Produktivitätsfortschritte bringen als von Myrmikan erwartet, und eine Korrektur müsste nicht zwangsläufig eine Finanzkrise auslösen. Sollte sich die Kette aus Überinvestitionen, hoher Verschuldung, Kreditausfällen und geldpolitischen Rettungsmaßnahmen jedoch tatsächlich entwickeln, wäre Gold höchstwahrscheinlich ein relativ sicherer Hafen – zumal die mögliche KI-Krise nur eines von mehreren derzeit angeführten Gold-Argumenten ist.

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