Immer wieder wetten Anleger wie Michael Burry gegen den KI-Boom. Das führt wahrscheinlich zum nächsten Aufwärtsschub.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 23. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 40/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die jüngste Aufwärtsbewegung bei den Technologieaktien, ablesbar am deutlichen Anstieg des Nasdaq Composite, war in den Sentimentindikatoren ziemlich deutlich ablesbar. Vor allem die extrem starke Positionierung der Hedgefonds im Nasdaq-Future deutet da­rauf hin. Ja, es gibt natürlich übergeordnet schon eine große Euphorie für Aktien, die irgendwann auch eine längere Korrektur nach sich ziehen wird, doch die kurzfristige Stimmung war zuletzt eher negativ. 

Sorgen um den KI-Boom

Drei Themen dominierten. Das erste war ein saisonales. Der September stand vor der Tür, der bekanntermaßen der statistisch schlechteste Börsenmonat ist. Die Angst war auch wegen weiterer Belastungsfaktoren groß. Denn dazu kamen die aufgrund der gestiegenen Energiepreise steigenden Inflationsraten, die dazu führten, dass die Zinsen am langen Ende deutlich stiegen. Die der zehnjährigen US-Staatsanleihen kletterten auf über fünf Prozent. Je höher die Zinsen sind, desto geringer die Risikoprämie für Aktien. 

Außerdem kamen Zweifel am KI-Boom auf. Da der Ausbau der Rechenzentren stark auf Kredit finanziert wird, spielen die gestiegenen Zinsen dort ebenfalls eine Rolle. Und da auch die Chippreise immer weiter in die Höhe schnellen, drängte sich abermals die Frage auf, ob sich die Milliardeninvestitionen überhaupt monetarisieren lassen. Zusätzlich begann eine von den Chefs der KI-Unternehmen ausgelöste Sicherheitsdiskussion. 

Ganz sicher sind, mal abgesehen vom September, der bald hinter uns liegt, die gestiegenen Zinsen und die Unsicherheit in Bezug auf die erwartbaren Einnahmen aus den Rechenzentren relevant. Es zeigte sich aber schon vor rund einer Woche, dass die Kurse kaum zurückgingen. Und es gibt das alte Börsenbonmot: Wenn Aktienkurse auf schlechte Nachrichten nicht mehr reagieren, ist der Markt überverkauft. Und so war klar, dass die Kurse absehbar heftig nach oben drehen würden. 

Neue Rekordkurse wahrscheinlich

Neue Rekordkurse an der Nasdaq sind damit wahrscheinlich. Das ist auch deshalb logisch, weil es einige Zweifel gibt am Basisszenario der KI-Investitionen und dem, was damit verdient werden soll, die Bewertungen diese Zweifel aber schon miteinschließen. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis von Nvidia liegt gerade mal bei 16. Vergleicht man den KI-Boom mit dem Internet-Boom vor gut 25 Jahren, wo es durchaus Parallelen gibt, dann erkennt man dort aber auch den Unterschied. Die damalige Nvidia war Cisco Systems, die die Netzwerke baute, die zum Aufbau des Internets notwendig waren. Die Euphorie war groß, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Cisco lag damals bei 70. Da mussten die optimistischen Szenarien aufgehen, um überhaupt diese Bewertung noch zu rechtfertigen. Aktuell ist es so, dass die Gewinne der Unternehmen des MSCI World All Country Index schneller steigen als der Index. Für den Fall, dass die offiziellen Gewinnprognosen weiter stimmen — und bisher werden diese ja sogar überboten —, sind die Tech-Aktien eigentlich viel zu billig.

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