Eine die von den beiden Briten Nick Prest und Andrew Thomis gegründete Holding für kleine Spezialisten in der Rüstungstechnologie bietet langfristig orientierten und risikofreudigen Anleger eine willkommene Alternative zu den Großen der Branche.
Es kam oft nicht auf die Legion an. Für die Römer waren die kleineren Kohorten einer Legion die wichtigsten taktischen Einheiten. Gut möglich, dass sich Nick Prest und Andrew Thomis daran erinnert haben, als sie ihren Firmen-Verbund Cohort im Januar 2006 gründeten und damit schon im März des gleichen Jahres an der Londoner Börse im Wachstumssegment AIM gestartet sind. Zuvor arbeiteten Prest mit einen guten Draht zum britischen Verteidigungsministerium und bis heute Cohorts Aufsichtsratsvorsitzender und Thomis, seit 2009 Cohorts CEO, bei Alvis.
Royal-Army-Mann führte Cohrt an die Börse
Als der britische Hersteller von schweren und gepanzerten Fahrzeugen 2004 vom Rüstungskonzern BAE Systems übernommen wurde, war das für die beiden das Signal ihre „Kohorte“ zu gründen. Um schon zwei Monate später an die Börse zu starten, wurde Stanley Carter, ein Ex-Militär der Royal Army und seine Firma SCS, Dienstleister für technische Beratung im Verteidigungs- und Sicherheitssektor, an Bord geholt. Wenige Monate nach dem IPO kam im August mit der Beraterfirma MASS Consultants Expertise in elektronischer Kampfführung, sicheren Informationssystemen, Software, Ausbildung und Training in die Holding. Ein Jahr später holte Cohort mit SEA einen Entwickler von Produkten zur elektronischen Überwachung mit Erfahrung in Systemtechnik und Fähigkeiten in Optik, Radar und Sonar in den Verbund.
Gegenentwurf zu den Konsolidierern
Inzwischen haben die Briten mit aktuell sieben Firmen, auch jeweils eine aus Portugal und Deutschland, ein Spektrum von Spezialisten, um Systeme und Produkte anzubieten, die bei Cohort auch gemeinsam entwickelt werden. Das Konzept ist eine Holding mit zunehmend mehr Firmen, die unabhängig bleiben sollen und in ihren Bereichen stark spezialisiert sind. Den für das Wachstum notwendigen guten Zugang zu den Ressourcen am Kapitalmarkt liefert die Holding.
Für seine Aktionäre und Investoren ist Cohort damit ein mutiger Gegenentwurf zu den Großen im Geschäft wie BAE Systems, Rheinmetall oder Leonardo, den Konsolidierern.
Seit Anfang 2024 hat sich Cohorts Aktienkurs, trotz der großen Schwankungen, die Anleger unbedingt im Hinterkopf behalten sollten, mehr als verdoppelt. Auch die Briten profitieren also deutlich von der Erhöhung der Verteidigungsbudgets der europäischen NATO-Mitgliedsländer.
Mit dem wachsenden Spektrum der Spezialisten in der Holding, dessen Kompetenzen sich ergänzen, kann Cohort als Verbund in den verschiedenen Nischen, wo die Konsolidierer im Vergleich langsamer sind, mehr und größere Projekte stemmen. Das erhöht die Sichtbarkeit im Geschäft.
Abwehrsystem für die Marine
So wurde Ancilia, das trainierbare Täuschkörperwerfer-System für Schiffe, von den Cohort-Firmen Sea und Chess Dynamics gemeinsam entwickelt. Es soll Schiffe mit Täuschkörpern vor anfliegenden Raketen, Torpedos oder radar- und infrarotgelenkten Antischiffswaffen schützen. Das System wendet sich selbst der Bedrohung zu. Die Schiffe müssen deshalb nicht mehr manövrieren, wie das bei den bisherigen fest installierten Werfern der Fall ist. So bleibt mehr Zeit, um Angriffe abzuwehren. Cohorts Chess Dynamics liefert die Technologie, mit der Ancilia beim Zielen und Abwehren die Bewegungen des Schiffes ausgleicht. Der im März 2024 von der Royal Navy vergebene Vertrag im Wert von rund 157 Millionen Euro für Sea und mehr als sieben Millionen für Chess Dynamics hat laut Cohort bis 2034 positive Auswirkungen auf den Auftragsbestand. Zum Endes des Geschäftsjahrs im April lag der Orderbestand bei umgerechnet 721 Millionen, etwas mehr als das Doppelte von gut 357 Millionen Euro Umsatz. Die Auslieferungen reichen laut Cohort bis 2037.
Mit umgerechnet 42,4 Millionen Euro operativem Gewinn (Ebitda) im Geschäftsjahr bis April 2026, knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr, zog die Marge von zuvor 10,2 auf 11,8 Prozent an. Für 2028 trauen Analysten den Briten eine Vervierfachung des Ebitda auf umgerechnet 66,5 Millionen Euro zu. Die Marge soll weiter zulegen — in Richtung 14 Prozent.
Gefragte Alternative zu US-Systemen
Kommunikations- und Aufklärungssysteme mit vier Firmen, darunter auch EID aus Portugal, wo Cohort seit 2016 Mehrheitsaktionär ist, liefern rund 52 Prozent der Erlöse. Komponenten für Signalerfassungstechnik wie Sonar und Radar und die damit gebauten Systeme liefern drei Firmen, neben Sea und Chess Dynamics auch Elac Sonar aus Kiel, Spezialist für U-Boot-Technik. Sie stehen zusammen für 48 Prozent des Umsatzes. Produkte sind mit 79 Prozent der Erlöse dominierend im Vergleich zu Service und Dienstleistungen. Marine-Equipment liegt mit 65 Prozent klar vor Ausrüstung für Einsätze an Land, knapp einem Fünftel des Geschäfts. Dass Großbritannien und Portugal mit mehr als 50 und 13 Prozent am meisten bestellen, überrascht nicht. Mit Europas Emanzipierung vom Partner USA und einer wachsenden Anzahl von Spezialisten in der Holding sollte sich das Profil weiter verbreitern.
Fazit
Für Anleger, die Kursrücksetzer als Kaufchance nutzen, hat sich Cohort als Investment bewährt. Mit weiteren Zukäufen von Spezialisten steigt die Kompetenz und das Potenzial des Verbunds, sich in Nischen gegen Große durchzusetzen.
Dieser Text stammt aus der BÖRSE-ONLINE-Ausgabe 34/2026. Wenn Sie auch das Kurziel und den Stoppkurs für die Cohort-Aktie erfahren möchten, können Sie das Heft hier als E-Paper kaufen.