Nach Jahren des Glanzes stehen viele Luxusaktien plötzlich im Schatten und notieren weit unter ihrem früheren Niveau. Doch jetzt sieht Morningstar eine gute Einstiegsmöglichkeit.
Luxusaktien haben 2026 bislang deutlich schlechter abgeschnitten als der europäische Gesamtmarkt. Der von Morningstar beobachtete Global Luxury Goods Index verlor seit Jahresbeginn 11 Prozent und liegt rund 7 Prozent unter der Fair-Value-Schätzung der Analysten. Morningstar sieht deshalb bei fünf Titeln jetzt eine gute Einstiegsgelegenheit.
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Luxusaktien stehen unter Druck
Die Erholung verläuft regional unterschiedlich. Während die starke Entwicklung an den US-Aktienmärkten aufgrund des KI-Booms den Konsum wohlhabender Verbraucher stützt, bleibt die Nachfrage in China weiterhin verhalten. Gleichzeitig belasten hohe Marketing- und Filialkosten die Margen.
„Es bietet sich die Gelegenheit, Positionen in qualitativ hochwertigen, günstig gehandelten Aktien aufzubauen“, sagt Jelena Sokolova, Senior Analystin bei Morningstar. Anleger müssten jedoch Geduld mitbringen, „da der Markt Zeit benötigt, um die zyklische Erholung des Sektors in seine Bewertungen einzupreisen“.
Übrigens: Obwohl Luxusaktien in den vergangenen Monaten Kursrücksetzer hinnehmen mussten, bieten viele von ihnen ein solides Geschäftsmodell, mit dem sie vorraussichtlich auch in einigen Jahrzehnten noch erfolgreich am Markt bestehen können. Im Aktien für die Ewigkeit Index von BÖRSE ONLINE finden Sie weitere solcher Titel.
Diese fünf Aktien handeln unter ihrem Wert
Für die Analysten von Morningstar bietet der Luxussektor langfristige Gewinnpotenziale. Anhand des fairen Wertes haben die Experten daher fünf Aktien ausgemacht, die jetzt besonders günstig erscheinen.
Capri Holdings
Capri Holdings steht mit Marken wie Michael Kors und Jimmy Choo vor einem Neustart. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 36 Prozent verloren. Mit einem Abschlag von rund 66 Prozent auf Morningstars fairen Wert von 45,50 US-Dollar (39,88 Euro) ist der Titel nach Meinung der Experten deutlich unterbewertet.
Laut Morningstar hat Capri Holdings seine Verschuldung deutlich reduziert und den Aktienrückkauf wieder aufgenommen. „Strategische Priorität hat die Stabilisierung von Umsatz und Margen bei Michael Kors“, sagt Morningstar-Analyst David Swartz.
Kering
Die Kering-Aktie liegt rund 21 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau und handelt demnach mit einem Discount von fast 25 Prozent unter dem fairen Wert von 313 Euro. Der Luxuskonzern kämpft vor allem mit der schwachen Entwicklung seiner wichtigsten Marke Gucci. Zudem belastet die notwendige Neupositionierung den Gewinn.
Morningstar-Analystin Jelena Sokolova sieht dennoch langfristige Chancen: Gucci könne „seine Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf Preis und Attraktivität wiedererlangen“. Dafür sprechen aus ihrer Sicht die hohe Markenbekanntheit, die Marketingressourcen und die Kontrolle über das Vertriebsnetz.
Prada
Prada notiert etwa 26 Prozent unter dem Morningstar-Fair-Value von 53 Hongkong-Dollar (5,92 Euro). Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits über 13 Prozent verloren, konnte im vergangenen Monat jedoch um rund sechs Prozent zulegen. Zuletzt zeigte Prada eine bessere Entwicklung als viele Konkurrenten.
„Die Prada-Aktie wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp über 10 gehandelt“, sagt Sokolova in ihrer Einschätzung. Die Skepsis des Marktes gegenüber der Übernahme von Versace hält Morningstar für nachvollziehbar. Die damit verbundenen Risiken hat das Analysehaus jedoch bereits weitgehend in den Prognosen und im Aktienkurs berücksichtigt.
Burberry
Burberry verzeichnete seit Jahresbeginn einen Kursverlust von mehr als 19 Prozent. Der Kurs liegt daher rund 24 Prozent unter der Fair-Value-Schätzung von 1.370 Pence (16,02 Euro).
Morningstar sieht einen strategischen Kurswechsel positiv. Burberry legt den Schwerpunkt wieder stärker auf Trenchcoats, Oberbekleidung und Schals – Kategorien, in denen das Unternehmen traditionell gut positioniert ist. „Die Strategie zeigt erste Anzeichen für einen Erfolg, da die Umsätze wieder wachsen“, sagt Sokolova. Langfristig hält sie ein jährliches Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent sowie zweistellige Margen für möglich.
LVMH
LVMH gehört mit einem Minus von fast 30 Prozent zu den schwächsten Branchenwerten des Jahres. Die Aktie handelt mehr als 29 Prozent unter Morningstars fairen Wert von 620 Euro.
Der Konzern verfügt laut Morningstar über starke Marken, Skaleneffekte, Preissetzungsmacht und eine weitreichende Kontrolle über den Vertrieb. Kurzfristig bremsen geopolitische Risiken und die schwache Konjunktur im Luxussegment. Wegen der langfristigen Stärke des Geschäftsmodells „erscheint die Bewertung attraktiv“, so Sokolova.
Was bedeutet das für Anleger?
Morningstar sieht bei allen fünf Aktien nicht nur eine gute Einstiegsmöglichkeit, sondern auch langfristige Chancen. Wer investiert, sollte einen langen Anlagehorizont mitbringen und sich bewusst sein, dass insbesondere bei Capri Holdings die Unsicherheit hoch bleibt.
Während der Luxussektor seit Jahresbeginn nachgab, ist es vor allem der KI-Boom, der die Börsen antreibt. Im Aktienreport "Nvidias geheime Aktien-Wetten" finden Anleger vier Profiteure des Megatrends, die viele Anleger übersehen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Luxusaktien jetzt ein Kauf?
Luxusaktien sind nach den Kursrückgängen günstiger bewertet als noch vor einigen Jahren. Ein niedriger Aktienkurs allein ist jedoch kein ausreichender Kaufgrund, weil eine schwache Nachfrage oder eine misslungene Markenstrategie die Erholung weiter verzögern kann.
Warum schwächeln Luxusaktien in China?
Die Nachfrage chinesischer Verbraucher bleibt unter anderem wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit und der schwachen Entwicklung des Immobilienmarktes hinter den Erwartungen zurück. Für Luxuskonzerne ist China besonders wichtig, weil chinesische Kunden einen großen Teil ihrer Luxusausgaben im Ausland tätigen.
Welche Luxusaktien haben langfristig die besten Chancen?
Morningstar sieht insbesondere bei Unternehmen mit starken Marken, hoher Preissetzungsmacht und eigenen Vertriebsnetzen langfristige Wettbewerbsvorteile. LVMH, Kering, Prada, Burberry und Capri unterscheiden sich jedoch deutlich bei Bewertung, Verschuldung, Markenstärke und Turnaround-Risiko.
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