Donald Trump nennt diese Branche eine „große Sache“. Sie ist längst geopolitischer Spielball zwischen den USA und China. Die Nachfrage boomt, doch eine Aktie liegt auf Jahressicht 63 Prozent im Minus. Aufholpotential?

Im Kampf um die geopolitische Vormachtstellung zwischen den USA und China geht es längst nicht mehr nur um KI und Technologie, sondern auch um Rohstoffe. Neben Öl zählen dazu auch die sogenannten Seltenen Erden, die selbst Donald Trump als „große Sache in diesem Land“ beschreibt. Seltene Erden sind für viele Branchen unverzichtbar: vom Smartphone über Robotik bis hin zu Halbleitern. Das dürfte den Bedarf in den kommenden Jahren stark ansteigen lassen. Eine Aktie, die davon besonders profitieren könnte, ist USA Rare Earth (USAR).

Was sind Seltene Erden und warum sind sie so wichtig?

Das Wichtigste zuerst: Seltene Erden sind weder selten, noch handelt es sich dabei um Erde. Es handelt sich um eine Gruppe von 17 Metallen, die besondere physikalische und chemische Eigenschaften besitzen, beispielsweise ein starkes und dauerhaftes Magnetfeld. Das macht sie für viele moderne Technologien besonders wertvoll, etwa für Elektromotoren, Robotik, Drohnen, Windkraft, Militärtechnik, Halbleiter und Luftfahrt.

Die meisten Seltenen Erden kommen sogar relativ häufig in der Erdkruste vor, allerdings in sehr geringen Konzentrationen. Zudem ähneln sich viele Seltene Erden stark. Die geringen Konzentrationen und die hohe Ähnlichkeit machen daher aufwendige chemische Verfahren notwendig, um sie voneinander zu trennen.

In den vergangenen Jahrzehnten hielten es viele westliche Staaten weder für notwendig noch für wirtschaftlich sinnvoll, sich selbst um die Förderung und Verarbeitung dieser Seltenen Erden zu kümmern. Stattdessen bezog man den Großteil aus China. Das führte dazu, dass China derzeit mehr als 60 Prozent der Förderung und über 90 Prozent der Verarbeitung von Seltenen Erden kontrolliert und in diesem Bereich technologisch führend ist. Im Zuge der Handelskonflikte zwischen den USA und China erkannten die westlichen Staaten in den vergangenen Jahren jedoch die strategische Bedeutung der Seltenen Erden und wollen ihre Abhängigkeit von China reduzieren. Genau davon profitiert USA Rare Earth.

Die strategische Bedeutung von USA Rare Earth

Im September 2026 schloss USA Rare Earth die Übernahme des Schweizer Bergbauunternehmens Serra Verde Group für rund 2,8 Milliarden US-Dollar ab. Das Unternehmen betreibt seit 2024 die Pela-Ema-Mine in Brasilien, wo vor allem schwere Seltene Erden abgebaut werden, darunter Neodym, Praseodym, Dysprosium, Terbium und Yttrium. 2026 soll die Produktion annualisiert bei rund 4.000 Tonnen liegen, ein Jahr später bereits bei 6.400 Tonnen.

2028 soll zudem die Produktion in der Round Top Mountain Mine im US-Bundesstaat Texas anlaufen. Dafür erhielt das Unternehmen von der Regierung Fördermittel in Höhe von 277 Millionen Dollar, was die strategische Bedeutung für die USA nochmals unterstreicht. Das Produktionsziel für diese Mine liegt bei 10.000 Tonnen pro Jahr.

USAR ist nach eigenen Angaben der einzige große Produzent außerhalb Asiens, der alle vier wichtigsten magnetischen Seltenen Erden – Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium – aus einer einzigen Mine liefern kann. Allein die Serra-Verde-Mine in Brasilien soll 2027 mehr als 50 Prozent des Angebots schwerer Seltener Erden außerhalb Chinas stellen.

Technologischer Fortschritt und geopolitische Unsicherheit als Wachstumstreiber

Laut der Internationalen Energieagentur soll die weltweite Nachfrage nach Seltenen Erden bis 2030 um ein Drittel steigen. Wichtigster Treiber ist der stark steigende Bedarf in den Bereichen Halbleiter, Robotik, Luftfahrt, Medizin und Verteidigung.

Doch noch wichtiger als das weltweite Nachfragewachstum dürfte der geopolitische Aspekt werden. Die westliche Welt möchte ihre Abhängigkeit von China reduzieren, weshalb die Nachfrage nach nicht-chinesischen Seltenen Erden deutlich schneller wachsen dürfte als der Gesamtmarkt.

Diese Erwartung spiegelt sich auch in den Unternehmensprognosen wider: USA Rare Earth strebt für 2030 ein EBITDA von 1,8 Milliarden US-Dollar an. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen gerade einmal 5,8 Millionen Dollar Umsatz. 2027 soll der Umsatz laut Analystenschätzungen bereits 713 Millionen US-Dollar betragen und damit 870 Prozent über dem Wert des laufenden Jahres liegen.

Das hohe Wachstum hat jedoch seinen Preis: Im laufenden Jahr hat das Unternehmen bereits mehr als 200 Millionen neue Aktien ausgegeben und die Aktienzahl damit mehr als verdreifacht. Das verwässert die zukünftigen Gewinne für die bisherigen Anteilseigner erheblich, ist aber zur Finanzierung des Wachstums unerlässlich. Allein für die Übernahme von Serra Verde wurden rund 126,8 Millionen neue Aktien ausgegeben.

Was für die Aktie entscheidend wird

Die Produktion der Serra-Verde-Mine soll im vierten Quartal 2026 eine annualisierte Produktionsrate von 4.000 Tonnen pro Jahr erreichen. Zudem hat das Unternehmen einen über 15 Jahre staatlich abgesicherten Abnahmevertrag abgeschlossen, der auch garantierte Mindestpreise enthält:

• Terbium: 2.050 Dollar je kg

• Dysprosium: 575 Dollar je kg

• Neodym: 110 Dollar je kg

• Praseodym: 110 Dollar je kg

Sämtliche Neuigkeiten zum Produktionshochlauf der Serra-Verde-Mine dürften vom Markt sehr genau verfolgt werden und könnten zu erheblichen Kursbewegungen führen.

Zudem tritt am 1. Januar 2027 eine neue Regelung in Kraft, nach der das US-Verteidigungsministerium bei Aufträgen bevorzugt auf westliche Produzenten setzen soll. Es dürfte zwar Ausnahmeregelungen geben, jedoch ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv für USAR.

Darüber hinaus dürften auch Neuigkeiten zu weiteren Aktienemissionen und sonstigen Finanzierungsmaßnahmen für den Kursverlauf von Bedeutung sein.

Fazit: Hochrisikoaktie mit geopolitischem Rückenwind

Die aktuelle Bewertung preist bereits ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum ein. Die entscheidende Frage ist also, ob die Erwartungen angesichts der technologischen und geopolitischen Wachstumstreiber dennoch zu niedrig sind. Aus heutiger Sicht lässt sich diese Frage (noch) nicht beantworten, da die operativen Risiken und Finanzierungsrisiken weiterhin hoch und nur schwer einzuschätzen sind.

Für risikoaffine Anleger könnte USA Rare Earth jedoch eine interessante, aber hochspekulative Wette auf einen technologischen und geopolitischen Megatrend sein. Die Position sollte deshalb nur so groß gewählt werden, dass selbst ein Totalverlust nicht schmerzt.

Die Analysten scheinen jedenfalls optimistisch zu sein: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 35 Dollar und damit rund 190 Prozent über dem aktuellen Kurs von etwa 12 Dollar. Jeff Grampp von Northland Securities setzt sein Kursziel sogar bei 45 Dollar an und sieht damit ein Kurspotenzial von 273 Prozent.


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Häufig gestellte Fragen:

Was sind Seltene Erden?

Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen mit besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften. Sie sind nicht unbedingt selten, kommen aber nur in geringen Konzentrationen vor.

Wofür werden Seltene Erden benötigt?

Seltene Erden werden unter anderem für Elektromotoren, Robotik, Windkraftanlagen, Smartphones, Halbleiter und Militärtechnik benötigt. Besonders wichtig sind sie für leistungsstarke Permanentmagnete.

Was macht USA Rare Earth (USAR) besonders?

USAR verfügt durch die Übernahme von Serra Verde über eine bedeutende Produktionsstätte für Seltene Erden außerhalb Chinas. Das Unternehmen könnte besonders von der zunehmenden Nachfrage nach nicht-chinesischen Rohstoffen profitieren.