Mit einer Lösung zur Absicherung von KI-Agenten adressiert der Security-Spezialist einen neu entstehenden Markt, der hohes Wachstumspotenzial bietet

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 01. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 28/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

KI-Agenten sind dabei, Unternehmen grundlegend zu verändern. Sie erledigen Aufgaben eigenständig, greifen auf Anwendungen zu und verbinden sich mit Datenquellen — kurz gesagt, sie übernehmen Rollen, die bisher Menschen vorbehalten waren. Genau darin liegt ­jedoch auch ein Risiko. Je mehr Agenten im Einsatz sind und je mehr Rechte sie erhalten, desto mehr neue Angriffsflächen bieten sie Cyberkriminellen.

Gartner warnt bereits vor einer unkon­trollierten Ausbreitung solcher Systeme. Nach Einschätzung des Analysehauses wird ein globales Fortune-500-Unternehmen bis 2028 im Schnitt mehr als 150.000 AI-Agenten einsetzen — nach weniger als 15 im Jahr 2025. Nur 13 Prozent der Unternehmen halten sich zugleich für ausreichend auf die neue Lage vorbereitet. Die Folge: Schatten-Agenten, zu weitreichende Zugriffe und ein Governance-Problem, das klassische Sicherheitsmodelle an ihre Grenzen bringt.


Okta for AI Agents 

Der Spezialist für Identity and Access Management, Okta, reagiert auf diese Entwicklung, indem er die Absicherung von KI-Agenten zum neuen Fokusthema macht. Der amerikanische Cyber-Security-Anbieter ist mit seinen Lösungen für Identitäts- und Zugangsmanagement traditionell da­rauf ausgerichtet, Logins abzusichern, Berechtigungen zu steuern und den ­Zugang zu Anwendungen zentral zu kon­trollieren. Nun erweitert Okta dieses Kerngeschäft um eine neue Dimension: die ­sichere Verwaltung von KI-Agenten neben menschlichen Nutzern. 

Flaggschiff ist das neue Produkt Okta for AI Agents. Die erst seit Ende April verfügbare Lösung stellt Unternehmen eine zentrale Kontrollebene zur Verfügung, um KI-Agenten sicher zu managen. Im Kern beantwortet die Software Okta zufolge drei einfache, aber entscheidende Fragen: Wo sind meine Agenten? Womit können sie sich verbinden? Und was dürfen sie tun? An dieser Stelle setzen in der Praxis die Risiken an. Denn ein Agent, der unbemerkt etwa Zugriff auf Geschäftsdaten oder ein Code-Repository erhält, kann im Zweifel mehr Schaden anrichten als ein menschlicher Nutzer. Okta will deshalb bekannte und unbekannte Agenten sichtbar machen, Zugriffe standardisieren und Berechtigungen im Zweifel sofort entziehen.


Neue Identitäten durch KI-Agenten

„KI-Agenten entwickeln sich rasch zu einer neuen Arbeitskraft innerhalb jeder Organisation und schaffen eine Welle von Identitäten, die ebenso wie menschliche Nutzer gesichert und verwaltet werden müssen“, sagt Todd McKinnon, CEO von Okta. Das Unternehmen will sich dabei als neutraler Infrastrukturanbieter positionieren, der nicht nur Einzelzugriffe absichert, sondern eine zentrale Sicherheitsplattform für Menschen, Maschinen und Agenten liefert. 

Mit seinen Ergebnissen im ersten Quartal unterstreicht Okta, dass trotz des neuen KI-Narrativs auch das klassische Geschäft weiter trägt. Der Umsatz wuchs um zwölf Prozent auf 688 Millionen US-Dollar, und damit stärker als erwartet. Mit 673 Millionen Dollar Subscription Revenue entfiel fast der komplette Umsatz auf wiederkehrende Abogebühren. Das zeigt, wie stark das Geschäftsmodell von planbaren Erlösen geprägt ist. Operativ schaffte Okta den Sprung in die schwarzen Zahlen: Nach ­einem Verlust von 47 Millionen Dollar im Vorjahresquartal wies der Konzern nun ein operatives Ergebnis von 39 Millionen Dollar aus. Der Free Cashflow lag bei 238 Millionen Dollar — ein Plus von 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das spricht für eine starke Cash-Generierung. Noch entscheidender: Das RPO (Remaining Performance Obligations), also der bereits ­vertraglich gesicherte, aber noch nicht verbuchte Umsatz, stieg um 21 Prozent auf 4,08 Milliarden Dollar. Das cRPO, die in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Erlöse aus diesem Wert, erhöhte sich um 14 Prozent auf 2,22 Milliarden.  

Für das Gesamtjahr blieb das Management trotz der guten Zahlen mit Hinweis auf das unsichere makroökonomische ­Umfeld vorsichtig. Dennoch wurde die ­Umsatzerwartung zwischen 2,85 und 2,86 Milliarden Dollar bestätigt. Das entspräche einem Plus von neun bis zehn Prozent. Der Markt nahm die Zahlen positiv auf. Die Aktie sprang nach der Veröffentlichung zeitweise um gut 20 Prozent nach oben.

Mit seinen Lösungen für Identity and Access Management muss sich Okta im Markt allerdings nicht nur gegen kleine Spezialisten behaupten, sondern auch ­gegen einige der Schwergewichte der Techbranche. Wichtigster Wettbewerber ist Microsoft mit seiner Identitätsplattform Entra ID. Da viele Unternehmen Microsoft ohnehin im Einsatz haben, kann der Softwareriese Identitätsfunktionen zusammen mit Office, Teams, Windows und seinen Cloud-Lösungen verkaufen. Auch andere Anbieter bauen ihre Position im Sicherheitsmarkt aus. Nach der Übernahme des IAM-Spezialisten CyberArk hat der Netzwerksicherheitsanbieter Palo Alto Networks sein Portfolio ebenfalls um Identitätsmanagement erweitert.

Dazu kommt ein für Okta besonders sensibles Risiko: das Thema Vertrauen. Ein Sicherheitsvorfall im Jahr 2022 im Zusammenhang mit der Hackergruppe LAPSUS$ zeigte, wie empfindlich der Markt auf jede Schwachstelle eines Identitätsanbieters reagiert. Selbst wenn der tatsächliche Schaden am Ende kleiner war als zunächst befürchtet, blieb ein Reputationsschaden zurück. Die Okta-Aktie, für die es seit dem Börsengang im Jahr 2017 stetig nach oben gegangen war, brach in der Folge massiv ein.

Fazit

Auch die Bewertung lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Nach dem kräftigen Kursanstieg seit April handelt Okta, wie viele Security-Spezialisten, mit einem ambitionierten Bewertungsniveau. Trotz eines KGV von über 60 dürfte die Aktie noch Aufwärtspotenzial bieten. Das klassische Identity-Geschäft liefert weiter solides Wachstum und hohe Cashflows, während die Absicherung von KI-Agenten ein neues Zukunftsfeld eröffnet. Entscheidend für die Aktie ist, ob Okta die neue Produktpipeline rasch in Auftragseingänge und später in Umsatz ummünzen kann.

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