Er ist der größte Investor der Welt - und sehr erfolgreich: Der norwegische Staatsfonds verfolgt eine Anlagestrategie, die auch Privatanleger einfach kopieren können.
Einer der erfolgreichsten Großinvestoren der Welt sitzt in Oslo, ist einer demokratischen Kontrolle unterworfen – und hat im vergangenen Jahr 15 Prozent Rendite gemacht. Der norwegische Staatsfonds erzielte 2025 247 Milliarden Dollar Gewinn. 2026 kam im ersten Halbjahr insgesamt eine Rendite von 9,4 Prozent zusammen - obwohl es im ersten Quartal einen Milliardenverlust durch Kursrückgänge bei US-Technologiewerten gab.
Seit Beginn der Investitionsphase 1998 hat der Fonds so im Schnitt 6,6 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Dabei werden die Einnahmen Norwegens aus dem Öl- und Gasgeschäft investiert, um künftige Generationen abzusichern. Verwaltet wird der Fonds von der Norges Bank Investment Management (NBIM), einer Abteilung der norwegischen Zentralbank, die dem Parlament rechenschaftspflichtig ist. Transparenz ist dabei Pflicht: Jede Aktienposition, jede Abstimmung auf Hauptversammlungen, jeder Jahresbericht – alles ist online einsehbar.
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Wie ist der norwegische Staatsfonds aufgebaut?
Der Fonds verwaltet heute ein Vermögen von rund 1,8 Billionen Euro – das entspricht etwa 327.000 Euro pro norwegischem Staatsbürger. Er ist damit nicht nur der größte Staatsfonds der Welt, sondern auch der größte Einzelinvestor auf dem gesamten Globus. Der Aufbau ist dabei recht schlicht gehalten.
Das Portfolio gliedert sich in vier Anlageklassen:
- Aktien (~71 Prozent): Rund 7.200 Unternehmen in 68 Ländern stehen im Portfolio. Der Fonds ist im Schnitt an jedem börsennotierten Unternehmen weltweit mit rund 1,5 Prozent des Aktienkapitals beteiligt. Unter den größten Positionen finden sich Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Nvidia. 2025 stachen laut Fondsmanager Nicolai Tangen vor allem „Aktien aus den Bereichen Technologie, Finanzen und Grundstoffe" hervor – die Aktienquote lieferte ein Plus von 19,3 Prozent.
- Anleihen (~27 Prozent): Staats- und Unternehmensanleihen aus aller Welt dienen als Stabilitätsanker. Allein in US-Staatsanleihen stecken rund 219 Milliarden Dollar – knapp ein Zehntel des Gesamtvermögens. 2025 rentierten die festverzinslichen Papiere mit 5,4 Prozent.
- Immobilien (~2 Prozent): Der Fonds besitzt Anteile an Gewerbeimmobilien in Weltmetropolen – darunter das neue Axel-Springer-Haus in Berlin, Bürogebäude in Paris und New York sowie Logistikzentren in ganz Europa.
- Erneuerbare Energien (~0,4 Prozent): Ein wachsender Bereich: Windparks und Solaranlagen werden als Infrastrukturinvestment gehalten und lieferten 2025 mit 18,1 Prozent die zweitbeste Rendite aller Anlageklassen.
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Das sind die Prinzipien des norwegischen Staatsfonds
Der Fonds folgt keiner geheimen Formel, sondern öffentlich bekannten Prinzipien:
1. Passivität. Der Fonds bildet globale Indizes nach, statt einzelne Wetten zu setzen. Das hält die Kosten niedrig und schlägt langfristig den Großteil aktiver Fondsmanager.
2. Diversifikation. 7.200 Unternehmen, 68 Länder, vier Anlageklassen – das Risiko wird so breit gestreut, dass kein einzelnes Ereignis den Fonds ernsthaft erschüttern kann.
3. Langfristigkeit. Der Fonds funktioniert nicht nach Quartalen, sondern denkt in Generationen. Kurzfristige Turbulenzen – wie der Verlust im ersten Quartal 2026 – werden ausgesessen, nicht panisch beantwortet.
4. Ethik als Filter. Unternehmen, die Streumunition herstellen, bestimmte Schwellenwerte bei Kohleförderung überschreiten oder in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind, werden aus dem Portfolio ausgeschlossen.
So bauen Sie das Portfolio nach
Privatanleger können den norwegischen Staatsfonds nicht direkt kaufen – er ist nicht börsennotiert und für externe Investoren geschlossen. Doch seine Strategie lässt sich mit wenigen ETFs erstaunlich gut nachbilden. Das Grundprinzip: Breite globale Streuung, klare Gewichtung nach Marktkapitalisierung, niedrige Kosten, langer Atem.
Variante 1: Die Zwei-ETF-Lösung (einfach)
- 70 % MSCI World All Country (ACWI) ETF - Globale Aktien (Industrie- & Schwellenländer)
- 30 % Global Aggregate Bond ETF - Anleihen weltweit
Diese Aufteilung bildet das Grundgerüst des Fonds ab.
Variante 2: Die präzisere Lösung
Wer die regionale Gewichtung genauer nachbauen möchte, kann den Aktienteil aufsplitten:
- 50 % MSCI World ETF - Industrieländer (USA, Europa, Japan)
- 20 % MSCI Emerging Markets ETF - Schwellenländer (China, Indien, Brasilien)
- 25 % Global Aggregate Bond ETF - Anleihen weltweit
- 5 % Global Real Estate ETF (REIT) - Immobilien
Variante 3: Für Fortgeschrittene
Wer es noch genauer will, kann den Aktienanteil nach Regionen gewichten: Europa erhält beim norwegischen Staatsfonds traditionell ein leicht erhöhtes Gewicht gegenüber einem reinen Marktkapitalisierungsindex. Ein separater Europa-ETF (z. B. auf den MSCI Europe) kann diese Nuance abbilden.
Was Privatanleger nicht kopieren können
Einige Vorteile des Staatsfonds bleiben Privatanlegern allerdings verwehrt. Der Fonds investiert beispielsweise direkt in Immobilien und Infrastruktur zu institutionellen Konditionen – ohne Aufgeld, ohne Zwischenhändler. Er kann sich als Aktionär mit über 1,5 Prozent Anteil weltweit Gehör verschaffen und Unternehmen zu nachhaltigerem Wirtschaften drängen. Und er hat den vielleicht wichtigsten Vorteil überhaupt: einen garantierten, politisch gesicherten Anlagehorizont von Generationen. Das lässt sich nicht kopieren. Was sich aber kopieren lässt, ist die Strategie dahinter. Und die lautet: breit streuen, günstig investieren, durchhalten.
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Häufige Fragen
Wie viel Rendite erzielt der norwegische Staatsfonds?
Der norwegische Staatsfonds (Government Pension Fund Global) hat im Jahr 2025 eine Rendite von 15,1 Prozent erzielt und dabei einen Gewinn von rund 247 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Seit Beginn der Investitionsphase 1998 liegt die durchschnittliche jährliche Rendite bei 6,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Fonds weitere 9,4 Prozent Rendite.
Wie kann man den norwegischen Staatsfonds als Privatanleger nachbauen?
Als Privatanleger kann man die Strategie des norwegischen Staatsfonds mit wenigen ETFs nachbilden. Die einfachste Variante besteht aus einem globalen Aktien-ETF (z. B. auf den MSCI ACWI) mit einem Anteil von rund 70 Prozent und einem globalen Anleihen-ETF mit rund 30 Prozent. Wer es genauer will, ergänzt einen Immobilien-ETF (REIT) und gewichtet Industrie- und Schwellenländer separat. Entscheidend sind: breite Streuung, niedrige Kosten und ein langer Anlagehorizont.
In was investiert der norwegische Staatsfonds?
Der norwegische Staatsfonds investiert in vier Anlageklassen: Aktien (rund 71 Prozent), Anleihen (rund 27 Prozent), Immobilien (rund 2 Prozent) sowie Infrastruktur für erneuerbare Energien (rund 0,4 Prozent). Im Aktienportfolio hält der Fonds Anteile an rund 7.200 Unternehmen in 68 Ländern – darunter Apple, Microsoft, Alphabet und Nvidia. Alle Positionen sind öffentlich einsehbar auf der Website der Norges Bank Investment Management.