Nach Redcare Pharmacy legte am Mittwoch auch DocMorris Zahlen für das erste Halbjahr vor – und hob die Prognose an. Zunächst sprang die Aktie in die Höhe, fiel dann aber wieder zurück. Unser Vergleich zeigt, welche Aktie derzeit das bessere Chance-Risiko-Profil bietet.
Das Geschäft mit Online-Rezepten und Medikamenten ist wahrlich kein Selbstläufer: Hohe Marketingaufwendungen und Logistikkosten fressen die Umsätze auf. Die Folge: Sowohl Redcare Pharmacy, besser bekannt für seine Marke Shop Apotheke, als auch der Schweizer Konkurrent DocMorris schreiben rote Zahlen.
Die gute Nachricht: Die Verluste schrumpfen derzeit rasant, der Breakeven gerät in Sichtweite.
Keine wichtigen Börsen-Nachrichten mehr verpassen: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App für iOS oder für Android herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.
So lief das erste Halbjahr bei DocMorris
Das gilt vor allem für DocMorris. Die Online-Apotheke, die einst in den Niederlanden begann und mittlerweile in der Schweiz angesiedelt ist, steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 13,4 Prozent auf 599,2 Millionen Franken. Allein das Rezeptgeschäft wuchs um satte 38,3 Prozent. Dadurch verbesserte DocMorris sein bereinigtes EBITDA um 17,9 Millionen Franken. Trotzdem stand am Ende noch ein Verlust von 10,9 Millionen Franken zu Buche.
Doch das soll sich im zweiten Halbjahr ändern: DocMorris erhöhte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr und erwartet nun ein bereinigtes EBITDA zwischen minus 10 und minus 17,5 Millionen Franken. Das bedeutet auch, dass man in der zweiten Jahreshälfte, wie bereits angekündigt, den EBITDA-Breakeven erreichen will.
Die Anleger feierten die Zahlen zunächst vorbörslich mit zweistelligen Kursgewinnen. Nach einem genaueren Blick auf den Halbjahresbericht fiel der Kurs dann aber sogar in negatives Terrain zurück.
So lief das erste Halbjahr bei Redcare Pharmacy
Auch Redcare Pharmacy steigerte den Umsatz und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an. Die Erlöse sprangen im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro, im gesamten ersten Halbjahr summierte sich der Umsatz damit auf rund 1,7 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA wuchs um 63 Prozent auf 29,6 Millionen Euro. Das heißt: Operativ ist Redcare, anders als DocMorris, schon in der Gewinnzone. Unter dem Strich blieb dennoch ein Verlust von 6,9 Millionen Euro. Die neuen Jahresziele bei Redcare lauten: 15 bis 17 Prozent Umsatzwachstum und eine bereinigte EBITDA-Marge von 2,5 bis 3,0 Prozent.
Das sagen die Analysten
Für Redcare bestätigte die Baader Bank nach den Zahlen ihr „Buy“-Votum und ein Kursziel von 85 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs von 63 Euro entspricht das einem Kurspotenzial von 35 Prozent. Analyst Volker Bosse nannte die Resultate stark, weil sich Umsatz- und EBITDA-Wachstum beschleunigt hätten. Damit gehört der Analyst nicht einmal zu den größten Optimisten: Das Konsenskursziel liegt sogar bei 91,29 Euro.
DocMorris wiederum erhielt von der Deutschen Bank ein „Buy“ mit einem Kursziel von 11,50 Franken. Verglichen mit dem aktuellen Kurs von etwa 9,50 Franken bedeutet das ein Kurspotenzial von gut 20 Prozent. Jefferies setzt sein Kursziel bei eben diesen 9,50 Franken, rät aber trotzdem zum Kauf. Jefferies-Experte Martin Comtesse erklärte, DocMorris sei mit den Halbjahreszahlen dem Ziel der Gewinnschwelle „etwas näher gekommen“. Extrem pessimistisch ist dagegen die UBS: Bei ihrem Kursziel von nur 4,00 Franken würde sich der Kurs mehr als halbieren. Das mittlere Kursziel aller beobachtenden Analysten liegt bei 8,83 Franken.
Charttechnik
Charttechnisch gesehen bewegen sich beide Kurse endlich wieder im grünen Bereich: Die DocMorris-Aktie notiert derzeit klar über der 200-Tage-Linie,auch Redcare Pharmacy hat diese Schwelle jüngst genommen. Die nächste Hürde für Redcare verläuft nun bei etwa 73 Euro, weitere Widerstände liegen bei 87,50 Euro. Unterstützungszonen verlaufen bei 60 und 50 Euro.
DocMorris müsste zunächst einmal das Jahreshoch bei 11,25 Franken zurückerobern, das die Aktie Anfang Juli markiert hatte, aber nach der Ausbildung eines Doppel-Tops nicht halten konnte.
Unterstützungen nach unten liegen etwa bei 7,00 bis 7,50 Franken.
Fazit
DocMorris bietet den spekulativeren Turnaround: Starkes Wachstum bei den Rezeptumsätzen, sinkende Verluste und ein möglicher Breakeven im zweiten Halbjahr könnten die Aktie antreiben. Redcare wächst jedoch deutlich schneller, erzielt bereits ein positives bereinigtes EBITDA und verfügt über die größere Kundenbasis. Für Anleger, die das bessere Chance-Risiko-Verhältnis und nicht nur den größten Turnaround-Hebel suchen, ist Redcare Pharmacy deshalb aktuell die überzeugendere Online-Apotheken-Aktie. DocMorris bleibt die riskantere Wette.
Auf noch mehr Turnaround-Kandidaten setzen Sie mit dem "Reversal Index" von BÖRSE ONLINE. Hier mehr erfahren
Häufige Fragen zum Thema
Welche Marken gehören zu Redcare Pharmacy?
Redcare Pharmacy gehören verschiedene bekannte Online-Apotheken-Plattformen, Eigenmarken und digitale Services in ganz Europa. Die Hauptmarke in Deutschland, Österreich und weiteren Ländern ist die "Shop Apotheke", die in Frankreich und Belgien auch "Shop Pharmacie" heißt. Hinzu kommt "nu3", ein Anbieter für funktionale Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel. Mit "Redcare" betreibt das Unternehmen außerdem eien Eigenmarke für Gesundheitsprodukte und "over-the-counter (OTC)"-Sortimente. Digitale Anwendungen und Services für das Medikationsmanagement runden das Portfolio ab.
Welche Marken gehören zu DocMorris?
Zur DocMorris-Gruppe, die früher als "Zur Rose Group" firmierte, gehören verschiedene Marken, Plattformen und Beteiligungen aus den Bereichen E-Commerce, Telemedizin und Gesundheit. Die bekannteste ist die gleichnamige Online-Versandapotheke. Außerdem betreibt DocMorris "TeleClinic", einen deutschen Anbieter für Telemedizin und digitale Videosprechstunden mit Sitz in München. Unter den Namen PromoFarma/DoctiPharma betreibt die Gruppe einen Online-Marktplatz für Gesundheitsprodukte in Südeuropa, der vor allem in in Spanien aktiv ist.
Schreiben beide Online-Apotheken Gewinne?
Nein. Unter dem Strich schreiben sowohl DocMorris als auch Redcare Pharmacy Verluste. Redcare ist allerdings auf Ebitda-Basis posiitv, DocMorris will das im zweiten Halbjahr 2026 erreichen.