Rule Breaker Investing | Investmentratgeber

Manche Aktien können ihren Wert verhundertfachen. David Gardner – Mitgründer von The Motley Fool – weiß, wie man nach ihnen sucht.

David hatte Lachs, soweit ich mich erinnere. Ich hatte auf jeden Fall Steak. Im November 2019 saß ich in einem Hotelrestaurant in der Nähe von Washington, D. C. mit David Gardner an einem Tisch, zusammen mit anderen Mitarbeitern des Börsenmediums The Motley Fool.

Wir unterhielten uns über Spiele (David liebt Spiele – Brettspiele, Videospiele, Gesellschaftsspiele) und über die Aussichten von Hawaiian Airlines, deren Aktien wir gerade empfohlen hatten. David könnte entfernter nicht sein von einem kalten Zahlenmensch. Aber gleichzeitig täuscht der Eindruck.

1993 hat David zusammen mit seinem Bruder Tom Gardner den amerikanischen Börsendienst The Motley Fool gegründet. Es ging dabei immer um großartige Unternehmen, die Anleger langfristig halten können. Die Ergebnisse sind legendär: Der 2002 gestartete Flaggschiff-Börsendienst Stock Advisor hat viermal höhere Renditen als der ohnehin schon starke US-Leitindex S&P 500 gebracht. David und Tom Gardner wählten beide abwechselnd die Aktien für Stock Advisor aus, bis sich David 2021 zurückzog, um seine Arbeitskraft anderen Projekten zu widmen. Seine Bilanz: Über zwei Jahrzehnte erreichten seine Empfehlungen eine durchschnittliche jährliche Rendite von 21 Prozent. Warren Buffett ist eine Legende unter den Investoren – weil er den Wert seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway um 20 Prozent pro Jahr steigern konnte.

„Ich suche nach herausragenden Unternehmen (...) Mittelmaß verkaufe ich.“

David Gardner „Rule Breaker Investing“

Neben Stock Advisor war Davids Herzensprojekt der 2004 gegründete Börsendienst Rule Breakers, der ebenfalls einen erfolgreichen Podcast hervorgebracht hat, und ein Buch, das nun auch in deutscher Sprache erschienen ist. Der Investmentratgeber „Rule Breaker Investing“ erscheint im Börsenbuchverlag und erklärt auf 336 Seiten, wie David Gardner die Gewinner von morgen findet. Rule Breaker handeln nicht nach gängigen Regeln. Sie mischen eine Branche auf, erfinden etwas neu oder punkten mit Innovation – und häufig belohnen sie dabei auch ihre Aktionäre.

Wer nach Rule Breakern sucht, darf nicht zu bescheiden sein. Viele Anleger wünschen sich einen Tenbagger im Portfolio, also eine Aktie, deren Wert sich verzehnfacht. Mit den Rule-Breaker-Prinzipien konnten in der Vergangenheit sogar immer wieder Aktien gefunden werden, die ihren Wert nach einigen Jahren verhundertfacht haben.

Für Gardner muss Investieren Freude machen, weswegen er auch gleich – mit der Hilfe von Rule-Breaker-Lesern– seinen eigenen Börsenbegriff erfunden hat, und zwar den „Spiffy-Pop“. Ein Spiffy-Pop geschieht dann, wenn eine Aktie an einem einzigen Tag mehr steigt, als man ursprünglich dafür gezahlt hat. Wer beispielsweise die Apple-Aktie nach der Finanzkrise für drei Dollar eingesammelt hat, kann sich regelmäßig über Spiffy-Pops freuen. Die Aktie ist heute etwa das 100-Fache wert und steigt regelmäßig um zehn Dollar an nur einem Tag. Aber wie findet man denn jetzt eine Rule-Breaker-Aktie? David Gardner zählt dafür sechs notwendige Gewohnheiten für einen erfolgreichen Rule-Breaker-Investor auf, nennt sechs wichtige Aktienmerkmale sowie sechs Grundsätze für den Portfolioaufbau.

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David Gardner
David Gardner hat 1993 den Börsendienst The Motley Fool gegründet, zusammen mit seinem Bruder.

Nvidia ist ein Rule Breaker

Nach David Gardners Einschätzung ist kaum etwas so wichtig, wie die Gewinner im eigenen Portfolio laufen zu lassen. Deshalb beginnt gleich das erste Kapitel mit dieser Weisheit und macht sie an der Aktienhistorie von Nvidia fest. Seit dem Börsengang im Jahr 1999 ist der Aktienkurs des Halbleiterkonzerns um Hunderttausende Prozent gestiegen. Nachdem David Gardner die Aktie im Jahr 2005 zum ersten Mal empfahl, waren die Kurssteigerungen riesig (siehe Chart).

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Die Aktie des Halbleiterkonzerns Nvidia ist ein echter Rule Breaker, mit innovativen Produkten konnte das Unternehmen wachsen und Aktionäre reich belohnen.

Nvidia ist ein echter Rule Breaker. Gründer und Unternehmenschef Jensen Huang treibt das Unternehmen zu immer neuen Innovationen. In den Anfangsjahren (Nvidia wurde 1993 gegründet) bestand das Geschäft aus Grafikkarten für Videospiele. Die hatten spezielle Anforderungen, die sich im Laufe der Zeit auch für andere Anwendungen als nützlich erwiesen. In den Nullerjahren kamen die Graphics Processing Units (GPUs) dann auch in der Unternehmenswelt an. Die Stärke von GPUs ist ihre parallele Rechenleistung. Die wird nicht nur in Videospielen benötigt, sondern auch bei komplexen mathematischen Berechnungen, wie etwa der Wettervorhersage.

Mit der Einführung des Chatbots ChatGPT begann das nächste Kapitel. Künstliche Intelligenz wurde zum Wachstumsmarkt und für die Entwicklung der neuen Technologie benötigt es Unmengen von Nvidias Halbleitern. Laut Analystenschätzungen dürfte der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr fast 400 Milliarden Dollar betragen, mehr als die Hälfte davon soll als Gewinn hängen bleiben. Solche Rekordwerte erfreuen die Aktionäre: Nvidias Aktie hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verzehnfacht.

Nach genau solchen Aktien sucht David Gardner und wahrscheinlich hat es geholfen, dass er in seiner Freizeit gern Videospiele zockt. In meinem ersten Gespräch mit ihm habe ich Videospieletipps ausgetauscht. Aber was nach einer traumhaften Erfolgsgeschichte klingt, war immer auch ein Test für die Nerven – weswegen David stets auf die lange Frist blickt.

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Der Investmentratgeber betont Geduld, denn auch Top-Aktien fallen manchmal tief. Wie Nvidia 2008.

Ein solcher Test war etwa die Finanzkrise, als Nvidias Aktienkurs um über 80 Prozent fiel (siehe Chart rechts). Ebenfalls schmerzhaft waren Kursrückgänge von etwa 60 Prozent in den Jahren 2018 und 2022. Sogar zu Beginn des vergangenen Jahres brach Nvidias Aktienkurs um ein Drittel ein.

Nvidia ist nur ein Beispiel, aber ihm werden gleich im ersten Kapitel einige Seiten gewidmet. Denn kaum eine andere Aktie zeigt so deutlich, was es heißt, ein Rule Breaker zu sein. Auf den folgenden Seiten erfahren Leser dann noch fünf weitere Grundprinzipien, da-runter die geeignete Mindestanlagedauer und wie groß eine Einstiegsposition sein sollte.

„Lassen Sie Ihr Portfolio Ihre beste Vision Für unsere Zukunft widerspiegeln.“

David Gardner „Rule Breaker Investing“

Die richtigen Aktien finden

Der zweite Teil des Buches wird den sechs Merkmalen einer Rule-Breaker-Aktie gewidmet. Manche davon sind wenig überraschend, wie etwa ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil oder klare Marktführerschaft – auch wenn das Buch immer seinen eigenen Twist einbringt.

Andere Merkmale sind dafür richtig überraschend. Zum Beispiel Aktienmerkmal 6: David setzt gern auf Aktien, die von professionellen Finanzkommentatoren als überbewertet bezeichnet werden. Rule Breaker lassen sich nicht einfach anhand von Zahlen analysieren. Die Chancen stecken in der Zukunft, falls das Unternehmen rasch wächst. Aus heutiger Sicht sehen die Aktien aber zu teuer aus, was viele kommentieren und mit „Hype“ abstempeln.

David gibt dafür ein Beispiel aus der Sportwelt. Im Jahr 1996 zahlte Nike 40 Millionen Dollar für einen Sponsorenvertrag mit Golfsportler Tiger Woods. Der war damals gerade einmal 20 Jahre alt. Es war eine ungeheure Summe, besonders für damalige Verhältnisse. Aber Woods war ein Jahrhundertsportler und Nike dank ihm omnipräsent in der Welt des Golfsports. Exzellenz sieht zuerst oft teuer aus, ist es langfristig aber nicht. Davids Herangehensweise: „Ich suche nach herausragenden Unternehmen, kaufe herausragende Unternehmen – und baue meine Positionen in herausragenden Unternehmen über die Zeit weiter aus. Mittelmaß verkaufe ich. So investiere ich.“

Leser sind nach den ersten zwei Kapiteln schlauer, welche Gewohnheiten sie pflegen können und wie sie Aktien auswählen. Aber wie sieht ein Rule-Breaker-Portfolio wirklich aus?

„Lassen Sie Ihr Portfolio Ihre beste Vision für unsere Zukunft widerspiegeln“ beginnt die erste Lektion, und erklärt, dass Optimismus ein guter Ratgeber ist. Schließlich ging es für Aktien langfristig nach oben (siehe Chart). 

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Langfristig ging es für amerikanische Aktien kräftig nach oben, deshalb ist Rule-Breaker-Autor David Gardner optimistisch.

Der Rest des Buchabschnitts lehrt viel Gewohntes über die Gestaltung eines Portfolios. Zum Beispiel soll auch ein Rule-Breaker-Portfolio den eigenen Risikovorlieben entsprechen. Aber das ist auch eine Stärke des Buches: „Rule Breaker Investing“ beinhaltet oft unkonventionelle Weisheiten, aber sie sind kein Selbstzweck – wo die Standardherangehensweise funktioniert, wird auch sie noch einmal in spaßiger und frischer Sprache erläutert. Häufig werden die Lehren mit persönlichen Geschichten lebendig gemacht.

Fazit

Starkes Buch

Wahre Rule Breaker sind Aktien, die die Welt verändern. Und oft auch das Leben ihrer Aktionäre – weil sie 10-mal oder sogar 100-mal an Wert gewinnen. Das klingt erst mal übertrieben, aber David Gardner hat bewiesen, dass er solche Aktien immer wieder finden kann. Als Investor hat er großartige Renditen vorzuweisen, das macht ihn besonders glaubhaft. „Rule Breaker Investing“ ist ein Buch für Optimisten, die darauf vertrauen, dass die Börse immer wieder besondere Unternehmen hervorbringt. Die langfristigen Renditen des US-Aktienmarkts sind beeindruckend. Aber es braucht Geduld und gute Nerven. Nicht jede Aktie ist ein Erfolg und selbst die besten Rule Breaker erleben schmerzhafte Einbrüche.

Es ist ein paar Jahre her, dass ich Chefredakteur und Analyst von The Motley Fool Deutschland war. Aber ich habe dort viel gelernt, von David sowie von vielen anderen. Mein Portfolio dankt es mir noch heute.

Das Buch ist am 25. Juni erschienen und ab sofort im Handel erhältlich.