Vom Sanierungsfall zum Wachstumswert. Mit der Rückkehr zum klassischen Geschäft ist der Uhrenhersteller bei Anlegern wieder angesagt
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 23. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 40/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Vergangenes Jahr steckte der amerikanische Uhrenhersteller Fossil noch in einer kritischen finanziellen Lage. Die Umsätze brachen ein und der Konzern verbuchte Verluste. Die Aktie rauschte zeitweise auf 0,75 Euro nach unten. Inzwischen ist das Papier wieder auf knapp fünf Euro geklettert. Analysten sehen sogar Potenzial bis 7,85 Euro.
Grundlage der jüngsten Erholung war die umfangreiche Schuldenrestrukturierung Ende vergangenen Jahres. Der Umtausch einer Anleihe in eine längere Laufzeit verschafft dem Uhrenhersteller nun eine Atempause. Inzwischen honorieren Anleger die operative Wende. So beendete Fossil 2024 das Smart-Watch-Geschäft, nachdem vor allem Apple, Garmin und Samsung den Markt nahezu unter sich aufgeteilt hatten. Um Kosten zu senken, wurden Rabattaktionen deutlich reduziert und die Zahl der Filialen halbiert. Der Fokus richtet sich seither wieder auf traditionelle analoge Uhren, Schmuck und Lederwaren.
Dabei entwickelt das Unternehmen nicht nur für die eigenen Marken wie Fossil, Zodiac und Michele, sondern unter anderem auch für Michael Kors, Armani und Diesel. Die Rechnung geht auf. Zwar sanken die Erlöse in den beiden kleineren Segmenten Lederwaren und Schmuck in den ersten neun Monaten deutlich. Die Umsätze bei Uhren haben sich hingegen stabilisiert. „Dank der starken Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2026 und der anhaltenden Geschäftsdynamik können wir unsere Finanzprognose für das Gesamtjahr zuversichtlich anheben. Hervorzuheben sind dabei die erwartete Rückkehr zu Umsatzwachstum im vierten Quartal, eine verbesserte Profitabilität sowie die Generierung eines positiven Free Cashflows“, erklärte Konzernchef Franco Fogliato bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.
Fokus auf Wachstum
Bis 2028 will Fogliato aus dem einstigen Sanierungsfall ein profitables Wachstumsunternehmen machen. Der Umsatz soll dabei im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich wachsen, die operative Marge ein hohes einstelliges Niveau erreichen und ein solider freier Cashflow erwirtschaftet werden. Dabei setzt der Konzernchef zum einen auf die Ausweitung des E-Commerce-Bereichs. Damit würde sich die Abhängigkeit von großen US-Ketten verringern und die Gesamtmarge steigern.
Zum anderen sollen attraktive Produkte sowie die Verlängerung bestehender und Schließung neuer Lizenzvereinbarungen das Wachstum stützen. Derzeit werden die neuen eigenen Produkte und zahlreiche Lizenzneuheiten von Michael Kors und Emporio Armani für das traditionell wichtige Weihnachtsgeschäft ausgeliefert. Sie sollen für den anvisierten Umsatzanstieg im vierten Quartal sorgen. Für 2027 erwarten Analysten die Ertragswende. Anzeichen dafür dürften zu einer nachhaltigen Neubewertung der Aktie führen.
Fazit
Finanziell und operativ hat Fossil eine harte Restrukturierung hinter sich. Nun scheint die Ertragswende eingeleitet.